Einmal noch ganz oben stehen: Letzte Olympia-Chance für unsere "Golden Girls"

Götschl, Dorfmeister und Meissnitzer wollen's wissen Mittwoch steigt die Abfahrt, Sonntag der Super G

Renate Götschl (30), Michaela Dorfmeister (32) und Alexandra Meissnitzer (32) haben im alpinen Skisport so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Alle drei sind Weltcup-Gesamt- und Disziplinen-Siegerinnen sowie Doppelweltmeisterinnen. Nur bei Olympia hat den drei "Golden Girls" bisher der perfekte Tag gefehlt. Silber haben sie alle drei bereits gewonnen, nur Gold fehlt. Die Spiele sind ihre letzte Chance. Am Mittwoch in der Abfahrt bekommt das routinierte Trio die erste von zwei Möglichkeiten, der Super G steigt erst am Sonntag. Auf networld.at sind Sie bei allen Entscheidungen LIVE dabei!

Im Kampf gegen die beiden Ski-Gigantinnen Janica Kostelic und Anja Pärson hätte Gold gleich mehrfachen Wert. Es ist bereits 14 Jahre her, dass es durch Petra Kronberger (1992 Albertville, Slalom und Kombination) olympisches Gold für eine österreichische Alpindame gab. Und auch schon wieder 12 Jahre, dass Eisschnellläuferin Emese Hunyadi 1994 in Lillehammer als letzte ÖOC-Dame überhaupt Gold gewonnen hat.

Auch Götschl, Dorfmeister und Meissnitzer blieb Olympia-Gold bisher versagt. Dorfmeister am knappsten, sie war 1998 in Nagano um nur ein Hundertstel an Super-G-Gold (Picabo Street) vorbeigerast, Meissnitzer um 7 Hundertstel.

Aber die Niederösterreicherin, die am Saisonende zurücktritt, fährt - auch wegen ihrer Atomic-Superski - in der Form ihres Lebens und spricht nicht lange um den heißen Brei herum. "Viele sagen, ich hätte nichts mehr zu verlieren. Aber Gold fehlt einfach in meiner Sammlung. Olympiagold ist schon ein Riesenansporn, nochmals richtig Gas zu geben. Es ist ein ganz großes Ziel von mir, einmal da ganz oben zu stehen", so die in Wien geborene Dorfmeister.

Auch Meissnitzer will eine Medaille
Etwas offener geht Meissnitzer das Thema an. Die Salzburgerin hatte Gold ebenfalls in Nagano verpasst, nach dem Super-G-Thriller auch im Riesentorlauf und dort gegenüber der großen Deborah Compagnoni um gleich 1,8 Sekunden.

"Natürlich hätte ich gerne Gold bei Olympia. Mein Ziel ist aber, einfach eine Medaille zu gewinnen. Ich wäre auch mit Silber sehr zufrieden", gestand die Salzburgerin, die seit ihrer schweren Knieverletzung 1999 nicht mehr so stark gefahren ist wie in dieser Saison. "Für Gold braucht man einen perfekten Lauf. Es ist möglich, aber ich versteif mich nicht darauf", so die Abtenauerin.

Götschl ist mit ihren 30 Jahren die jüngste in diesem Trio. In Lillehammer und Nagano war die Speed Queen leer ausgegangen, 2002 blieb ihr in Snowbasin 1,49 Sekunden hinter Kostelic Silber in der Kombination und Bronze in der Abfahrt, 0,83 hinter Siegerin Carole Montillet. Schnee von gestern, denn vier Jahre später ist die einst weltbeste Kombiniererin in diesem Bewerb bei Olympia gar nicht mehr am Start.

"Wenn es nicht klappt, ist es auch kein Weltuntergang"
"Olympia-Gold ist für einen Sportler einfach das Höchste", ist auch der Steirern bewusst. Versteifen will sich aber auch die Speed Queen, die im Weltcup 20 Abfahrten und 13 Super G gewonnen hat, nicht. "Es ist ganz sicher ein Ziel von mir, zu dessen Erreichung ich viel getan habe. Aber es stehen 50 Mädchen da oben, die das gleiche Ziel haben. Wenn es nicht klappt, ist es auch kein Weltuntergang."

Götschl und Meissnitzer sind zum bereits vierten Mal bei Olympia am Start, Dorfmeister zum dritten Mal. Von den lediglich sechs Medaillen die es in Lillehammer (1994), Nagano (1998) und Salt Lake City (2002) für Österreichs Alpin-Damen gegeben hat, gehen fünf auf das Konto des einzigartigen Trios. Die einzige Silberne in Lillehammer hatte damals Elfi Eder im Slalom gewonnen.

Meissnitzer war 1994 bei den vom Tod Ulli Maiers getrübten Spielen als Ersatz für die erkrankte Stefanie Schuster eingeflogen worden, im Riesentorlauf aber gestürzt. Die damals 18-jährige Götschl stürzte in der Abfahrt ebenfalls und verletzte sich dabei. Dorfmeister war vor 12 Jahren zwar im erweiterten Olympia-Aufgebot gewesen, nicht aber zu den Spielen nach Norwegen mitgenommen worden.

(apa/red)