Festhalten an eigener Uran-Anreicherung: Iran beharrt auf Recht zur Kernenergie

Vorbereitungen dafür sollen bereits intenesiv laufen Brisante Infos: Teheran behindert UNO-Inspektoren

Festhalten an eigener Uran-Anreicherung: Iran beharrt auf Recht zur Kernenergie

Der iranische Staatspräsident Ahmadinejad hat bekräftigt, dass sein Land ungeachtet wachsenden internationalen Drucks an seinem Atomprogramm festhalten werde. Der Iran habe ein Recht auf die friedliche Nutzung von Kernenergie und werde dem Druck standhalten, "bis dieses Recht voll erfüllt ist", sagte Ahmadinejad am in einer im iranischen Fernsehen übertragenen Ansprache.

"Ich sage den so genannten Supermächten, dass die iranische Nation vor 27 Jahren unabhängig wurde und selbst entscheidet", sagte der Präsident. Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie- Organisation (IAEO) will am Donnerstag in Wien entscheiden, ob das iranische Atomprogramm vor den UNO-Sicherheitsrat gebracht wird. US- Außenministerin Condoleezza Rice hatte die Führung in Teheran zuvor nochmals zu einem Richtungswechsel aufgerufen, um den Gang vor den UNO-Sicherheitsrat zu vermeiden.

US-Präsident Bush will Ahmadinejad vor ein Völkergericht stellen. "Sie, der Sie die zionistische Marionettenregierung unterstützen, der Sie die Zerstörung palästinensischer Häuser unterstützen - Sie haben nicht das Recht, über Freiheit oder Menschenrechte zu reden", sagte Ahmadinejad in seiner Rede. "So Gott will, werden wir Sie in naher Zukunft vor einem Völkergericht verurteilen."

Tonart wird schärfer
Großbritannien hat indessen den Ton im Atomstreit mit dem Iran verschärft. Der Iran habe "eine letzte Gelegenheit", seinen Verpflichtungen nachzukommen, sagte der britische Außenminister Jack Straw im Rundfunksender BBC. Indem die fünf Vetomächte des Weltsicherheitsrates sich darauf verständigt hätten, dass frühestens im März Schritte gegen den Iran eingeleitet werden sollen, habe die islamische Republik noch eine letzte Chance.

Iran bereitet Urananreicherung vor
Der Iran bereitet nach einem vertraulichen Bericht der IAEO zurzeit seine Atomanlage bei Natans intensiv auf die Anreicherung von Uran vor. Zwar hätten Wissenschaftler in dem Werk den Anreicherungsprozess selbst noch nicht aufgenommen, doch liefen die Vorbereitungen dafür auf Hochdruck, heißt es in dem Bericht, den die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) am Dienstagabend den 35 Mitgliedern des IAEO-Gouverneursrats vorgelegte. Der Iran verfüge darüber hinaus offenbar über Anleitungen zum Bau bestimmter Bestandteile von Atombomben.

Nach der Entscheidung, den UN-Sicherheitsrat mit dem iranischen Atomprogramm zu befassen, drohte Teheran mit der Aufkündigung seiner Kooperation mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO). Wenn die UNO sich mit dem Thema befasse, werde der Iran seine "freiwillige Zusammenarbeit" mit der IAEO beenden, sagte Außenminister Manouchehr Mottaki. Einem vertraulichen IAEO-Bericht zufolge, der am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP vorlag, verfügt Teheran über Dokumente, die sich auf den Bau von Zubehör für Atomwaffen beziehen. Dem Bericht zufolge hat der Iran die IAEO auch über die Wiederaufnahme seiner Forschung zur Urananreicherung informiert.

Zusammenarbeit für Iran schon am Samstag beendet?
Es gebe keinen Unterschied zwischen einer Informierung und einer Befassung des Sicherheitsrats, zitierte das iranische Fernsehen Mottaki. Sollte der IAEO-Gouverneursrat am Donnerstag die Überweisung an das UN-Gremium beschließen, werde der Iran am Samstag seine Zusammenarbeit mit der IAEO einstellen. Zuvor hatte bereits der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad laut einer Meldung der halbamtlichen Nachrichtenagentur Isna gedroht, der Iran werde unangemeldete Kontrollen der IAEO nicht mehr zulassen, wenn der Streit an den Sicherheitsrat überwiesen werde.

Die fünf führenden Atommächte und Deutschland hatten am Dienstagmorgen in London beschlossen, dem Gouverneursrat eine entsprechende Entschließung vorzulegen. Teheran wird vor allem von den Europäern und den USA verdächtigt, seit Jahren heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

Wie am Abend aus diplomatischen Kreisen in Wien verlautete, wird der Iran in dem Bericht außerdem beschuldigt, die Untersuchungen von IAEO-Inspekteuren zu erschweren. IAEO-Inspektoren wurden danach unter anderem daran gehindert, einen Wissenschafter zu befragen, der über den Kauf von Material zum möglichen Bau von Atomwaffen Auskunft geben sollte. Außerdem sei ihnen nicht gestattet worden, Dokumente zu kopieren, die im Zusammenhang mit Bauplänen für Herstellung von Atombomben stünden.

Dokument über Atomsprengköpfe bei Iran?
Teheran ist außerdem im Besitz eines Dokuments, in dem die Herstellung des Kerns für Atombomben aus hoch angereichertem Uran beschrieben wird. Iran behauptet seit Jahren, mit seinem 18 Jahre lang geheimen Atomprogramm ausschließlich friedliche Absichten zu verfolgen. Iran behauptet, es habe diese Dokumente "ungewollt" von nuklearen Schwarzhändlern vermutlich aus dem Umfeld des pakistanischen Atomforschers und Vaters der pakistanischen Atombombe, Abdul Qadir Khan, erhalten.

Dem Bericht zufolge verfolgen IAEO-Inspektoren über Satellit die Arbeiten an einem iranischen Schwerwasser-Versuchsreaktor, mit dem sich bombenfähiges Plutonium herstellen ließe. Sowohl die IAEO, als auch die EU und USA haben an Teheran appelliert, den Bau des Reaktors zu stoppen.

(apa/red)