Drei Wintermonate versorgt: Österreich hat größte Gas-Speicher-Kapazitäten in der EU

Bartenstein will verpflichtenden Vorrat für alle Länder Minister: "Nationale Besonderheiten berücksichtigen"

EU-Energiekommissar Andris Piebalgs will die 25 EU-Mitgliedsstaaten zum Aufbau umfangreicher Gasvorräte verpflichten. Jedes Land sollte mindestens zwei Monate Lieferausfall überbrücken können, hatte Piebalgs am Wochenende verlangt. Er arbeite an einem Konzept dafür.

Für Österreich hielt am Montag Wirtschafts- und Energieminister Martin Bartenstein (V) fest, dass das Land die mit Abstand größten Erdgas-Speicherkapazitäten der EU überhaupt habe. Eine verpflichtende Gasbevorratung müsse, so Bartenstein in einer Pressemitteilung, auch auf nationale Besonderheiten Bedacht nehmen. Österreich habe eine solche Sonderstellung.

Die Erdgasspeicherkapazitäten betragen mit rund 2,8 Mrd. Kubikmeter derzeit rund ein Drittel (32 Prozent) des Erdgasjahresverbrauches in Österreich, verwies Bartenstein auf E-Control-Daten. Damit ist die Speicherkapazität bezogen auf den Jahresverbrauch mehr als doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt (14 Prozent).

Manche Länder verfügen über gar keine Speicherkapazitäten, darunter Irland, Finnland oder Schweden.

Bartenstein begrüßte in dem Zusammenhang den Vorschlag von EU-Energiekommissar Piebalgs, dass jedes Land durch Bevorratung mindestens zwei Monate Lieferausfall überbrücken können soll. "Österreich", so der Minister, "hat rechtzeitig Speicherkapazitäten aufgebaut. Die gesamte EU muss sich nun stärker gegen Ausfälle und Schwankungen von Erdgaslieferungen absichern."

Der gesamte Erdgasabsatz Österreichs betrage rund 8,5 Mrd. Kubikmeter pro Jahr. Der derzeitige Speichervorrat betrage rund 2,2 Mrd. Kubikmeter der gesamten Speicherkapazität von 2,8 Mrd. Kubikmeter, was einer Menge von mehr als dem bundesweiten Gasverbrauch in 2 Wintermonaten entspreche.

Berücksichtige man die Inlandsproduktion sowie Importe aus Norwegen und Deutschland, so könne die Versorgung grundsätzlich für mindestens 3 Wintermonate gewährleistet werden, heißt es in der Mitteilung des Wirtschaftsministeriums. In Salzburg soll zusätzlich ein neuer unterirdischer Gasspeicher mit 2,4 Mrd. Kubikmeter Speichervolumen errichtet werden.

Laut Bartenstein ist "die Erdgasbevorratung ein wichtiges flexibles Instrument, um die Schwankungen der Gasversorgung gegenüber dem Gasbedarf auszugleichen, etwa bei Lieferausfällen oder zur Deckung des deutlich höheren Bedarfs im Winter." Österreich habe dabei EU-weit eine Sonderstellung, da es im Gegensatz zu einigen anderen Staaten über zahlreiche unterirdische geologische Hohlräume für die Gaslagerung verfüge. Diese Staaten müssen daher Alternativen zur Bevorratung von Gas entwickeln, etwa durch Bevorratung von Erdgas in Elektrizitätserzeugungs- oder Industrieanlagen.

Die Regelung müsse aber "sicherstellen, dass eine verpflichtende Gasbevorratung nicht zu höheren Kosten und geringerer Flexibilität der Gasversorgung führe", fordert Bartenstein. Und: "Nationale Besonderheiten sind zu berücksichtigen."

Erdgasspeicherkapazitäten innerhalb der EU-Mitgliedsländer (Quelle: E-Control, Daten soweit vorhanden):

LAND PROZENT
Österreich 32
Frankreich 26
Deutschland 22
Italien 22
Dänemark 17
DURCHSCHNITT 14
Niederlande 6
Spanien 6
Griechenland 5
Belgien 4
UK 4
Finnland 0
Irland 0
Schweden 0

(apa/red)