Einigung bei Handelsangestellten-Gehalt:
520.000 Beschäftigte erhalten 1,5 % mehr

Zumindest 22 Euro im Monat mehr ab 1. Jänner 2010 Erstmals Lohnerhöhung über den Metallern erzielt

Einigung bei Handelsangestellten-Gehalt: 
 520.000 Beschäftigte erhalten 1,5 % mehr © Bild: APA/DPA/Weigel

Nach langen und zähen Verhandlungen haben sich die Sozialpartner auf einen neuen Kollektivvertrag für mehr als 520.000 Angestellte im Handel und in verwandten Berufen geeinigt: Demnach werden die kollektivvertraglichen Mindestgehälter in der Branche ab 1. Jänner 2010 um 1,5 Prozent, mindestens jedoch um 22 Euro pro Monat, angehoben.

Sowohl Arbeitgeber-Chefverhandler Fritz Aichinger, Obmann der Sparte Handel der WK Wien und stellvertretender Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ, als auch Arbeitnehmer-Verhandlungsleiter Franz-Georg Brantner zeigten sich im Anschluss an die Verhandlungen mit dem Ergebnis zufrieden.

Im Durchschnitt steigen aufgrund des festgelegten Mindestbetrages von 22 Euro die Gehälter im Handel nach Angaben der Gewerkschaft um 1,6 Prozent. Mit diesem Abschluss hat der Handel erstmals eine Lohnerhöhung erzielt, die unter dem Strich über jenem der Metaller liegt. Wie berichtet haben sich die Metaller ebenfalls in besonders schwierigen Verhandlungen auf eine Erhöhung der Ist-Löhne um 1,45 Prozent und der Mindestlöhne um 1,5 Prozent geeinigt.

Wie bereits vor drei Jahren ist heuer erst nach der sechsten und letzten regulären Runde ein Abschluss für den neuen Kollektivvertrag im Handel gelungen. Auch damals kam die Einigung in der Nacht auf den ersten Einkaufssamstag. Am Tag vor dieser KV-Runde hat die Gewerkschaft eine österreichweite Betriebsrätekonferenz abgehalten und mit Protestkundgebungen auf der Wiener Mariahilfer Straße Druck auf die Arbeitgeber gemacht.

"Gerade noch vertretbar"
Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage und der derzeit niedrigen Inflation sei dieser Abschluss für die österreichischen Händler gerade noch vertretbar und für die Handelsangestellten ein "faires Ergebnis", sagte Aichinger zur APA. Die Verhandlungen seien schwierig gewesen und hätten lange gedauert, unter anderem deshalb, weil die Gewerkschaft lange gebraucht habe, die Realität anzuerkennen.

Nicht nur liege die Inflation unter 1 Prozent, auch die Umsätze der Handelsunternehmen seien in den ersten zehn Monaten 2009 um 1,3 Prozent real im Minus gewesen, sagte Aichinger. Man habe aber das Ziel erreicht, den niedrigeren Gehaltsbeziehern stärker unter die Arme zu greifen.

Zwei Prozent mehr für Lehrlinge
Manfred Wolf von der GPA-djp sprach von einem "gerade noch vertretbaren Ergebnis, das der Erwartungshaltung Rechnung trägt". Nach Berechnungen der Gewerkschaft wird die Mehrheit der Beschäftigten der Branche aufgrund des festgelegten Mindestbetrages von 22 Euro durchschnittlich ein Gehaltsplus von 1,6 Prozent erhalten, untere Einkommensgruppen jedoch bis zu 1,8 Prozent. "Damit sind wir der erste Wirtschaftsbereich, der trotz hohem Prozentsatz einen Mindestbetrag aushandeln konnte", zeigte sich auch Brantner mit dem Ergebnis zufrieden. Lehrlinge bekommen eine Erhöhung um 2 Prozent.

Kritik am Ergebnis der Kollektivvertragsverhandlungen im Handel übte der Handelsverband. Gewerkschaft und Wirtschaftskammer würden offenbar die Lage verkennen. Dieser Abschluss liege über dem mühsam mit staatlichen Stützungsprogrammen angekurbelten Wachstum der Wirtschaft von unter einem Prozent, meinte Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes in einer Aussendung.

2008 wurde eine Erhöhung der Gehälter im Handel um 3,6 Prozent (ab 1.400 Euro brutto) bzw. 3,7 Prozent beschlossen - bei einer Teuerung von damals 3,2 Prozent.

(apa/red)