Ein "Tabak-Preiskrieg" kennt vor allem Verlierer: 45 Mio. Verlust für Finanzminister

Stärkster Preiskampf seit Ende des 2. Weltkrieges

Der martialische Begriff "Preiskrieg" oder "Preisschlacht" bezeichnet eine Abwärts-Preisspirale bei Tabakwaren, wie er in den vergangenen Jahren in einigen Ländern Europas stattgefunden hat. Was auf den ersten Blick für Raucher wie ein Segen scheint, verursacht aber für alle anderen Marktteilnehmer massiven Schaden. In Österreich ist seit Jahresbeginn der stärkste Preiskampf seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Gang.

Unter den Leidtragenden befinden sich Finanz- und Gesundheitsministerium, Industrie und Trafikanten. Auf Grund niedrigerer Preise fällt der Finanzminister naturgemäß um einen Teil seiner Einnahmen aus Tabak- und Mehrwertsteuer um. Für die Gesundheitspolitik stellen niedrige Tabakpreise ein Problem dar, weil Rauchen damit für Jugendliche leichter erschwinglich wird. In Übereinstimmung mit EU-Empfehlungen soll der Preis auch eine Hürde für potenzielle junge Raucher darstellen. Letztlich geraten auch Industrie und Handel durch geringere Preise unter Druck.

Grasser könnte 45 Millionen verlieren
Nach Schätzungen der - im Jahr 2000 an den britischen Gallaher-Konzern verkauften - Austria Tabak könnte ein "Preiskriegsszenario" für den österreichischen Finanzminister Steuerverluste (Tabak- und Mehrwertsteuer) in der Größenordnung von mehr als 45 Mio. Euro bedeuten. Dann nämlich, wenn 20 Prozent Marktanteil von 3,40 Euro auf 2,80 Euro sinken. Erreichen Zigaretten für 3 Euro einen Marktanteil von 20 Prozent, dann wären das immerhin noch gut 30 Mio. Euro weniger Steuereinnahmen.

Zigaretten um 80 Cent in Griechenland
Einen regelrechten "Preiskrieg" gab es zum Beispiel 2004 in Griechenland: Ein Hersteller senkte seine Preise auf 2,70 Euro, der Preis für Billigmarken sank auf 1,50 Euro. Im April kam eine neue Marke zum Preis von 1 Euro auf den Markt, die im Mai mit 80 Cent-Packungen unterboten wurde. Zum Jahresende hatte das neue Billigsegment mit Preisen bis 1 Euro einen Marktanteil von 20 Prozent. Wegen des Einnahmenverlusts sah sich der Finanzminister in der Folge zu einer Erhöhung der Mehrwertsteuer gezwungen. Ähnliche Preiskämpfe gab es auch in Spanien, Belgien oder Italien.

Ende der Preissenkungen nicht absehbar
Seit Jahresbeginn sind auch in Österreich die Tabakpreise auf breiter Front in Bewegung. Auslöser war eine Preissenkung um 40 Cent für die Marke Pall Mall durch British American Tobacco (BAT). Seither zogen andere Anbieter wie Imperial (JPS, West) einschließlich Marktführer Austria Tabak (Benson & Hedges Red, Ronson und St. George) nach. Ein Ende der Preisspirale nach unten ist vorerst nicht in Sicht. Möglicher Ausweg wäre ein von der Regierung festgesetzter Mindestpreis. (apa)