E-MEDIA: Biometrie gegen Knastausbrüche:
Gesichtsscans sollen die Sicherheit erhöhen

Raus aus dem Gefängnis nur nach Gesichts-Check Zwei Wiener Strafanstalten nutzen neues System

E-MEDIA: Biometrie gegen Knastausbrüche:
Gesichtsscans sollen die Sicherheit erhöhen © Bild: Justizminiterium

So was soll nicht mehr passieren: Im April des Vorjahres entwischte der Geldfälscher "Ivan Ivanov" frech und somit unbehelligt aus dem Gefängnis, weil er sich mit Sakko und Krawatte als Anwalt scheinbar "unkenntlich" verkleidet hatte. Derlei Trickserei hat jetzt keine Chance mehr: In den Justizanstalten Wien-Josefstadt und Wien-Simmering wurde eine biometrische Gesichtserkennung installiert, welche die Sicherheit erhöhen und Ausbrüche verhindern soll.

Gesichtsscanner: Wer jetzt in die "Vorführzone" möchte, in der sich Anwälte, Rechtspraktikanten, Polizisten und Häftlinge aufhalten, muss erst einen ausführlichen Gesichts-Check absolvieren. Das sieht so aus:

* Jede Person, die in die Vorführzone gelangen möchte, wird nach erfolgter Ausweiskontrolle von einem Justizwachebeamten biometrisch erfasst: Dabei schaut man auf die Spiegel-Oberfläche der Biometrie-Kamera. Eine Kamera scannt die Gesichtsmerkmale und liest sie in den Computer ein.

* Der biometrische Scanner funktioniert auf Infrarot-Basis. Die Helligkeit des Lichts in der Kontrollschleuse spielt damit keine Rolle mehr. Einzig das Gesicht des Besuchers muss voll sichtbar, die Augen geöffnet und die Mimik neutral sein. Anschließend wird eine Zutrittskarte ausgestellt.

* Nun kann sich der Besucher mit der Karte an der Eingangsschleuse identifizieren. Dabei gleicht ein Gesichtsscanner die biometrischen Daten noch einmal mit dem vorab gespeicherten Gesicht ab. Erst dann wird der Zutritt gewährt.

* Beim Verlassen des Bereichs wird das ganze Procedere noch einmal wiederholt.

Zusätzlicher Schutz
Als zusätzlicher elektronischer Schutz wurde ein so genanntes "Anti-Pass-Back"-System integriert: Nur zuvor eingecheckte Personen dürfen das System wieder verlassen - sonst bleiben die Schleusen geschlossen.

Testphase erfolgreich
Erprobt wurde das System bereits seit fünf Monaten in der Strafanstalt Josefstadt. Täglich kommen zwischen 600 und 1.000 Personen in die Besucherzone. Die Beamten vor Ort sind von der neuen Sicherheitskontrolle begeistert, die bis jetzt fehlerfrei funktioniert. Die Wünsche des Wachpersonals an das System wurden bereits während der Planung berücksichtigt. "Die Zusammenarbeit verlief optimal", erinnert sich Entwicklungsleiter Michael Weisser von der Wiener Firma x-pin.com. Die Mitarbeiter des Unternehmens, das mit diesem Projekt beauftragt wurde, haben bereits jahrelange Erfahrung in punkto Biometrie. "Für das System haben wir selbst entwickelte Patente verwendet", so Michael Weisser. Die biometrische Gesichtskontrolle der beiden Wiener Justizanstalten ist somit weltweit einzigartig.

Ausweitung auf andere Gefängnisse geplant
Laut Justizministerin Karin Gastinger soll die biometrische Kontrolle künftig auch in anderen Gefängnissen eingesetzt werden. Dass ein Häftling verkleidet durch die Sicherheitsschleuse spaziert, will man kein zweites Mal. (E-MEDIA Nr. 2/2006)