Fall Sebastian von

Familie will eine Seebestattung

Der Wunsch der Familie. Unfalltod inzwischen aufgeklärt - kein Fremdverschulden.

Fall Sebastian - Familie will eine Seebestattung © Bild: APA/DPA/Reinhardt

Der auf der Nordseeinsel Amrum beim Spielen im Sand ums Leben gekommene Sebastian soll auf See bestattet werden. Wie Seelsorger Harm Henke aus Baden, der Heimatgemeinde des Kindes, einen Bericht der deutschen Nachrichtenagentur dpa bestätigte, wünsche sich das dessen Familie. Dies hänge mit der Familiensituation zusammen, da auch dem Großvater des Kleinen mit einer Seebestattung die letze Ehre erwiesen und dies als "angenehm" empfunden worden ist.

In der Evangelischen Kirche Baden wird am Montag, dem 16. Juli (17.00 Uhr), eine Trauerfeier für Sebastian gehalten. Henke, der als Urlaubsvertretung den Gottesdienst für den kleinen Buben halten wird, betonte, dass es die "schwerste Trauerfeier seines Lebens" werden wird. "Ich bin seit 40 Jahren Pastor und habe über 1.000 Menschen beerdigt, so ein Schicksal ist aber auch für mich einzigartig."

Unfall augeklärt
Das österreichische Urlauberkind ist am 1. Juli beim Graben im Sand ums Leben gekommen. Die Polizeidirektion Husum (Schleswig Holstein) hat den Unfalltod nun endgültig aufgeklärt präsentiert. Alle Ermittlungen, die Auswertung von Fotos und Zeugenbefragungen hätten ergeben, dass es am vorvergangenen Sonntag (1. Juli) "am späten Nachmittag beim Spielen im Sand zu einer Verschüttung des Sebastian gekommen ist", teilten die Kriminalisten am Donnerstag mit.

Der Bub hatte mit seinen Eltern und seiner Schwester auf Amrum Urlaub gemacht. Auf einem Abenteuerspielplatz in Strandnähe war er zuletzt lebend gesehen worden. Nach mehreren großen Suchaktionen entdeckten die Einsatzkräfte am vergangenen Mittwoch die Leiche des Kindes, direkt auf dem Spielplatz, im Sand tief begraben. Die Ermittler hatten bereits am vergangenen Mittwoch, kurz nachdem die Leiche entdeckt worden war, einen Unfall als wahrscheinlichste Variante bezeichnet. Seither versuchten die Bezirkskriminalinspektion Flensburg mit der Polizei Amrum und der Kriminalpolizei Niebüll Klarheit in die Geschehensabläufe zu bringen.

Die Familie war am Samstag vor dem Unglück auf die Insel gekommen. "Tatsächlich war Sebastian am Sonntag mehrfach am 'Piratenschiff', einem Spielgerät am Wittdüner Strand auf Amrum, gewesen", so der Polizeibericht. "Teilweise hatte ihn seine Familie dorthin begleitet." Die Urlaubsunterkunft lag nur etwa 150 Meter vom Strand entfernt.

Senkrechten Schacht gegraben
"Den jetzigen Feststellungen nach hat Sebastian nachmittags unmittelbar am Piratenschiff quasi einen senkrecht verlaufenden Schacht mit einem Durchmesser von knapp einem Meter gegraben", so die Polizei. "Dazu hatte er sich zwischendurch Schaufeln von anderen Kindern geliehen. Um dieses Sandloch herum entstand durch die Aushebung ein ringförmiger Sandwall. Zeitweise haben ihm Kinder dabei zugesehen. Sebastian hatte seinen Spielort zwischenzeitig noch einmal verlassen und kehrte dann aber wieder alleine zurück."

Die Eltern hatten den Zehnjährigen am späten Nachmittag des 1. Juli vermisst gemeldet, unmittelbar danach liefen große Suchaktionen an. Aber erst nachdem ein Urlauber nach einem entsprechenden Aufruf der Polizei Schnappschüsse zur Verfügung stellte, die im Bereich des "Piratenschiffs" entstanden waren, wurde am 4. Juli das tote Kind bei einer neuerlichen, dieses Mal sehr zielgerichteten Suche gefunden.

Im Sand erstickt
"Hier wurde es traurige Gewissheit: Sebastian wurde in einer Tiefe von circa einem Meter gefunden", berichtete die Polizei. Die Ermittler gehen davon aus, dass Sebastian zuletzt mit den Händen gegraben hat. "Dann kam es unvermittelt zum Einsturz der Grube. Zurück blieb nur eine unscheinbare Mulde." Der Schüler sei "sofort völlig handlungsunfähig" gewesen, "verlor in kürzester Zeit das Bewusstsein und erstickte".

Kein Fremdverschulden
Ein Küstengeologe habe den von der Polizei ermittelten Geschehensablauf für plausibel erklärt. "Nach Gesamtbewertung aller gewonnenen Erkenntnisse liegen somit keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden am Tod von Sebastian vor", so die Ermittler.