Egal ob Erfolg oder Misserfolg: England-Teamchef Eriksson muss nach WM abtreten

Hitzfeld und Hiddink unter den Nachfolgekandidaten

Die "Scheich-Affäre" hat die Amtszeit von Englands Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson empfindlich verkürzt. Der englische Verband (FA) gab bekannt, dass der Vertrag mit dem 57-jährigen Schweden nach der Weltmeisterschaft in Deutschland vorzeitig aufgelöst wird. Als mögliche Nachfolger sind unter anderem der Deutsche Ottmar Hitzfeld und der Niederländer Guus Hiddink im Gespräch.

Eriksson war vergangene Woche in die Kritik geraten, nachdem er gegenüber einem als Scheich verkleideten Journalisten brisante Details verraten und mehrere Premier-League-Klubs als korrupt bezeichnet hatte.

"Dies geschieht zum Wohle aller, die mit dem englischen Fußball verbunden sind, vor allem der Fans", erklärte die FA in einer schriftlichen Stellungnahme zur vorzeitigen Vertragsauflösung. Auch der umstrittene Coach schien zufrieden: "Ich bin froh, dass wir diese Einigung erreicht haben und uns nun auf die WM vorbereiten können", meinte Eriksson, dessen Vertrag eigentlich bis 2008 gelaufen wäre. Die FA will jedoch bis zur WM im Sommer am umstrittenen Coach festhalten. "Sven ist definitiv der Mann, der uns in Deutschland anführt."

Über die Nachfolge wird bereits heftig spekuliert. "Hitzfeld, der genug Trophäen hat, um eine Flugzeughalle zu füllen, verdient ernsthaft in Erwägung gezogen zu werden", schrieb "The Guardian". Neben Hiddink seien Sam Allardyce (Bolton), Steve McClaren (Middlesbrough) und Alan Curbishley (Charlton) weitere Kandidaten.

Eriksson, der die Engländer mehr als fünf Jahren trainiert, wird eine millionenschwere Abfindung erhalten. Die Presse des Landes spekuliert mit drei bis neun Millionen Euro. Der Schwede hatte sich in dem Gespräch mit dem angeblichen Scheich als Coach von Aston Villa ins Gespräch gebracht und über mehrere Nationalspieler gelästert. Am Wochenende war bekannt geworden, dass er auch drei Premier-League-Klubs der Korruption bezichtigt hatte.

"Daily Mail": "Hau ab, Sven!"
"Sven, Du bist Geschichte, nun schreibe welche", titelte der "Daily Mirror" und die "Daily Mail" brüllte: "Hau ab, Sven!" Die britische Presse hatte den ersten ausländischen Nationaltrainer im Mutterland des Fußballs praktisch seit dem ersten Tag abgelehnt. "Wir haben unser Geburtsrecht an eine Nation von sieben Millionen Skifahrern und Hammerwerfern verkauft, die ihr halbes Leben in der Dunkelheit verbringen", hatte die "Daily Mail" im November 2000 nach der Präsentation des Schweden geschrieben.

Doch der scheinbar smarte und kühle Eriksson verlor mehr als einmal den Kopf und fütterte die Boulevardpresse regelmäßig mit Stoff wie aus einer schlechten TV-Soap. Anfangs ließen Sternstunden von Beckham & Co. die Kritiker verstummen. Doch glanzvolle Siege wie das 5:1 im September 2001 über Deutschland oder der 1:0-Erfolg über den Erzrivalen Argentinien bei der WM 2002 wurden immer seltener - und die Luft für Eriksson immer dünner.

Die englische Nation kannte jedes Detail seines Liebeslebens. Eriksson betrog seine Lebensgefährtin, die Italienerin Nancy Dell'Olio, mit der TV-Moderatorin Ulrika Jonsson, ein anders Mal mit Faria Alam, die nicht nur Sekretärin, sondern pikanterweise zugleich auch Geliebte seines Chefs beim englischen Fußball-Verband war. Dank satter Presse-Gagen plauderten die Damen gerne intime Bettgeheimnisse aus.

Als Roman Abramowitsch im Juli 2003 den Chelsea FC übernahm, wartete Eriksson nicht lange und traf sich bereits zwei Tage später zu Geheimverhandlungen mit dem russischen Multi-Milliardär. "Statt ihn deswegen zu feuern, belohnte die FA ihn mit einer Gehaltserhöhung und Vertragsverlängerung bis 2008. Völlig irre", schrieb " The Sun". Eine Entscheidung, die die FA nun eine Abfindung kostet, die auf zwischen drei und neun Millionen Euro geschätzt wird.

Eine Luxusreise ins Sieben-Sterne-Hotel Burj Al Arab nach Dubai wurde für Eriksson Anfang Jänner zur "Scheich-Falle". Nach zwei 680 Euro teuren Flaschen Champagner kam er ins Plaudern. Er lästerte über mehrere Nationalspieler, zeigte Interesse am Trainerposten von Aston Villa und bezeichnete drei Premier-League-Klubs als korrupt. Dumm nur, dass sich der "Scheich" als Undercover-Reporter der "News of the World" entpuppte. "Das kostete ihn seine letzten Verbündeten", schrieb die "Daily Mail" über Eriksson.

(apa)