Everybody's Darling: Gerhard Berger - Von Pilot über Sportdirektor zum Team-Besitzer

PORTRÄT: Tiroler eine heimische Renn-Legende 210 Rennen und 10 GP-Erfolge, aber nie Weltmeister

Nach rund zweieinhalb Jahren Auszeit kehrt einer der erfolgreichsten und beliebtesten österreichischen Motorsportler in die Formel 1 zurück. Mit dem Erwerb von 50 Prozent der Anteile an der Scuderia Toro Rosso, dem zweiten Team von Red Bull, steigt Gerhard Berger ab der am 12. März beginnenden WM-Saison 2006 wieder in den PS-Zirkus ein. Nach einer Karriere als Rennfahrer (1985 bis 1997) und Motorsportdirektor bei BMW (1998 bis 2003) klettert der 46-jährige Tiroler als Eigentümer eines Rennstalls die nächste Stufe hoch.

Berger kurvte schon in früher Kindheit mit allem, was Räder hatte, durch den Hof der väterlichen Spedition in Wörgl. 1978, als 19-Jähriger, fuhr er mit unzureichendem Material auf dem Österreich-Ring sein erstes Rennen. Es war ein Flop, aber der Misserfolg stachelte ihn nur noch weiter auf. In der Deutschen Formel 3-Meisterschaft fiel der junge Draufgänger dem fachkundigen Blick Helmut Markos auf, der ihn in die Formel 3-Europameisterschaft lotste. 1984 gelang der Sprung in die Formel 1, in der er alle Höhen und Tiefen erlebte.

Die Premiere verlief passabel. Platz zwölf auf dem Österreichring folgte Rang fünf (ohne Punkte) in Monza auf einem ATS. Bei Arrows-BMW war man inzwischen längst aufmerksam geworden, und 1985 saß Berger in Rio erstmals in diesem Boliden. Aber die Möglichkeiten bei Arrows waren bald ausgereizt. 1986 ging er zu Benetton-BMW und feierte in Mexiko seinen ersten Sieg. Dennoch erfolgte mit Saisonschluss die Trennung und der Wechsel zu Ferrari.

Von 1987 bis 1989 saß Berger im feuerroten Renner aus Maranello, wurde 1988 WM-Dritter und wanderte letztlich doch zu McLaren weiter. Senna wurde sein Partner, jener Mann, den er mehr schätzte als jeden anderen und an dem letztlich kein Weg vorbeiführte. Ferrari engagierte Berger 1992 noch einmal. Der Tiroler erlag der Verlockung vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil er dort Niki Lauda als "Piccolo Commendatore" und Berater wusste.

14 Jahre fuhr Berger in der Formel 1, ehe er am 26. Oktober 1997 in Jerez de la Frontera als Fahrer ausstieg. Mit 210 Grand Prix-Rennen für Arrows-BMW, Benetton, Ferrari, und McLaren-Honda ist der Tiroler Österreichs Rekordhalter, zehn GP-Siege feierte er. Zwei Mal beendete er die WM auf Rang drei (1988 und 1994 im Ferrari), das große Ziel WM-Titel jagte er vergeblich nach.

1992 vor allem weil Nigel Mansell im Williams-Renault den anderen jede Chance raubte, 1993 weil Prost und Senna fast alles beherrschten und später, weil der Stern des Michael Schumacher strahlend aufgegangen war. 1996 tauschten Berger und Schumacher die Rennställe. Ein Spiel von prickelnder Spannung, das nicht aufging, weil Williams dominierte und die Benettons ohne Schumacher plötzlich nicht mehr liefen.

Berger wusste aber stets auch um die Risiken seines Berufes. Er stand selbst mehrere Male am Scheideweg. Sein Feuerunfall 1989 in Imola, als er bei Tempo 280 den Frontflügel verlor und wie eine Rakete gegen eine Betonwand krachte, lässt den TV-Zeugen noch heute schaudern. Berger überlebte und musste fünf Jahre später miterleben, wie unmittelbar nach seinem Landsmann Roland Ratzenberger auch sein Freund und Leitbild Ayrton Senna auf derselben Strecke mit 300 km/h in den Tod raste, weil ein simpler Defekt das Auto plötzlich unlenkbar machte.

Im Herbst 1998 holte ihn BMW noch einmal - diesmal als Motorsport-Direktor. Berger gilt als "Architekt" des Formel-1-Comebacks der Bayern. Mit Hilfe seiner Kontakte baute er die Strukturen auf, die für die Rückkehr nötig waren. Zusammen mit dem promovierten Ingenieur Mario Theissen avancierte er zu einer der erfolgreichsten Doppel-Spitzen der Formel 1. Über vier Saisonen stand Berger im Dienste von BMW, nach 20 Jahren eines hektischen Lebens, das er größtenteils an Rennstrecken oder im Flugzeug ("Rein ins Flugzeug, raus aus dem Flieger, einchecken, auschecken") verbracht hatte, hatte er im Jahr 2003 vorerst genug und verlängerte den auslaufenden Fünfjahresvertrag nicht.

Er widmete sich seiner Familie (Frau Ana und die Töchter Heidi, Sarah-Maria und Christina), nach zweieinhalb Jahren kehrt er aber nun zu seiner sportlichen Leidenschaft zurück.

(apa)