EU-Vorsitzland Österreich wartet ab: Kein Krisentreffen zum Karikaturen-Streit geplant

Plassnik telefonierte mit Chef der Arabischen Liga Dänemark: Einzige Lösung ist umfassender Dialog

Ungeachtet der anhaltenden Proteste in der islamischen Welt gegen die in europäischen Zeitungen veröffentlichten Karikaturen des Propheten Mohammed plant die österreichische EU-Ratspräsidentschaft dazu keine Krisensitzung. Derzeit sei "kein Sondertreffen" vorgesehen, sagte ein Sprecher der EU-Ratspräsidentschaft.

Außenministerin Ursula Plassnik (V) war den Angaben zufolge am Wochenende bemüht, in telefonischen Kontakten eine Beruhigung der Lage zu erreichen. So habe sie etwa mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, über die jüngsten Entwicklungen im Karikaturen-Streit gesprochen, sagte der Sprecher.

"Krise geht weit über Dänemark hinaus"
Der dänische Außenminister Per Stig Möller sagte, Dänemark könne die aktuelle Krise nicht alleine bewältigen. Ein Dialog zwischen beiden Seiten sei dringend erforderlich. "Das ist eine Krise, die über Dänemark weit hinausgeht. Diese Krise ist ein Angriff auf die Kooperation zwischen der westlichen und der moslemischen Welt", sagte Möller. "Wir haben nichts zu gewinnen in dieser Konfrontation. Wir alle drohen, viel zu verlieren, denn es liegt jetzt in den Händen von Extremisten und Fanatikern, die keinen Dialog der Kulturen und keine Kooperation zwischen westlichen und moslemischen Regierungen wollen."

Am Wochenende hatten die Proteste gegen die Karikaturen, die zuerst von einer dänischen Zeitung veröffentlicht wurden, einen neuen Höhepunkt erreicht. In Syrien stürmten Hunderte Demonstranten die Botschaften Dänemarks und Norwegens und zündeten die Gebäude an. Am Sonntag wurde das dänische Konsulat im Libanon bei Protesten mehrerer tausend Menschen in Brand gesteckt. Dänemark hat mittlerweile seine Bürger vor Reisen in insgesamt 16 islamische Länder gewarnt. (apa/red)