"Es geht um Protest" von

Der Prolitiker

"Es geht um Protest" - Der Prolitiker © Bild: FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER

Roland Düringer zieht es in die Politik. Potenzielle Wähler hätte er. Aber noch fehlen ihm Argumente, gewählt zu werden.

Wer Roland Düringer für die Antithese des Politikers hält, tut ihm Unrecht. Denn spätestens auf den zweiten Blick scheint der 52-jährige Kabarettist überraschend gut geeignet für das politische Geschäft: Düringer zelebriert den Widerspruch, kaum jemand vereint vermeintliche Gegensätze so mühelos zu einem homogenen Bild wie der Wiener, der jetzt seine eigene Partei gegründet hat.


Ein aus der Welt Gefallener, beheimatet zwischen Benzinbruderschaft und Esoterik, zwischen Rampenlicht und Rückzug; ein sympathisch Entrückter, der im Duktus des Prolos dem Intellektuellen vielleicht nicht aus der Seele, aber aus dem Bauch spricht – es gibt schlechtere Voraussetzungen für eine Karriere in der Politik. Und Düringer, so ist es seit Monaten auf seinem Blog zu lesen und in seiner TV-Show "Gültige Stimme" auf Puls 4 zu sehen, ist mindestens ebenso wütend wie weite Teile der heimischen Wählerschaft. Wut ist ein begehrter politischer Treibstoff. Sie füllt die Tanks jener, die gegen die angeblich satten und arroganten Eliten mobilmachen.


Dass Quereinsteiger mit der Empörung der Wählerschaft meist besser fahren als etablierte Parteien, gilt schon als gegeben. Der Komiker Beppe Grillo bekam 2013 in Italien über ein Viertel der Wählerstimmen, Showman Donald Trump werden immer noch Chancen auf den Sieg im US-Wahlkampf eingeräumt. Nur hierzulande stärkt die Wutbürgerschaft mangels Alternativen vor allem zuverlässig das Ergebnis der etablierten FPÖ. Frank Stronach und Hans-Peter Martin vermochten diesem Trend kurzzeitig gefährlich zu werden, schossen sich aber dann selbst ab.


"In Österreich gibt es Potenzial für eine weitere populistische Partei", sagt der Politikberater Thomas Hofer. "Denn das ist Düringer: ein Brachial-Populist." Seine neue Partei, "Meine Stimme gilt", die er selbst als eine Mischung aus Aktivismus, Kunstprojekt und Alternative beschreibt, wird bei der nächsten Nationalratswahl antreten und auf Düringers Talent zur Vereinbarkeit des Unvereinbaren bauen: Grüne Esoteriker und Eskapisten, blaue Protestwähler, New-Age-Neos, notorische Weißwähler – sie alle könnten Gefallen an den Ideen des selbst ernannten Aussteigers finden.

"Es geht um Protest"

In einem Video auf seinem Blog beschreibt Düringer sich als "Taxler, der alle mitfahren lässt, die bei den etablierten Parteien kein Angebot finden". In einer Facebook-Gruppe sucht er nach Mitstreitern, dort wird auch bereits fleißig über die nächsten Schritte debattiert: Programm, Parteifarbe, Wahlziel. Doch ohne Geld, Personal und ein ideologisches Fundament ist laut Thomas Hofer kein Erfolg absehbar: "Stronach hatte zumindest das Geld – und konnte doch nur kurz der FPÖ schaden." Dass sich Düringer nun gar des Restpersonals Frank Stronachs bedienen könnte, um sich Klubstatus und damit das Recht auf TV-Diskussionen zu sichern, hielte Hofer für "einen Fehler, der die Glaubwürdigkeit der Bewegung rasch zerstören könnte".

Rudi Fußi, seines Zeichens ebenfalls politischer Berater und Freund Düringers, räumt dem Projekt größere Chancen ein: "Es herrscht Unzufriedenheit mit der Politik. Spätestens Beppe Grillo hat bewiesen, dass man diese auch im Wahlergebnis sichtbar machen kann." Zudem bringe Düringer die nötige Popularität mit sich, die sich klassische Politiker erst teuer erkaufen müssten. Und ohne Geld zogen nicht nur einst die Grünen ins Parlament ein, auch die linke Protestpartei Podemos in Spanien schaffte ihr Wahlwunder weitgehend ohne finanzielle Hilfe.

Gegen Ende des Videos auf seinem Blog sagt Roland Düringer: "Es geht um Protest. Es geht nicht darum, dass wir irgendwas machen im Parlament. Oder was besser machen. Es geht darum, dass wir denen was wegnehmen."

Doch eines sollte gerade Düringer, der Ex-Benzinbruder mit den Öko-Ambitionen, am besten wissen: Der Treibstoff Wut ist keine erneuerbare Energie. Ist der Tank einmal leer, bleibt oft nur noch der schale Geruch von Enttäuschung und Ernüchterung zurück.

Kommentare

Warum kandidiert der nicht auch für den BP? Das wäre doch was bei einem Diplomatenempfang, wenn der unrasiert, mit den Zöpfchen und Kugerln im Bart auftreten würde und außerdem bekäme er dann rund 23.000 Euro anstatt "nur" 8.500 Euro für einen NR-Posten!

Bitte wozu? Kein Konzept, wirre Aussagen und fragwürdige Mitglieder.......hatten wir das nicht alles schon? Und Clowns mit fragwürdigem Unterhaltungswert sind in unserer Regierung auch mehr als ausreichend vorhanden

Düringer's neues Kabarettprogramm gefällt mir :)
"Düringer spielt "StromArch" - "Der "gute" Onkel aus AT :)
Ganz im aktuellen Zeitgeist -Motto- "Catsch 'em all"
..und es finden sich besimmt noch einige "guilty_PokeMons"
die zur Stimmenstreuung bereit sind ;)

Oliver-Berg

Die Ansichten von Düringer gefallen mir. Aber einen karrieregeilen Ex-ÖVP, Ex-Stronach und Co. Funktionär als Parteichef zu inthronisieren, gibt seiner Glaubwürdigkeit einen argen Dämpfer.

hasi1965 melden

besser ein guter Kabarettist in der Politik als erbarmungswürdige Kasperln, und das sind sie ALLE. Tatsächlich ALLE Politiker von Rot, Schwarz, Grün, Blau usw sind Schießbudenfiguren, machtgeil, eitel und völlig abgehoben, keine Ahnung was „das Volk” treibt, denn sie leben in ihrer eigenen Seifenblase, die hoffentlich bald platzt. Hofer? Kern? Schelling? Glawischnig? Allesamt traurige Egomanen...

giuseppeverdi melden

Ach wirklich? Besser ein Kabarettist in der Politik als erbarmungswürdige Kasperln? Was bitte erwarten Sie dann für Lösungen von einem Kabarettist? Dass er jeden Tag einen Witz im Parlament erzählt? Mein Gott dein Tiergarten ist wirklich groß. Das sind die Leute, die einen Stronach in die Politik holten der erbärmlich gescheitert ist und nun wollen sie einen Kabarettisten haben. Arme3s Österreich!

giuseppeverdi melden

Nun ja wenn man einen Nick der "hasi" lautet hat, dann sei ihr verziehen. Hätte nur noch gefehlt, dass sie sich "blondes hasi" genannt hätte!

Roland Mösl

Erinnert mich an den "Wilden mit seiner Maschin".

"Ich weiß zwar nicht wo ich hin fahre, aber dafür bin ich schneller dort"

bucaka

Hat der ka Hacken ??? Des wird a Löwinger Bühne !!!

Chris An

... was hilft nur Protest? Taten zählen!

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