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Flüchtlinge - 20.000 unbegleitete Minderjährige erreichten Italien

UNICEF schlägt Alarm

In Italien wächst die Sorge wegen der großen Zahl minderjähriger Flüchtlinge, die ohne Begleitung Erwachsener über das Mittelmeer im Land eintreffen. 20.000 unbegleitete Minderjährige haben seit Anfang 2016 Italien erreicht. Im Vergleichszeitraum 2015 waren es 16.500, teilte UNICEF am Dienstag mit.

Über 90 Prozent der 2016 in Italien eingetroffenen Kinder habe alleine die Seefahrt unternommen, 2015 waren es 75 Prozent. 2016 hat die Zahl der Minderjährigen aus Ägypten stark zugenommen. Die meisten stammen aus Westafrika.

"Jede Woche landen Hunderte Kinder in Italien, jedes mit dringenden Bedürfnissen: Von Babys bis zu Teenagern, die nicht wissen, was auf sie in einem Land wartet, das sie nicht kennen", sagte die UNICEF-Sprecherin Sabrina Avakian. "Viele Kinder haben bei der Seefahrt ein tiefes Trauma erlitten. Viele haben erlebt, wie Menschen ertrinken, andere haben Brandwunden wegen des Treibstoffes auf den Schlauchbooten erlitten. Alle brauchen Schutz und ein Ort, wo sie Leben können", so Avakian.

Die UNICEF-Sprecherin berichtete über das Drama einer nigerianischen Mutter, die schwer geschockt ins Spital eingeliefert wurde, nachdem ihre beiden Kinder im Alter von drei und vier Jahren bei der Überfahrt von Libyen nach Italien ertrunken seien. Bei Kindern, die mit Eltern auf Sizilien landeten, handelt es sich oft um Neugeborene, oder um Kinder, die maximal zwei oder drei Jahre alt sind. Oft kommen Babys auch an Bord der Rettungsschiffe zu Welt. Ein großer Anteil der minderjährigen Migranten stammen aus Gambia, Eritrea, Nigeria, Guinea, Somalia und der Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste).

Die Regierung in Rom bemüht sich jetzt verstärkt um die Einrichtung von Flüchtlingszentren für Minderjährige. Dies sei wichtig, um ihnen besonderen Schutz und Unterstützung zu sichern, verlautete es aus dem Innenministerium in Rom. Viele Teenager verschwinden nach wenigen Tagen aus den Flüchtlingseinrichtungen, in denen sie untergebracht werden. Allein 2015 tauchten 6.135 Minderjährige unter. Sie versuchen auf eigene Faust, Freunde und Angehörige in anderen europäischen Ländern zu erreichen, berichteten Experten. Sie seien dabei großen Gefahren ausgesetzt.

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