Feinstaub-Wolke liegt über ganz Österreich:
Wetter Schuld an Grenzwert-Überschreitung

Schlechteste Feinstaubwerte in Graz seit 2004 Vorarlberg: Schon seit 6 Tagen klare Überschreitung

Der Feinstaubgrenzwert ist am Dienstag wieder klar überschritten worden. Vor allem in Vorarlberg werden bereits seit sechs Tagen in Folge deutlich erhöhte Feinstaubwerte gemessen. Schuld daran sei derzeit vor allem das Wetter.

Grund für die starke Belastung sei nach Angaben von Bernhard Anwander vom Umweltinstitut das Wetter, zwischen höher gelegenen Gebieten und Tal gebe es derzeit Unterschiede von bis zu zehn Grad, ein Luftaustausch sei nicht möglich. Eine Entspannung zeichne sich für das Wochenende ab.

Wien: Schon neun Tage zu hohe Werte
Auf die weiterhin hohe Feinstaubbelastung in der Bundeshauptstadt wies der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hin: Bereits der neunte Tag in Folge weise zu hohe Werte auf. Am Montag sei der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter fast um das Dreifache überschritten worden. Kritik übte auch Grünen-Umweltsprecherin Eva Glawischnig, die eine Verschärfung des Feinstaubgesetzes forderte.

Der höchste Wert wurde laut VCÖ bei der Wiener Südosttangente (A23) gemessen. Die Messstelle Rinnböckstraße in der Nähe der Autobahn wies 146 Mikrogramm pro Kubikmeter auf.

Der Club verwies darauf, dass die Umweltkosten des Straßenverkehrs allein in Wien 275 Millionen Euro betragen würden. Verkehr in Wien verursacht pro Jahr rund 2,9 Millionen Tonnen CO2, 9,15 Tonnen Stickoxide und 1,4 Tonnen Feinstaub. Mit einer City-Maut die Schadstoffbelastung durch den Verkehr um bis zu 20 Prozent verringert werden, bekräftigte der VCÖ eine alte Forderung. Die Stadt Wien soll die Wirkungen einer City-Maut untersuchen lassen.

Steiermark: Schlechteste Feinstaubwerte in Graz seit 2004
Seit vier Tagen liegen die Feinstaubwerte in Graz über 100 Mikrogramm Tagesmittelwert (Grenzwert 50 Mikrogramm) und eine Besserung ist vorläufig nicht in Sicht. "Die höchste Dauerbelastung seit dem Winter 2003/04", weiß man in der Luftgüteüberwachung des Landes. An die Autofahrer wird appelliert, das Vehikel zu Hause stehen zu lassen. Die Grünen sprechen von einem "akuten Feinstaubnotstand".

Der Appell betrifft auch andere steirische Regionen, wobei der mangelnde Luftaustausch und damit die Hartnäckigkeit der Belastungssituation besonders im Grazer Becken bis gegen das Wochenende hin anhalten dürfte. In der steirischen Landeshauptstadt ist die Feinstaubkonzentration überhaupt seit drei Wochen nicht mehr unter den Grenzwert gesunken.

"Erbärmlich, wie untätig nicht reagiert wird"
Mittlerweile hagelt es kritische Stellungnahmen gegen die Verantwortlichen von Stadt und Land. "Es ist erbärmlich, wie untätig auf die derzeitigen Feinstaubwerte nicht reagiert wird", so der Umweltsprecher der Grazer Grünen, Hermann Candussi. Scharf attackierte Candussi Bürgermeister Siegfried Nagl, der es nicht einmal geschafft habe, die Grazer eindringlich zu ersuchen, auf unnötige Kfz-Fahrten zu verzichten.

Für die Klubchefin der Grünen im Landtag, Ingrid Lechner-Sonnek, sind sowohl die Feinstaubwerte als auch "die politische Unfähigkeit außer Kontrolle". Lechner-Sonnek forderte im Rahmen eines Feinstaubalarmplans schulfrei bei dreifacher Überschreitung der gesundheitsgefährdeten Grenzwerte. Das abrupte Ende der SMS-Gratis- Ticketaktion des Umweltressorts ist für die Grüne Klubobfrau "ein Betrug an der Bevölkerung". In der Zielsetzung anders gelagert die Kritik des steirischen BZÖ-Obmanns Gerald Grosz: "Das Chaos um die Gratistickets in Graz ist leider der beste Beweis dafür, dass diese Landesregierung nicht im Stande ist, nur die geringste Maßnahme gegen die Feinstaubbelastung umzusetzen".

In Vorarlberg Dornbirn und Feldkirch am stärksten betroffen
Am stärksten betroffen sind in Vorarlberg wieder die Städte Dornbirn und Feldkirch. Am Sonntag wurden an der Stadtstraße in Dornbirn 112 Mikrogramm Feinstaub gemessen. Der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm. An einer der meistbefahrenen Kreuzungen Feldkirchs, der Bärenkreuzung, lag der Messwert bei 97 Mikrogramm. Damit ist die Luftqualität laut Skala des Landes schlecht bis sehr schlecht.

Auf Hochtouren läuft die Arbeit am Sanierungsplan für Lustenau, wo vor zwei Jahren beim Zollamt die Grenzwerte 40 Mal überschritten wurden. Mit 54 Prozent ist auch hier der Verkehr der größte Feinstaubverursacher.
(apa)