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"Charlie Hebdos" bissigen Humor gibt es jetzt auch auf Deutsch

Satirezeitung wurde durch Anschlag zu Symbol für Pressefreiheit

Die Satirezeitung "Charlie Hebdo" ist in Frankreich eine Institution - und wurde durch den islamistischen Anschlag auf ihre Redaktion im Jänner 2015 zu einem weltweiten Symbol der Presse- und Meinungsfreiheit. Jetzt gibt es "Charlie Hebdo" auch auf Deutsch: Am Donnerstag kam die erste deutschsprachige Ausgabe der Wochenzeitung in die Kioske. Auch in Österreich soll sie erhältlich sein.

Bissiger Humor als Markenzeichen

Mit frechen, oft derben Karikaturen und bissigen Texten kommentiert "Charlie Hebdo" politische und gesellschaftliche Themen aus Frankreich und aller Welt. Die 1970 gegründete Satirezeitung macht sich unbekümmert über Politiker und andere Prominente lustig und lotet dabei regelmäßig die Grenzen der Pressefreiheit aus.

"Charlie Hebdo" spaltet die Gemüter

Während die einen den respektlosen Humor der Satirezeitung schätzen, kritisieren andere die Karikaturen als geschmacklos, obszön und beleidigend. Insbesondere die scharfe Religionskritik des Blatts geht vielen zu weit. Immer wieder wurde "Charlie Hebdo" wegen seiner Karikaturen verklagt.

Mohammed-Karikaturen und der Anschlag auf die Redaktion

Mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen zog "Charlie Hebdo" wiederholt die Wut von Muslimen auf sich. Im November 2011 wurde ein Brandanschlag auf die Redaktionsräume des Blatts verübt. Zuvor hatte "Charlie Hebdo" den Propheten des Islam in einer Karikatur scherzhaft zu seinem "Chefredakteur" ernannt.

Traurige weltweite Berühmtheit erlangte "Charlie Hebdo" durch den islamistischen Anschlag vom 7. Jänner 2015. Zwei Islamisten stürmten die Redaktionsräume der Zeitung in Paris während einer Redaktionskonferenz und erschossen zwölf Menschen. Unter den Opfern waren der unter Polizeischutz stehende Zeitungschef und Zeichner Charb und die bekannten Karikaturisten Cabu, Tignous, Honore und Wolinski. Die Täter schrien bei ihrer Flucht "Wir haben den Propheten gerächt! Wir haben Charlie Hebdo getötet!"

"Charlie Hebdo" als Symbol der Presse- und Meinungsfreiheit

Der Anschlag löste weltweit Entsetzen und eine beispiellose Welle der Solidarität mit der Satirezeitung aus. Der Spruch "Je suis Charlie" - "Ich bin Charlie" ging um die Welt. Die eine Woche nach dem Anschlag veröffentlichte sogenannte "Ausgabe der Überlebenden" verkaufte sich in Frankreich und im Ausland rund acht Millionen Mal - ein Rekord in der französischen Pressegeschichte.

Der Verkauf der Ausgabe spülte Millionen in die Kassen der chronisch klammen Satirezeitung. Die Zahl der Leser wuchs rasant: Wurden vor dem Anschlag wöchentlich in Frankreich rund 30.000 Exemplare verkauft, sind es heute rund 110.000. Doch einige Mitarbeiter verließen nach dem Anschlag das Blatt, es gab zudem Streit über den Umgang mit Verkaufserlösen und Spendengeldern.

Arbeit unter Polizeischutz und neue Kontroversen

Heute arbeitet die "Charlie Hebdo"-Redaktion an einem geheimen, streng bewachten Ort, die bekanntesten Mitarbeiter stehen unter Polizeischutz. Wiederholt gab es Morddrohungen gegen die Redaktion.

Mit seinen Karikaturen sorgt "Charlie Hebdo" auch weiterhin über Frankreichs Grenzen hinaus für Erheiterung oder Entrüstung. Zuletzt wurde das Blatt nach dem Erdbeben im italienischen Amatrice kritisiert. In einer Karikatur wurden Erdbebenopfer als italienische Nudelgerichte dargestellt. Der Ort verklagte die Satirezeitung deswegen. Zuvor hatten Karikaturen von "Charlie Hebdo"-Chef Riss zum Schicksal des ertrunkenen Flüchtlingskindes Aylan für heftige Kontroversen gesorgt.

Der Name - eine Referenz an Charlie Brown

Das "Charlie" im Namen ist eine Hommage an die Comicfigur Charlie Brown und ihren Erfinder Charles M. Schulz. "Hebdo" ist die Abkürzung für das französische Wort für Wochenzeitung (hebdomadaire).

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