Dreikampf der Top-Banken: BA-CA, Erste Bank und Raiffeisen rittern um Osteuropa

NEWS: Expansionen sollen die Vorherrschaft sichern Harter Fight um Prestige und Privatisierungsperlen

Eine spektakuläre Übernahme jagt die andere. Nach dem Milliarden-Einkauf der Erste Bank in Rumänien hat kurz vor Jahreswechsel die BA-CA die Mehrheit an der bosnischen NBB erworben. Und im Jänner rittert Raiffeisen International mit internationalen Bankgiganten um die rumänische Sparkasse CEC. Der Austro-Dreikampf um die Vorherrschaft im Ostbankengeschäft läuft auf Hochtouren.

Dabei sind die heimischen Top-Banker zwischen Prag und Bukarest ohnehin bereits stolze Platzhirsche. Rund ein Drittel des osteuropäischen Bankenmarktes befindet sich in österreichischen Händen. In manchen Ländern, wie etwa Albanien, werden 50 Prozent allen Geldes über österreichische Banken abgewickelt. Ähnliches gilt für Kroatien, Tschechien und die Slowakei.

Der frühe Einstieg in die heute extrem lukrative Region - die Wachstumsraten im Geschäft mit Krediten und Spareinlagen liegen bei 23 Prozent pro Jahr - hat sich für die heimischen Institute bezahlt gemacht. Nun gibt es allerdings nur mehr wenige Rosinen zu verteilen - entsprechend hart wird um die letzten Privatisierungsperlen gefightet. Und wenn es auch Treichl, Stepic, Hampel und Co abstreiten - neben der nüchternen Business-Expansion geht es auch ums Prestige.

"Teuerste Unterschrift meines Lebens"
Im Prestigekampf um Kunden, Filialen & Co. Hier liegt gerade Erste-Boss Andreas Treichl vorn. Die "teuerste Unterschrift meines Lebens" unter den 3,75-Milliarden-Kaufvertrag der rumänischen BCR pusht den smarten Banker in die europäische Oberliga. Seine Konkurrenten monieren zwar den hohen Preis, geraten jetzt aber unter Zugzwang. Denn mit 2.700 Filialen kommt Treichl nun auf Haaresbreite an die BA-CA inklusive UniCredit heran und vergrößert den Abstand zu Raiffeisen International. Trost für BA-CA-Chef Erich Hampel: Mit 81 Milliarden Euro Bilanzsumme rangiert er in dieser Kategorie mit deutlichem Respektabstand vor der Konkurrenz und konnte jüngst mit dem Kauf der Mehrheit an der Nova Banjalucka Banka in Bosnien-Herzegowina seine Position weiter ausbauen.

Erste blickt Richtung Kiew
Doch der Fokus der wachstumsorientierten Top-Manager richtet sich nun noch weiter nach Osten. Nachdem Raiffeisen International im vergangenen Jahr die ukrainische Aval-Bank erworben hat, blickt auch die Erste - damals nicht zum Zug gekommen - Richtung Kiew. Und der große russische Markt, der mit solider Bankdienstleistung noch immer unterversorgt ist, harrt der Austro-Investoren. Konkret sondiert Ostpionier Stepic in zahlreichen GUS-Staaten und hat dabei besonders Kasachstan auf seiner internen Wunschliste. Für die BA-CA steht neben Russland auch die Vojvodanska-Bank in Serbien unter Beobachtung.

Raiffeisen profitiert vom Börsegang
Expansionsturbos Börsegang und Kapitalerhöhung. Auch wenn alle drei Institute geografisch ähnliche Pläne haben, finanziert wird der Expansionskurs auf höchst unterschiedliche Weise. Bei Raiffeisen International spülte ein höchst erfolgreicher Börsegang rund 1,1 Milliarden Euro in die Kassen. Und der nächste Gang an die Börse ist laut RZB-General Walter Rothensteiner bereits wieder für 2007 geplant. Die Erste wird den Rumänien-Deal über eine Kapitalerhöhung finanzieren, und bei der BA-CA sorgen die gute Ertragslage und die UniCredit für Rückhalt.

2006 wird eine Vorentscheidung bringen, welcher der drei Konkurrenten auf lange Sicht die Nase im Osten vorne haben wird. Denn mit jeder gelungenen Übernahme wird nicht nur die eigene Position gestärkt, sondern auch den Mitbewerbern ein möglicher Partner und damit hoffnungsreiche Einnahmequellen weggenommen.

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