Elisabeth Gehrer: Nach PISA, EuGH, Klimt und Saliera steckt sie im Vertrauenstief

Schüssels Vertraute war aber nie Handarbeitslehrerin Seit 1995 sitzt Ex-Lehrerin auf der Regierungsbank

Ausgerechnet jene Bezeichnung, mit der sie politische Gegner hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand oft bedenken, trifft auf Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (63, V) nicht zu: "Handarbeitslehrerin" war die langjährige Vertraute von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) nie - Gehrer unterrichtete in den 60er Jahren an Volksschulen. Lange Jahre als resolute Frau der klaren Worte auch medial geschätzt, gilt sie nach der Publikation der letzten PISA-Studie dem EuGH-Urteil zum Uni-Zugang sowie der Debatte um die Klimt-Bilder und die Saliera als "schwer angekratzt" ("profil") bzw. "weltfremd" ("Kurier").

Am 11. Mai 1942 in Wien geboren, übersiedelte Gehrer 1949 mit ihrer Familie nach Innsbruck. Nach Abschluss des Gymnasiums und der Lehrerbildungsanstalt in der Tiroler Landeshauptstadt unterrichtete sie von 1961 bis 1964 in Hart im Zillertal. Nach ihrer Heirat 1964 ging Gehrer nach Bregenz und unterrichtete zwei Jahre in Lochau.

Ihre politische Laufbahn begann Gehrer 1980 in Bregenz als Stadträtin für Musik und regionale Zusammenarbeit, 1981 übernahm sie den Vorsitz der Regionalplanungsgemeinschaft Bodensee. 1983 wurde Gehrer Ortsobfrau der Frauenbewegung in Bregenz, 1984 zog sie bereits in den Landtag ein, zu dessen Vizepräsidentin sie 1989 gewählt wurde. 1990 wurde Gehrer als erste Frau Mitglied der Vorarlberger Landesregierung, in der sie für die Bereiche Schule, Weiterbildung, Wissenschaft, Frauen, Jugend, Familie, Gemeindeentwicklung, Energiesparen und Entwicklungshilfe zuständig war. Gleichzeitig bekleidete sie die Funktion der Amtsführenden Präsidentin des Landesschulrates.

Seit 1995 in der Regierung
Schüssel holte Gehrer im Mai 1995 nach dem Ausscheiden von Erhard Busek als Unterrichtsminister in sein Regierungsteam. Im Herbst des selben Jahres wurde sie zur stellvertretenden Obfrau des ÖAAB gewählt. 1999 avancierte Gehrer außerdem zur stellvertretenden ÖVP-Chefin. Mit dem Amtsantritt der ÖVP-FPÖ-Koalition im Februar 2000 bekam sie auch die Wissenschafts-Agenden übertragen und führt seither das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

In die mehr als zehnjährige Ministertätigkeit Gehrers fielen unter anderem die Ausweitung der Schulautonomie, die Einführung eines Frühwarnsystems für schlechte Schülerleistungen sowie des Englisch-Unterrichts ab der 1. Klasse Volksschule, neue Dienstrechte für Pflichtschul- und Uni-Lehrer, die Überführung der Bundesmuseen in die Vollrechtsfähigkeit, das Rückgabegesetz für die Restitution von Raubkunst, die Einführung von Studiengebühren, das neue Universitäts-Gesetz 2002, mit dem die Hochschulen aus der Bundesverwaltung ausgegliedert wurden, sowie die Streichung von Schulstunden, die 2003 zu einem Streik der AHS-Lehrer führte.

Highlights: PISA-Desaster, Saliera-Klau...
Weitere markante Ereignisse in Gehrers Amtszeit: Das schlechte Abschneiden Österreichs bei der PISA-Studie 2003, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Hochschulzugang für EU-Studenten in Österreich mitsamt der Einführung von Zugangsbeschränkungen für acht Fächer an den Universitäten im Juli des Vorjahrs, der Diebstahl der "Saliera" aus dem Kunsthistorischen Museum im Mai 2003 und deren Wiederfinden vor wenigen Tagen sowie das mehrjährige Verfahren um die Klimt-Bilder, das Österreich heuer verlor. (apa)