Feilschen ums Gehalt: Auftakt zur
Metall-Tarifrunde in Deutschland erfolgt

Huber appelliert an Vernunft der Arbeitgeber Auch Martin Kannegiesser mahnt zur Mäßigung

Die Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland hat begonnen: Zum Auftakt gab es am Mittwochmorgen in Darmstadt Gespräche für die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Unmittelbar vor Beginn hatten beide Seiten nochmals ihre Positionen bekräftigt. Der Zweite IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber appellierte an die Arbeitgeber, die Beschäftigten an den guten Erträgen teilhaben zu lassen. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser mahnte die Gewerkschaft zu Mäßigung.

Die IG Metall verlangt für die insgesamt rund 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat die Forderung als überhöht zurückgewiesen und rechnet mit einer harten Tarifrunde.

Huber sagte an die Adresse der Arbeitgeber: "Zu sagen 'Uns geht es schlecht' ist einfach falsch." Auch in der mittelständischen Wirtschaft sei in den vergangenen Jahren kräftig verdient worden. Das zurückliegende Jahr und die Aussichten für 2006 seien ebenfalls gut. Die IG Metall wolle es nicht auf massive Auseinandersetzungen anlegen. Sollte es allerdings am Verhandlungstisch keinen fairen Kompromiss geben, werde sich die Gewerkschaft "schon zu wehren wissen".

"Eine Lohnerhöhung von fünf Prozent würde die durchschnittlichen Arbeitskosten von 27,60 auf 29 Euro pro Stunde ansteigen lassen", warnte dagegen Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser. Noch sei die Branche dank ihrer Einbindung in die weltweiten Märkte "eine kräftige Wachstumslokomotive". Allerdings würden die Preise der Produkte seit Jahren stagnieren, und Betriebe in immer mehr Ländern leisten Vergleichbares. "Daher müssen wir in den Tarifverhandlungen die Kirche im Dorf lassen, wenn die Masse unserer Betriebe ihren Beschäftigungs-Standard halten oder sogar ausbauen soll", sagte Kannegiesser

Auch Bosch-Chef Franz Fehrenbach warnte vor einem weiteren Anstieg der Lohnstückkosten. "Schon deshalb hören wir mit ziemlicher Sorge jene Stimmen, die sich angesichts der bevorstehenden Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie positiv zu einer Kaufkraftrunde äußern." Die Akteure dürften den Streit um die richtigen Löhne nicht so unbeschwert führen, als gäbe es den immer schärferen globalen Wettbewerb nicht.

200 Demonstranten
Die Gespräche in Darmstadt begannen rund 45 Minuten später als geplant. Rund 200 Demonstranten hatten sich vor dem Verhandlungsort versammelt, wie ein Gewerkschaftssprecher sagte. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber habe sich in einer Rede an die Versammelten gewandt.

Die Verhandlungen betreffen zunächst die so genannte Mittelgruppe mit den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Ab Donnerstag wird auch in Nordrhein-Westfalen verhandelt. Die weiteren Bezirke folgen in den nächsten Wochen. Die Friedenspflicht endet am 28. März, danach sind Urabstimmungen über Streiks möglich. In Baden-Württemberg hält die IG Metall aber auf Grund einer Sonderregelung schon ab Aschermittwoch, 1. März, Warnstreiks für möglich.

Neben den Lohnerhöhungen fordert die IG Metall auch einen Anspruch der Beschäftigten auf Weiterbildung, eine Verpflichtung der Unternehmen zu mehr Innovationen sowie einen neuen Tarifvertrag über vermögenswirksame Leistungen.