EURO 2012 von

2 Rote und ein vergebener Elfer

Polen und Griechenland mit 1:1-Remis in packendem Eröffnungsspiel

  • Bild 1 von 18 © Bild: GEPA/Witters

    Das erste Tor der EM von Robert Lewandowski in der 17. Minute

Zwei Tore, zwei rote Karten, ein vergebener Elfmeter und jede Menge spektakuläre Szenen: Die Russland Tschechien mit 4:1.

Nach einer ungerechtfertigten Gelb-Roten Karte für Verteidiger Sokratis (44.) nur zu Zehnt, glich Griechenland zunächst durch "Joker" Dimitrios Salpingidis (51.) aus und hatte vom Elfmeterpunkt noch die Chance auf den Siegestreffer. Routinier Georgios Karagounis scheiterte in der 71. Minute aber an Polens zweitem Torhüter Przemyslaw Tyton. Die Nummer 1 der Osteuropäer, Wojciech Szczesny, hatte zuvor wegen Torraubs die Rote Karte gesehen.

Angetrieben von der Dortmunder Achse mit Lukasz Piszczek, Kapitän Jakub Blaszczykowski und Lewandowski bereiteten die Polen dem Europameister von 2004 vor allem über rechts große Probleme. Rafal Murawski riss die Zuschauer mit einem von Griechenlands Torhüter Konstantinos Chalkias über die Latte gedrehten Schuss (4.) erstmals von den Sitzen, Lewandowski verpasste eine Hereingabe von Piszczek (14.) knapp. Drei Minuten später war der erste Treffer dieser EM erzielt. Erneut tankte sich Polen über "Kuba" Blaszczykowski an der rechten Outlinie durch, seine Flanke drückte Lewandowski per Kopf über die Linie. Chalkias, mit 38 Jahren der älteste EM-Akteur, sah wie die gesamte griechische Hintermannschaft nicht gut aus.

Polen gibt Partie aus der Hand
Mit der Führung im Rücken verlegte sich Polen aber zu sehr darauf, die Defensive zu stärken. Die mit drei Stürmern eingelaufenen Griechen kamen besser ins Spiel, mussten aber zunächst froh sein, dass Polens Damien Perquis nach einem Freistoß die große Chance auf das 2:0 ausließ (37.). Kurz vor dem Pausenpfiff haderten die Südeuropäer auch noch mit dem spanischen Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo. Dieser schickte den bereits mit einer Gelben Karte versehenen Innenverteidiger Sokratis nach einem harmlosen Foul vom Platz.

Griechenlands portugiesischer Teamchef Fernando Santos bewies aber ein Goldhändchen. Für Ninis brachte er Salpingidis auf das Spielfeld, der seine Einwechslung fast umgehend rechtfertigte. Nach einer von Freund und Feind nicht gebändigten Torosidis-Flanke bugsierte der Stürmer den Ball zum Schrecken der polnischen Fans ins Gehäuse. Wieder einmal bewies Griechenland, in entscheidenden Situationen eiskalt zu agieren.

Polen werden nervös
Mit einem Mann mehr kam bei den in den ersten 30 Minuten noch übermächtigen Polen Nervosität auf. Offensiv kam die Elf von Franciszek Smuda kaum noch ins Spiel, die Abwehr wirkte ebenfalls nicht sattelfest. Dies offenbarte sich in der 68. Minute, als Salpingidis die Abseitsfalle der Polen überlistete. Szczesny ließ den Fuß stehen, neben dem fälligen Foul-Elfmeter gab es noch Rot für den Arsenal-Goalie. Ausgerechnet der routinierte Karagounis, ein Überbleibsel der Überraschungself von 2004, scheitert mit einem schwach geschossenen Strafstoß aber an Tyton.

Im ersten Spiel setzte sich damit die schwarze Serie der Turnier-Ausrichter fort: Zuletzt hatte Belgien vor zwölf Jahren als Gastgeber ein EM-Auftaktspiel gewonnen. Im zweiten Spiel der Gruppe A stehen sich am Abend in Breslau noch Russland und Tschechien gegenüber.

Reaktionen
Franciszek Smuda (Teamchef Polen): "Eröffnungsspiele bei großen Turnieren enden oft unentschieden, aber noch ist nichts verloren. Wir haben noch zwei Spiele, die wir gewinnen können. Meine Spieler standen unter großem Druck, ich habe das vor dem Spiel und in der Pause gesehen. Wir sind zufrieden mit dem Punkt, auch wenn wir Fehler gemacht haben. Unser Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen und das können wir noch schaffen."

Robert Lewandowski (Torschütze Polen): "Das Unentschieden ist am Ende verdient. Es war unsere eigene Schuld, dass wir nicht gewonnen haben."

Przemyslaw Tyton (Torhüter Polen): "Das war ein großartiges Gefühl. Mein Einsatz war ein Geschenk. Mit dem Remis können wir leben, auch wenn wir mehr wollten. Wir lassen den Kopf nicht hängen."

Fernando Santos (Teamchef Griechenland): "Wir haben in den ersten 25 Minuten sehr schlecht gespielt, aber uns dann gesteigert. In der Pause habe ich meinen Spielern gesagt, dass wir uns zurückkämpfen und das haben sie gemacht. Wir hatten die große Chance, einen zweiten Treffer zu erzielen. Wenn wir das geschafft hätten, wäre die Partie entschieden gewesen. Aber ich bin trotzdem stolz auf meine Spieler."

Georgios Karagounis (Kapitän Griechenland, verschoss Elfmeter): "Wir haben die ersten 30 Minuten völlig verschlafen. Hoffentlich haben wir unsere Lektion daraus gelernt."

Polen - Griechenland
Endstand 1:1 (1:0)
Warschau, Nationalstadion, 58.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Carlos Velasco Carballo/ESP

Torfolge:
1:0 (17.) Lewandowski
1:1 (51.) Salpingidis

Polen: Szczesny - Piszczek, Wasilewski, Perquis, Boenisch -
Polanski, Murawski - Blaszczykowski, Obraniak, Rybus (70. Tyton) -
Lewandowski

Griechenland: Chalkias - Torosidis, Sokratis, A. Papadopoulos (37. K. Papadopoulos), Holebas - Maniatis, Katsouranis, Karagounis - Ninis (46. Salpingidis), Gekas (68. Fortounis), Samaras

Rote Karte: Szczesny (68./Torraub)
Gelb-Rote Karte: Sokratis (44./wiederholtes Foulspiel)
Gelbe Karte: Keine bzw. Holebas, Karagounis
Die Besten: Lewandowski, Blaszczykowski bzw. Salpingidis, Torosidis