Erster Sieg im Super-G: Kostelic schreibt
in Bad Kleinkirchheim erneut Ski-Geschichte

Kostelic nun mit Siegen in allen fünf Alpin-Disziplinen Dorfi & Meisi ex aequo hinter Kroatin auf Platz zwei

Janica Kostelic ist die erfolgreichste Skifahrerin der Gegenwart. Die 24-Jährige Kroatin gewann am Sonntag zum Abschluss der alpinen Weltcup-Speed-Bewerbe der Damen in Bad Kleinkirchheim den Super G vor den zeitgleichen Österreicherinnen Michaela Dorfmeister und Alexandra Meissnitzer (je 0,10 Sek zurück) und schrieb damit Ski-Geschichte. Dorfmeister, die wie Meissnitzer in Bad Kleinkirchheim vor 15 Jahren ihr erstes Weltcup-Rennen bestritten hatte, bestritt damit ihr letztes Weltcup-Rennen in Österreich.

Die dreifache Olympiasiegerin Kostelic ist nach der Österreicherin Petra Kronberger und der Schwedin Pernilla Wiberg nun die erst dritte Läuferin, die in den "klassischen" fünf Alpin-Disziplinen (Abfahrt, Super G, Riesentorlauf, Slalom, Kombination) Weltcuprennen gewonnen hat. Und sie ist die erst vierte nach Kronberger, Wiberg und der Schwedin Anja Pärson, die in Abfahrt, Super G, Riesentorlauf und Slalom gewonnen hat. Zu Zeiten einer Annemarie Moser-Pröll (62 WC-Siege) hatte es bekanntlich noch keinen Super G gegeben.

Kostelic hatte am Samstag nach ihrem ersten Sieg in einer Weltcup-Abfahrt einen Super-G-Triumph praktisch ausgeschlossen. Sie gab an, in den Speed-Rennen mehrere Fahrten auf einer Strecke zu brauchen, beim Abfahrtssieg fuhr sie nach den drei Trainingsläufen und einem Rennen bereits zum fünften Mal die "Franz Klammer" herab. Im Super G hatte sie nur die Besichtigung - und da hat die Führende im Gesamtweltcup scheinbar Toparbeit geleistet.

Kostelic selbst überrascht
Auch am Schlusstag trübte kein Wölkchen den Himmel über den Nockbergen - Traumwetter für eine historische Leistung: "Als Michi herunten war, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll, meine Gedanken gingen durcheinander. Es war ein großes Ziel von mir, in allen Disziplinen zu gewinnen. Und jetzt will ich es überall noch einmal schaffen", sagte Kostelic, die freilich auch vom Ausscheiden von Pärson profitierte, die mit Zwischenbestzeit am Zielhang an einem Tor vorbeiraste.

Mehr als zufrieden sein durfte Dorfmeister, die in allen drei Rennen in Bad Kleinkirchheim und somit mit einer Ausnahme (Val d'Isere) in allen bisherigen neun Speed-Rennen dieser Saison auf dem Podest war. Sie verließ Kärnten deshalb auch als Führende in Abfahrt und Super G und Zweite im Gesamtweltcup. Es war ihr letztes Weltcuprennen in Österreich.

"Ich hätte das gar nicht registriert, wenn man mich nicht gefragt hätte. Mich freut es auch für Bad Kleinkirchheim, dass ich hier so eine Serie hatte", sagte die Niederösterreicherin. "Heute hatten wir es selbst in der Hand. Aber vielleicht machen wir es wieder gut, wenn es ein bisschen mehr weh tut. Im Februar zum Beispiel", sagte die 32-jährige, die nach dieser Saison ihre Karriere beendet, mit Blick auf die Olympischen Spiele.

Entscheidung auf den letzten Toren
Wie Meissnitzer ("Ich bin super happy, ich habe mich heute nicht so gut gefühlt") lag Dorfmeister bis zum Zielhang noch vor Kostelic. Die Kroatin erwischte aber auf den letzten Metern eine sensationelle Linie. "In der Traverse hat es die Michi verloren, aber wir sind zufrieden. Wir haben in jedem Super G in dieser Saison zwei auf dem Podest gehabt", sagte Alpindirektor Hans Pum.

Meissnitzer machte beim Thermensprung auf der Kante zu viel Druck und kam zu weit links, zwei Tore später hatte Dorfmeister die optimale Linie verfehlt. "Es hat schon ein wenig Aufregung gegeben wegen dieser Passage, da sind sie dann mit zu viel Respekt gefahren", analysierte Damen-Cheftrainer Herbert Mandl.

Auf den Rängen acht bis elf folgte mit der erstaunlichen Slalom-Seriensiegerin Marlies Schild (0,77), Elisabeth Görgl (0,80), Silvia Berger (0,82) und Kathrin Wilhelm (0,86) ein Österreicherinnen-Paket, Brigitte Obermoser wurde 16. (1,00), Renate Götschl nur 19. (1,07). Die Steirerin, die sich schon die gesamte Saison über in einer Super-G-Krise befindet, war mit komplett neuem Material ins Rennen gegangen: "Wunder darf man sich keine erwarten. Das Material ist gut, teilweise ist es mir noch zu schnell, ich habe es noch nicht ganz im Griff."

Bei einem Sturz unverletzt blieb Andrea Fischbacher, die in diesem Winter in dieser Disziplin in Lake Louise bereits Zweite und in Aspen Dritte geworden war.

Endergebnis
1. Janica Kostelic CRO 1:09,41
2. Alexandra Meissnitzer AUT 1:09,51 +0,10
3. Michaela Dorfmeister AUT 1:09,51 +0,10
4. Kirsten L. Clark USA 1:09,63 +0,22
5. Nadia Styger SUI 1:09,78 +0,37
6. Tina Maze SLO 1:10,03 +0,62
7. Libby Ludlow USA 1:10,16 +0,75
8. Marlies Schild AUT 1:10,18 +0,77
9. Elisabeth Görgl AUT 1:10,21 +0,80
10. Silvia Berger AUT 1:10,23 +0,82
11. Kathrin Wilhelm AUT 1:10,27 +0,86
12. Chimene Alcott GBR 1:10,35 +0,94
13. Julia Mancuso USA 1:10,37 +0,96
14. Ingrid Jacquemod FRA 1:10,38 +0,97
15. Angelika Gruener ITA 1:10,39 +0,98
16. Brigitte Obermoser AUT 1:10,41 +1,00
17. Allison Forsyth CAN 1:10,46 +1,05
17. Lucia Recchia ITA 1:10,46 +1,05
19. Renate Götschl AUT 1:10,48 +1,07
20. Petra Haltmayr GER 1:10,62 +1,21
21. Fränzi Aufdenblatten SUI 1:10,66 +1,25
22. Daniela Merighetti ITA 1:10,69 +1,28
23. Nadia Fanchini ITA 1:10,76 +1,35
24. Daniela Ceccarelli ITA 1:10,83 +1,42
25. Emily Brydon CAN 1:10,99 +1,58
26. Ruiz-Castillo ESP 1:11,04 +1,63
27. Lindell-Vikarby SWE 1:11,09 +1,68
27. Katja Wirth AUT 1:11,09 +1,68
29. Ingrid Rumpfhuber AUT 1:11,20 +1,79
29. Wendy Siorpaes ITA 1:11,20 +1,79

Ausgeschieden u.a.: Andrea Fischbacher (AUT), Anja Pärson (SWE), Caroline Lalive (USA), Genevieve Simard (CAN), Nike Bent (SWE)

(apa)