Ein gelber Helm gewinnt in Kitzbühel:
Kroate Ivica Kostelic siegt beim Super G

Georg Streitberger als Zweiter 23 Hundertstel zurück Gruggers Sturz fuhr in den Köpfen der Läufer mit

Ein gelber Helm gewinnt in Kitzbühel: 
Kroate Ivica Kostelic siegt beim Super G © Bild: Reuters/Ebenbichler

Ivica Kostelic fährt der Konkurrenz im alpinen Ski-Weltcup davon. Der Kroate gewann am Freitag den Super-G in Kitzbühel, der 16. Erfolg in einem Weltcuprennen war zugleich sein erster in einem Speed-Bewerb. Hinter dem Topfavoriten auf die große Kristallkugel landeten der Österreicher Georg Streitberger (0,23 Sekunden zurück), der Norweger Aksel Lund Svindal (0,28) und Vorjahressieger Didier Cuche aus der Schweiz (0,36).

Klaus Kröll, Michael Walchhofer und Benjamin Raich fuhren jeweils nach Schrecksekunden am gleichen Tor vorbei und schieden aus. Für die Skirennläufer war es extrem schwer, den fürchterlichen Trainingssturz des Salzburgers Hans Grugger vom Donnerstag in diesem sehr schwierigen Rennen auszublenden. "Es waren alle relativ geschockt gestern, und der Schock steckt sicher auch heute noch drinnen. Das ist auch nicht einfach für die Fahrer. Wir sind alle bei Hans und hoffen, dass es gut geht", sagte etwa ÖSV-Star Raich.

Der Gesamtweltcup avanciert indes zum Sololauf von Kostelic. Der 31-Jährige hat von den letzten acht Rennen fünf gewonnen. "Ich hatte auch Glück mit der Nummer, Ausfahrt Lärchenschuss und Hausberg habe ich gut erwischt. Ich bin nicht so ein routinierter Schnellfahrer, dass ich in jedem Rennen ganz oben sein kann, aber ich glaube, in die 15, 10 kann ich kommen, das ist mir wichtig für mein Selbstbewusstsein", erklärte Kostelic, der nun in der Gesamtwertung 826 Punkte auf dem Konto hat und damit komfortable 255 Zähler vor seinem erster Verfolger Svindal (571) liegt.

"Hab ihn einfach runterlaufen lassen"
Streitberger kam nach dem Sieg in Beaver Creek zum zweiten Mal auf das Podest und übernahm das Rote Trikot des Führenden im Super-G. "Ich habe ihn einfach runterlaufen lassen, ich habe gekämpft, es war extrem schwer. Die Sicht war nicht gut", betonte der 29-Jährige. Zweitbester Österreicher wurde Romed Baumann (0,73) als Fünfter, der neben Streitberger und Walchhofer (Sieg in Gröden) nun schon an die Super-G-Teilnahme bei der WM denken darf, war er doch zuvor bereits einmal Dritter und Fünfter.

"Bis zur Hausbergkante war es sehr gut, dann wollte ich vollen Zug durchziehen und habe den Schwung abstechen müssen. Ich bin stabil vorne dabei, ohne Fehler wäre das Stockerl möglich gewesen", sagte der Tiroler Baumann, der am Vorabend nicht hatte einschlafen können. "Es war schwierig den Fokus auf das Rennen zu richten. Es ist, wie einem Raucher zu sagen, dass es Lungenkrebs geben könnte, der blendet das auch aus. Bei uns ist die Sucht jene, das Rennen zu fahren, das Hirn müsste Nein sagen."

Ein Tor als "Österreicher-Loch"
Kröll, Walchhofer und Raich scheiterten an derselben Stelle beim selben Tor, die letzteren Beiden kamen gehörig ins Straucheln, meisterten brenzlige Situationen und hatten Riesenglück, nicht zu Sturz zu kommen. "Bis dahin war es eine ganz gute Fahrt, dann leider hat es mir im Zielhang den Ski verschlagen. Es war ein Wahnsinn. Ich bin froh, dass ich da stehe und reden kann. Ich hatte viele Schutzengel, um den Sturz zu vermeiden. Das war richtig knapp", wusste Raich.

Ähnlich verlief es bei Walchhofer, der nach dem Sturz im Training mit dem Handicap einer Knieverletzung am Start gestanden war. " Es ist schon bessergegangen als im Training. Aber die letzte Kompromisslosigkeit fehlte, da hat auch der Grugger mitgespielt", gestand der dreifache Familienvater, der seine Abschiedssaison im Weltcup bestreitet.

Zimmerkollege Kröll bekam Kopf nicht frei
Der Steirer Kröll kämpfte während seiner Fahrt ebenfalls gegen die Gedanken an den Teamkollegen. "Es war nicht einfach, ich habe versucht, so wenig wie möglich daran zu denken, aber es stehen immer noch die Sachen von Hans bei mir im Zimmer", sagte der Zimmerkollege Gruggers.

Hannes Reichelt kam auf Platz 9, Stephan Görgl auf 13, Mario Scheiber auf 18 und Joachim Puchner auf 26. "Natürlich war Hans ein Thema. Aber wichtig war, gleich ein Rennen zu fahren, damit wir wenig Zeit zum Nachdenken haben, sonst führt sich alles ins Absurde. Wichtig ist, dass wir Hans jetzt alle unsere Hoffnungen schicken", meinte Görgl im Zielraum.

Scheiber geht Gruggers Sturz sehr nahe
Der Osttiroler Scheiber erzählte, dass er sich derzeit unsicher fühle und der Sturz des Teamkollegen es nicht leichter gemacht hätte. "Ich habe das nicht ausschalten können, das geht mir persönlich sehr nahe. Ich bin ein religiöser Mensch und habe für Hans gebetet und mich nicht so richtig aufs Rennen vorbereitet. Skisport ist nicht alles. Es gibt ein Leben danach, und das ist viel länger und noch schöner. Ich fühle mich derzeit unsicher und kann nicht ans Limit gehen."

Peter Schröcksnadel, der Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), meinte gegenüber dem ORF: "Ich bin froh, dass Hans in guter Behandlung ist. Ich vertraue auf die Kunst der Ärzte. Ganz wegstecken hat das heute hier niemand können. Aber damit muss man jetzt leider umgehen können." Von 62 auf der Startliste traten 60 an, 23 fielen aus.

(apa/red)