Europäische Hafenarbeiter streiken: Protest
gegen EU-Richtlinie für mehr Liberalisierung!

4.500 Arbeiter legten norddeutsche Häfen lahm

Europäische Hafenarbeiter haben mit Kundgebungen und Warnstreiks gegen eine geplante EU-Richtline zur Liberalisierung des Hafengeschäfts protestiert. Sie legten damit zahlreiche Häfen lahm. Allein in neun norddeutschen Häfen beteiligten sich 4.500 Beschäftigte an Aktionen. Im Hamburger Hafen kamen nach Polizeiangaben rund 2.000 Arbeiter zu einer Kundgebung zusammen.

In Rotterdam, dem größten Hafen Europas, beteiligten sich etwa 250 Arbeiter an einer Kundgebung. In Griechenland legten Arbeiter für drei Stunden die Arbeit nieder. In Finnland protestierten Hafenbeschäftigte während der Morgen- und Abendschicht.

In Spanien, Dänemark und Frankreich standen Informationsveranstaltungen auf dem Programm. Auch in Belgien und Italien legten Hafenarbeiter Häfen vorübergehend lahm. Insgesamt beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben europaweit rund 35.000  Arbeiter an den Aktionen.

Mit der geplanten Hafenrichtlinie Port Package II will die EU-Kommission das Hafengeschäft liberalisieren und für mehr Wettbewerb sorgen. Lotsendienste, Schleppdienste und das Löschen von Ladung sollen an zeitlich befristete Konzessionen gebunden werden.

Außerdem sollen Reedereien ihre Schiffe selbst be- und entladen dürfen. Bisher ist das den in den Häfen ansässigen Unternehmen vorbehalten. Die Gewerkschaften fürchten dadurch den Abbau von Arbeitsplätzen und Lohndumping. Über die Hafenrichtlinie berät kommende Woche das europäische Parlament.

"Der Protest der Hafenarbeiter ist ein Zeichen für ein Europa der Menschen, die sich nicht weiter dem neoliberalen Wettbewerbswahn unterwerfen wollen", sagte Jutta Blankau, Bezirksleiterin der IG Metall Küste, in Hamburg. Für die Arbeit in den Häfen würden erfahrene und ausgebildete Kräfte gebraucht.

Ein niederländischer Gewerkschaftssprecher sagte, die geplante Liberalisierung könne allenfalls zu einer geringen Kostensenkung führen, bringe aber zugleich eine geringe Qualität mit sich.

Die Richtlinie schade dem Standort Europa, sagte der deutsche Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Die zeitlich begrenzten Laufzeiten von Hafenlizenzen könnten Investitionen schwächen.

Eine Sprecherin des größten europäischen Containerumschlagsunternehmens Eurogate zeigte zwar Verständnis für die Sorgen der Beschäftigten. Die Aktion der Hafenarbeiter sei aber wegen der Folgen auf die Schiffsabfertigungen bedenklich. (apa)