Erfolg für die Exekutive: International operierender Drogenring in Wien gesprengt

25 mutmaßliche Dealer verhaftet, "Kunden" abgezeigt

Einen international operierenden Drogenring hat die Wiener Polizei gesprengt. 25 mutmaßliche Dealer wurden festgenommen und dem Gericht überstellt, zahlreiche Konsumenten wurden angezeigt oder festgenommen. Dies berichtete die Polizei am Freitag.

Sichergestellt wurden 2,5 Kilogramm Heroin sowie 11.000 Euro Bargeld. Die Verdächtigen sollen in ganz Österreich mit Suchtmitteln mit einem Straßenverkaufswert von 860.000 Euro gehandelt haben. Als Hauptverdächtiger gilt ein 33-Jähriger aus Brigittenau, der bereits im August des Vorjahres festgenommen worden ist.

Polizei: "Connection" lief über Guinea-Bissau
Laut Ermittler Franz Haring vom Kriminalkommissariat Wien-Süd war die ausgeforschte Gruppe Teil eines international tätigen Rings, der von der westafrikanischen Republik Guinea-Bissau aus gesteuert wurde. Die Verbindungen liefen über Portugal nach Holland, sagte Haring.

Die Polizei sieht in dem gesprengten Ring einen großen Fang, denn: Binnen kürzester Zeit hätten die Täter "Riesenmengen" Heroin in Umlauf gesetzt, erklärte Haring. Zudem gaben sie sich nicht mit Endkonsumenten ab, sondern verkauften hauptsächlich an Dealer. Nachgewiesen wurde ihnen der Handel mit Heroin und Kokain von August 2004 bis August 2005, so der Ermittler. Gemeinsam sollen sie mittels Geldsendungen 250.000 Euro nach Guinea-Bissau überwiesen haben.

Am 20. August des Vorjahres wurde der Kopf der Gruppe festgenommen, sagte Haring. Bei dem 33-Jährigen, der in Brigittenau wohnte, handelte es sich nach Erkenntnissen der Polizei um den "Wien-Chef" der Tätergruppe. Auch in Graz sollen die Männer operiert haben. Von den internationalen Bossen konnte der Spitzname des "Chairman" in Guinea-Bissau herausgefunden werden, der nun von Interpol weiter unter die Lupe genommen wird.

Das Netzwerk wurde über Mittelsmänner in Portugal, der ehemaligen Kolonialmacht des afrikanischen Landes, gesteuert. Sie koordinierten auch den Heroinschmuggel, der wiederum über Holland lief. Dort wurde das Suchtgift verpackt und verschickt. Als Boten für die österreichischen Komplizen dienten zumeist Frauen, die die Drogen verschluckten oder in präparierten Taschen transportierten.

In Österreich residierten die Täter durchwegs unter falscher Identität. Alle 25 hatten Asylanträge gestellt, sagte Haring. Daneben verfügten die Männer über portugiesische Pässe, mit denen sie sich unbehelligt im Schengen-Raum fortbewegen konnten. Alle seien bereits in anderen Ländern einschlägig vorbestraft, was die Polizei zur Vermutung veranlasste, dass die Männer ähnliche Operationen schon anderswo organisiert haben könnten.

Die Verdächtigen gaben das Heroin in Einheiten von zumindest fünf Gramm ab. Die normale Verpackungsgröße für den Straßenverkauf beträgt bei Heroin etwa 0,2 Gramm.

Gebunkert hatten die Afrikaner das Suchtgift in mehreren Wohnungen in ganz Wien, erhob die Polizei. Ihre "geschäftlichen Treffen" fanden in Wettbüros und Callcentern "in Gürtelnähe" statt.

(apa)