Fischer dementiert Havard-Engagement! Ex-Minister droht mit rechtlichen Schritten

Grün-Politiker denkt über andere Gastprofessur nach

Mit einem Machtwort hat der deutsche Ex-Außenminister Joschka Fischer am Mittwoch Meldungen über seine Berufung an die amerikanische Elite-Universität Harvard widersprochen. Sichtlich erzürnt sagte Fischer am Rande der Grünen-Fraktionsklausur in Wörlitz, er habe nicht die Absicht auszuwandern. Der Grünen-Politiker drohte auch mit rechtlichen Schritten: Eine entsprechende Meldung "wird die Anwälte beschäftigen".

"Mein Hauptwohnsitz ist und bleibt Berlin", sagte Fischer und fügte hinzu: "Es gibt weder die Absicht von mir auszuwandern... Noch gibt es auch nur Gespräche oder die Idee von Gesprächen mit Harvard, geschweige denn, dass irgendetwas entschieden werden konnte, was es nicht gibt." Er habe allerdings ein Angebot von einer anderen amerikanischen Universität. "Ich denke darüber nach."

Über seinen Wechsel nach Harvard hatte am Mittwoch die "Bild"-Zeitung berichtet. Entsprechende Schlagzeilen morgens zu lesen, finde er "unerträglich", sagte Fischer. Er betonte: "Es gibt einen Anspruch auf Seriosität und gewiss einen Anspruch auf Privatheit."

Das Magazin "Stern" hatte am Dienstag berichtet, Fischer habe auch ein Angebot der Universität in Princeton für eine Gastprofessur. In Princeton hatte Fischer bereits 2003 einen Vortrag über "Europa und die Zukunft der transatlantischen Beziehungen" gehalten. Laut "Stern" will Fischer, der weder Abitur noch ein Studium vorweisen kann, aber nicht für immer in die USA umziehen, sondern nur für zwei bis drei Jahre.

Fischer, der sich bereits nach der deutschen Bundestagswahl im September aus der aktiven Parteipolitik zurückgezogen und Anfang Jänner seinen Posten im Grünen-Parteirat aufgegeben hatte, wollte keine Auskunft darüber geben, ob er vorhabe, sein Bundestagsmandat aufzugeben. "Ich bin Abgeordneter", verkündete er lediglich.

Er verteidigte auch die Auszeit von seinen Abgeordnetenpflichten, die er zu Anfang der Legislaturperiode genommen hatte: "Ich schwänze nicht. Ich hatte Anspruch, nach sieben Jahren ein paar Überstunden abzufeiern." Der neuen Führung müsse außerdem Gelegenheit gegeben werden, im Amt erst einmal Tritt zu fassen.

Fraktionschef Fritz Kuhn nahm den Ex-Außenminister mit den Worten in Schutz, Fischer bringe sich ordentlich in die Fraktion ein. "Er berät die grüne Politik in vielen Bereichen", betonte Kuhn. Der Unterschied zu früher sei: "Er steht jetzt nicht mehr in der ersten Reihe, sondern in der zweiten."

Bei den Grünen in Wörlitz war spekuliert worden, ob Fischers Teilnahme an der Klausur möglicherweise sein letzter Auftritt als einer der Ihren sein würde. Parteichefin Claudia Roth hätte einen Wechsel Fischers nach Harvard als "folgerichtigen" Verlauf seiner Karriere bewertet. "Zutrauen würde ich es ihm", sagte sie. "Bei einem wie Joschka würde ich vielleicht sogar mein abgebrochenes Studium beenden wollen", meinte Roth.

Fischers Rückzug aus der aktiven Parteipolitik der Grünen vollzieht sich seit dem Verlust der rot-grünen Regierungsmehrheit bei der Bundestagswahl auf Raten. Unmittelbar nach der Wahl im September kündigte der ehemals heimliche Parteichef an, dass er nicht für den Fraktionsvorsitz zur Verfügung stehe. Bei seiner Vereidigung als hessischer Umweltminister vor zehn Jahren habe er Freiheit gegen Macht eingetauscht. Jetzt wolle er seine Freiheit wieder haben, sagte er damals. (apa)