Spaniens Mittelfeld um Xavi und Co gilt zurecht als das beste im Weltfußball. Das Prunkstück des Welt- und Europameisters stellt für Vicente del Bosque ein äußerst angenehmes Problem dar. "Alle hätten es verdient zu spielen und würden in vielen Nationalteams sicher zur Stammelf gehören", sagte der Weltmeister-Trainer. Der Coach hat die Qual der Wahl: Gleich elf Spieler streiten bei der Fußball-EM um einen Platz im Herzstück der "Seleccion".
Obwohl Del Bosque bereits zweimal auf einen klassischen Mittelstürmer zugunsten des "Not-Neuners" Cesc Fabregas verzichtet hat, müssen selbst in diesem Fall fünf hochqualifizierte Mittelfeldakteure auf die Bank. Die Konkurrenz feiert und fürchtet die überragende Klasse des spanischen "medio campo". "Das ist das beste Mittelfeld der Welt", sagte Frankreichs-Trainer Laurent Blanc. Irlands Altmeister Giovanni Trapattoni schwärmte über die "herausragende Qualität". Und auch für Kroatiens Slavien Bilic stellt das "derzeit einfach das Beste" dar.
Del Bosque hat sich in dem von ihm bevorzugten 4-2-3-1-System auf seinen zentralen Fünfer-Block festgelegt. Xabi Alonso (Real Madrid) und Sergio Busquets (FC Barcelona) sind die beiden "pivotes" (Sechser). Xavi, Andres Iniesta (beide FC Barcelona) und David Silva (Manchester City) bilden den kreativen Offensivpart. Je nach Gegner und Taktik rückt Mittelfeldmann Fabregas (FC Barcelona) für Stürmer Fernando Torres (Liverpool) noch in die Anfangself.
Xavi zieht die Fäden
Xavi ist der geniale Denker und Lenker. So wie beim FC Barcelona gilt er auch in der Nationalmannschaft als "Hirn". Der 32-Jährige bestimmt Tempo und Taktik. Aber auch sein kongenialer Club-Kollege Iniesta und Silva sind absolute Hochkaräter. Die beiden Außen sind zudem torgefährlich. In seiner Kreativität und technischen Qualität ist dieses Trio einmalig. Xabi Alonso ist der ruhende Pool im defensiven Mittelfeld. Mit dem sieben Jahre jüngeren Busquets bildet der 30-Jährige einen stabilen, nur schwer zu knackenden Sechser-Riegel, der auch die nötige Kopfballstärke hat.
Angesichts solcher Facharbeiter ist es für die konkurrierenden Kollegen fast unmöglich, über die Ersatzrolle hinauszukommen. Ein Spieler vom Format eines Juan Mata (Chelsea) hat bei diesem Turnier noch keine Minute gespielt. "Ich hoffe natürlich, dass ich zum Einsatz komme", sagte der Champions-League-Gewinner. "Ich gebe immer alles im Training und versuche, mich anzubieten." So oder so ähnlich äußern sich auch seine Leidensgenossen.
Immerhin kamen die schon zu einem oder sogar zwei Kurzeinsätzen. Pedro, beim WM-Halbfinalsieg gegen Deutschland noch in den Top-Elf, durfte gegen Frankreich für den müden Silva wenigstens in der 65. Minute ran. Javi Martinez von Athletic Bilbao wurde nur gegen Irland (4:0) eingewechselt (65.), als die Partie bereits entschieden war. Santi Cazorla vom Champions-League-Qualifikanten FC Malaga schnupperte bei seinen beiden Kurzeinsätzen einschließlich Nachspielzeit 23 Minuten EM-Luft. Jesus Navas (FC Sevilla) durfte insgesamt sogar eine Stunde die rechte Außenbahn auf und ab rennen.