Europäische Zentralbank lässt Leitzinsen wie erwartet unverändert bei 2,25 Prozent

Pressekonferenz zur Entscheidung am Nachmittag

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins bei ihrer Ratssitzung wie erwartet unverändert gelassen. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken in der Euro-Zone entscheidende Schlüsselzins betrage weiter 2,25 Prozent, teilte die EZB am Donnerstag in Frankfurt mit.

Beobachter hatten damit gerechnet, dass die EZB der ersten Zinserhöhung seit fünf Jahren von Anfang Dezember nicht direkt den zweiten Schritt folgen lässt.

Nun warten Experten auf die Pressekonferenz mit EZB-Chef Jean-Claude Trichet, der den Beschluss ab 14.30 Uhr erläutert. Dabei erhoffen sie sich Hinweise auf die weitere Zinspolitik, wobei sie besonders die Aussagen zur Konjunktur genauestens unter die Lupe nehmen werden. An den Finanzmärkten wird spätestens für März mit einer Anhebung um 25 Basispunkte gerechnet, die Trichet nun vorbereiten könnte.

Die Zentralbank ließ auch die Sätze für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB mit 1,25 Prozent und für Übernachtkredite mit 3,25 Prozent unverändert.

Nach der von Politikern und Gewerkschaftern scharf kritisierten Erhöhung um 25 Basispunkte Anfang Dezember betonten EZB-Vertreter immer wieder, dass diesem Schritt nicht automatisch eine Serie folgen werde. Die Notenbank will jeweils die neusten Daten genau analysieren. Vertreter einer strafferen Geldpolitik - darunter Bundesbank-Präsident Axel Weber - fügten der Botschaft aber hinzu, dass die EZB jederzeit handeln kann, wenn sie die Preisstabilität als ihr oberstes Ziel in Gefahr sieht. Mit dem Verweis auf gestiegene Inflationsrisiken hatte die Notenbank auch die Erhöhung im Dezember begründet.

Seitdem hat eine Flut überraschend guter Wirtschaftsdaten gezeigt, dass sich die Konjunkturerholung in der Euro-Zone festigt. Da sich zugleich die Inflation etwas abgeschwächt hat, erwarten EZB-Beobachter, dass Trichet mit einem günstigeren Konjunkturausblick den Weg für die nächste Zinsanhebung ebnet. Ein kräftigeres Wachstum droht die Inflation anzuheizen, da die Wirtschaft üppig mit Geld versorgt ist und eine steigende Nachfrage zu Preissteigerungen und höheren Lohnforderungen führen könnte.