Eugen Adelsmayr von

"Mulmiges Gefühl"

Arzt fliegt zurück nach Dubai. Prozess wird am Sonntag fortgesetzt.

Eugen Adelsmayr - "Mulmiges Gefühl" © Bild: APA/Gindl

Mit einem "mulmigen Gefühl" und "ein bisschen Angst" ist der in Dubai wegen Mordes angeklagte Intensivmediziner Eugen Adelsmayr (52) Freitag Vormittag vom Salzburger Flughafen über Wien Schwechat in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zurückgeflogen. Beim nächsten Gerichtstermin am kommenden Sonntag sollen die beiden letzten Zeugen der Anklage aussagen.

Er wäre auch ohne dem - vor den Behörden - abgegebenen Versprechen nach Dubai zurückgekehrt, weil er Vertrauen in das dortige Rechtssystem habe. "Ich wollte nicht auf den internationalen Fahndungslisten stehen. Meine Reisefreiheit wäre eingeschränkt", sagte der Mediziner. Wäre er zu Hause geblieben, hätte er Österreich und Europa nicht verlassen können. "Und das Verfahren wäre nicht zu einem sauberen Ende gebracht worden", sagte der schlanke, groß gewachsene Arzt aus Bad Ischl mit ruhigen Worten vor der Abflughalle in Salzburg zu Journalisten.

Begleitet wird der Bad Ischler von der Chefin der Rechtsabteilung im Außenministerium, Elisabeth Ellison-Kramer. Sie hatte Adelsmayr bereits zweimal in Dubai beigestanden und für seine Ausreise gekämpft. Der Mediziner soll bis zum Ende des Gerichtsverfahrens vom Außenministerium unterstützt werden. Der österreichische Botschafter in den Emiraten wird den Prozess weiterhin beobachten und auf die Einhaltung der internationalen Standards achten, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal.

Kurzer Heimatbesuch aus humanitären Gründen
Die vorübergehende Ausreise aus den VAE ist dem Mediziner aus humanitären Gründen erlaubt worden - die Frau des Arztes ist schwer krank. Die Alternative wäre gewesen, Monate ohne Job und relativ isoliert in Dubai auf das Ende des Verfahrens zu warten, das nach Einschätzung des Arztes etwa sechs Monate dauern wird. Darum habe er das Versprechen abgegeben, wiederzukommen, sagte Adelsmayr.

Er könne sich in Dubai frei bewegen, werde am Freitag zu seiner Wohnung fahren und am Samstag mit seiner Anwältin die Fragen an die Zeugen besprechen, die am Sonntag einvernommen werden. Dabei handelt es sich um eine Krankenschwester und einen Arzt, der das Verfahren gegen ihn mitinitiiert habe. "Es geht da um medizinische Fragen. Der Hauptbelastungszeuge hat ja das gleiche getan wie ich, gleich viel Morphium und Beruhigungsmittel gegeben. Die Anschuldigungen sind total haltlos, ich hoffe, dass das im Prozess herauskommt. Ich bin der Meinung, dass der Richter unbeeinflusst ist. Ich glaube an einen Freispruch."

"Alles geht über Anwälte"
Die Gerichtsbarkeit in Dubai sei aber anders als in Österreich. "Ich habe keine Möglichkeit, Fragen zu stellen, und werde auch nicht befragt. Das geht alles über die Anwälte", erläuterte der Oberösterreicher. Beim nächsten Prozesstermin ist dann die Verteidigung am Zug. Als "juristisch interessanten Aspekt" in diesem Verfahren bezeichnete Adelsmayr, dass der Mitangeklagte nicht wie er suspendiert worden sei, sondern weiterhin in der gleichen Abteilung des Spitals arbeite.

Rückehr für nächste Woche geplant
Trotz des psychischen Drucks, der auf dem Oberösterreicher lastet, wirkte er dennoch gelassen, als er am Airport Salzburg einen großen, schwarzen Koffer hinter sich herzog und dabei lächelnd erklärte, dass der Trolley leer sei. Warum? "Ich habe ja wenig Sachen in Bad Ischl. Beim nächsten Flug bringe ich wieder etwas mit nach Hause." Nach der Verhandlung werde er noch zwei Tage in Dubai bleiben und dann am Dienstag oder Mittwoch wieder nach Hause zu seiner krebskranken Frau fliegen. "Das ist mit den Entscheidungsträgern in den Vereinigten Arabischen Emiraten auch so vereinbart", sagte der Sprecher des Außenministeriums.

Die Begeisterung und das Verständnis seiner Familie über seine Abreise habe sich in Grenzen gehalten, schilderte der Intensivmediziner. Die Tage in seiner Heimat habe er unspektakulär verbracht und sich auf den nächsten Prozesstag vorbereit. "Gestern verbrachte ich einen ruhigen Abend mit meiner Frau. Ihr geht es jetzt ein bisschen besser. Ich habe zu ihr gesagt, dass ich wieder komme", lauteten seine tröstenden Worte. "Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man daheim in Sicherheit ist, und Dubai weit weg ist, wie ein Alptraum. Da unten ist die beinharte Realität." Ob er im Falle eines Freispruchs endgültig nach Österreich zurückkehrt, weiß Adelsmayr noch nicht.

Anklage wegen Mordes
Die Anklage beschuldigt den Oberösterreicher und einen indischen Kollegen, einen querschnittgelähmten Patienten im Februar 2009 durch Unterlassung von Hilfeleistung und eine hohe Dosis Opiate getötet zu haben. Der damals 50-Jährige soll eine Order ausgegeben haben, dass der Kranke im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden soll. Bereits vor dem Vorfall im Rashid Hospital hatte Adelsmayr seine Kündigung eingereicht, er war dort mehr als drei Jahre als Leiter der Intensivstation tätig.

Der indische Kollege war der diensthabende Arzt, als der Patient einen Herzinfarkt erlitt. Laut Adelsmayr war der Inder zu diesem Zeitpunkt mit einem weiteren Patienten beschäftigt und hatte daher keine Zeit, den gelähmten Patienten zu reanimieren. "Ich war zum Zeitpunkt des Todes bereits seit 36 Stunden nicht mehr im Krankenhaus", sagte der Arzt.