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Erdogan: Kapitel EU für Türkei noch nicht abgeschlossen

"Zumindest im Moment nicht" - "Es gibt immer eine Vielzahl an Alternativen"

Trotz der angespannten Beziehungen zwischen Europa und der Türkei hat sich für Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan das Thema EU-Beitritt vorerst noch nicht erledigt.

Die Empfehlung des Europaparlaments zum Einfrieren der Beitrittsverhandlungen habe die Türkei gekränkt. "Dennoch haben wir im Moment - seht, ich sage im Moment - das Kapitel Europäische Union noch nicht abgeschlossen", sagte Erdogan am Dienstag in Istanbul.

Er mahnte zugleich, die derzeitige Situation rufe keine positiven Erwartungen hervor. "Für die Türkei gibt es immer eine Vielzahl an Alternativen", sagte Erdogan.

Vergangene Woche hatte das Europaparlament wegen des Vorgehens der türkischen Regierung nach dem Putschversuch vom Juli der Kommission und den Mitgliedstaaten empfohlen, vorerst nicht weiter mit Ankara über einen EU-Beitritt zu reden. Die Resolution ist rechtlich nicht bindend, hat jedoch große Symbolkraft. Die Entscheidung darüber treffen aber die Staats- und Regierungschefs.

In einer ersten Reaktion auf die Entscheidung des EU-Parlaments hatte Erdogan mit der Aufkündigung des Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei gedroht. Das im März geschlossene Abkommen sieht unter anderem vor, dass Europa alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann.

Vergangene Woche hatte Erdogan betont, die Türkei wolle keinen Beitritt zur Europäischen Union um jeden Preis. Als Alternative nannte er einen Beitritt zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), der China, Russland sowie zentralasiatische Staaten angehören.

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