Elite-Universität nicht in Wien: Ministerin Gehrer bestätigte den Standort Gugging!

Parteipolitisch motiviert? SPÖ sieht Fehlentscheidung Gugging bietet für Schüssel optimalen Rahmen<br>"Suboptimal": Zeilinger & Schuster ziehen sich zurück

Die geplante Elite-Universität soll auf dem Gelände der ehemaligen Landesnervenklinik in Maria Gugging bei Klosterneuburg (NÖ) entstehen. Ab Oktober 2006 soll an der Graduiertenuniversität "Forschung auf höchstem Niveau" betrieben werden. Mit dieser Entscheidung hat das Projekt aber auch seinen geistigen Vater verloren: Unzufrieden mit dieser "suboptimalen Lösung" zog sich der Physiker Anton Zeilinger aus dem von ihm initiierten Projekt zurück.

Für Gugging habe gesprochen, dass der Campus sofort benutzbar wäre, begründete Bildungsministerin Elisabeth Gehrer die Entscheidung nach dem Ministerrat. Außerdem habe Wien (Flugfeld Aspern) für die nächsten 20 Jahre ein Paket von 120 Mio. Euro, Niederösterreich eines für 180 Mio. Euro angeboten, so Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Weiters habe Niederösterreich für den laufenden Betrieb mit drei Mio. Euro pro Jahr eine Mio. Euro mehr als Wien versprochen. Auch der Gebäudewert der ehemaligen Nervenheilanstalt in Gugging liege mit 35 Mio. Euro deutlich über dem Wiener Angebot von 25 Mio. Euro.

Unzufrieden mit der Entscheidung sind Zeilinger sowie die beiden anderen Forscher im Projektteam, Peter Schuster und Arnold Schmidt, die sich mit dem Physiker aus dem Projekt zurückzogen: "Die Wissenschafter in dem von Frau Bundesministerin Gehrer eingesetzten Planungsteam hatten sich einstimmig gegen eine vorschnelle Entscheidung zu Gunsten einer suboptimalen Lösung ausgesprochen", betonten die drei Forscher. Der Aufbau einer Forschungs- und Lehreinrichtung auf höchstem internationalem Niveau könne nur erfolgreich sein, wenn alle wichtigen Entscheidungen in Übereinstimmung mit der Wissenschaft und in breitem politischem Konsens getroffen würden.

SPÖ: "Unüberlegte Fehlentscheidung"
Kritik übte auch der Wiener Vizebürgermeister Sepp Rieder: Der Zuschlag an Gugging sei eine "wirkliche Enttäuschung" und "unüberlegte Fehlentscheidung". Für SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal war die Entscheidung "rein parteipolitisch motiviert". Bedenken der Wissenschafter seien negiert worden. Die Grünen befürchten nach dem Ausstieg Zeilingers ein "Fiasko". Freude dagegen in Niederösterreich: Landeshauptmann Erwin Pröll sprach von einer "Top-Zukunftschance". Für Infrastrukturminister Hubert Gorbach wird mit der Elite-Uni "Grundlagenforschung auf Spitzenniveau ermöglicht", Forschungs-Staatssekretär Eduard Mainoni freute sich über ein "positives Signal an den Forschungsstandort Österreich".

Der Name der Einrichtung, die keine Grundstudien anbietet, sondern nur Doktoratsstudenten und Post-Docs aufnimmt, ist noch nicht klar: Gehrer will auf einen "berühmten Wissenschafter aus Österreich" zurückgreifen, mit dessen Familie aber man noch Rücksprache halten müsse. An dem Exzellenz-Institut sollen anfangs zehn Forschergruppen mit je fünf Wissenschaftern arbeiten, im Vollausbau nach zehn Jahren 25 bis 30 Gruppen mit insgesamt etwa 500 Forschern. Inhaltlich soll zunächst in den Naturwissenschaften geforscht werden, später auch in anderen Disziplinen.

Unis fürchten sich nicht vor der Konkurrenz
Die Gesamt-Investitionskosten bis zum Vollausbau werden auf 80 Mio. Euro geschätzt (inklusive 30 Mio. Euro Laborausstattung, aber ohne Grundstückskosten). Die laufenden Kosten werden im ersten Jahr mit 22 Mio. Euro beziffert und betragen im Endausbau 70 Mio. Euro jährlich. Aufgebracht werden sollen die Mittel durch Gebietskörperschaften, Unternehmen und Private bzw. die Einwerbung von Förder- und Drittmittel (mindestens 30 Prozent). Die Industriellenvereinung hat laut Schüssel 30 Mio. Euro zugesagt.

Die Universitäten "fürchten sich nicht vor der Konkurrenz", so der Vorsitzende der Rektorenkonferenz, Christoph Badelt, Voraussetzung: Zwischen dem neuen Institut und den Unis müsse es "Chancengleichheit beim Zugang" geben, sprich die Unis sollten sich die Doktoratstudenten ebenfalls aussuchen können. Zweitens müsse es eine Vernetzung mit den Exzellenzzentren der Unis geben, und drittens müsse die Dotation des Wissenschaftsfonds FWF aufgestockt werden. Anders sieht das die Hochschülerschaft: Die Elite-Uni ist für sie "Geldverschwendung".

(apa/red)