Exklusiv-Interview: Israels Schicksalsjahr

Nahost am Scheideweg

Exklusiv-Interview: Israels Schicksalsjahr

Vizepremier und Friedensnobelpreisträger Shimon Peres über Terrorgefahr, den Iran und seinen Polit-Neustart mit 82 Jahren.

NEWS: Die letzten Wochen verliefen mehr als turbulent in Israel. Erst verloren Sie den Vorsitz der Arbeiterpartei. Kurz danach verließ Premier Ariel Sharon die Likud-Partei und gründete eine neue politische Bewegung. Wieder kurze Zeit später kündigten Sie an, diese neue Partei zu unterstützen.
Peres: Das möchte ich sofort klarstellen: Ich unterstütze den Friedensprozess und nicht eine politische Partei.
NEWS: Trotzdem stehen Sie vor den israelischen Wahlen im März aufseiten Ihres Gegenspielers Sharon. Was ist passiert? Ist Ariel Sharon zum „Linken“ geworden oder Shimon Peres zum „Rechten“?
Peres: Also das ist sicher: Shimon Peres wurde definitiv nicht zum „Rechten“. Dabei möchte ich aber betonen, dass die Einteilung des politischen Spektrums in Israel anderen Regeln folgt als in Europa. In Israel sind links und rechts Standortbestimmungen im Friedensprozess. Sharon hat sich in Richtung jener Ideen bewegt, die ich schon lange vertrete – Positionen, die seine frühere Partei nicht repräsentierte, wie vor allem die Gründung eines palästinensischen Staates. Arik hat – entgegen der Mehrheit im Likud-Block – die jüdischen Siedlungen in Gaza geräumt. Das war ein entscheidender Schritt. In der Politik reicht es nicht, die richtigen Ideen zu haben. Ohne Mehrheit ist das ein bloßes Gedankenspiel. Man braucht die richtigen Ideen und auch eine Mehrheit dafür. Diese hoffe ich mit Sharon schaffen zu können.
NEWS: Im März wird gewählt, und die Partei Sharons, „Kadima“, liegt in den Umfragen weit voran. Sie sind seit fast einem halben Jahrhundert Politiker, waren Zeuge dramatischer Momente. Könnte 2006 nun einen Durchbruch bringen?
Peres: Lassen Sie mich mit einer globalen Einschätzung der Lage beginnen: Über Jahrzehnte dominierte der Kalte Krieg die internationale Politik, so auch den Nahen Osten. Heute sind wir mit einem neuen Konflikt konfrontiert: dem Krieg des Terrors. Die neue Front verläuft heute zwischen Ländern, die zum Anti-Terror-Lager gehören, und jenen, die Terror unterstützen. Dieser Konflikt drückte sich auch beim Krieg im Irak aus. Dieses Jahr ist eines der entscheidendendsten für unsere Region. Denn während Terror global das dominierende Thema wurde, erreichte man – überraschenderweise gleichzeitig – einen Konsens, den israelisch-palästinensischen Konflikt zu lösen.

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