Drei Tote nach Geisterfahrt: 18 Monate Haft für oberösterreichischen Berufskraftfahrer

Familie aus Türkei wurde auf der A10 fast ausgelöscht

Die Geisterfahrt eines schwer alkoholisierten Lkw-Lenkers aus Oberösterreich auf der Tauernautobahn A10 im Salzburger Pongau mussten ein türkischer Autofahrer und seine zwei Söhne am 5. Juli 2005 mit dem Leben bezahlen. Die Mutter der Familie und ein weiteres Kind überlebten den Frontalzusammenstoß zum Teil schwer verletzt. Der 34-jährige, reumütig geständige Beschuldigte wurde am Donnerstag am Salzburger Landesgericht zu einer Haftstrafe von 18 Monaten nicht rechtskräftig verurteilt. Der Mann erbat Bedenkzeit.

Erschwerend bewertete Einzelrichter Manfred Seiss, dass der Berufskraftfahrer aus dem Bezirk Gmunden wegen seiner privaten Beziehungsprobleme zur Flasche gegriffen und auf seinem Weg von Oberösterreich nach Klagenfurt trotz einiger Ruhepausen mehrfach Alkohol "nachgetankt" habe. Die unbedingte Freiheitsstrafe wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen und fahrlässiger Gemeingefährdung habe er aus generalpräventiven Gründen gesetzt, als Signal gegen Alkohol am Steuer, so der Richter. Laut Staatsanwaltschaft war der Mann zurechnungsfähig. Sie gab nach der Urteilsverkündung keine Erklärung ab.

Ein Flasche Wein und ein Sechser-Tragerl Bier habe der Lkw-Lenker vor der folgenschweren Geisterfahrt noch geleert, bevor er auf der Fahrt von Oberösterreich nach Kärnten in Klagenfurt umdrehte und wegen seiner angeblichen Beziehungsprobleme wieder in Richtung Salzburg nach Hause fuhr, lastete ihm Staatsanwalt Franz Josef Zimmer an. Mit 2,12 Promille Alkohol im Blut - gemessen eine Stunde nach der Tatzeit - überfuhr der Oberösterreicher beim Nordportal des Tauerntunnels die doppelte Sperrlinie und setzte seine Fahrt auf der Überholspur der Gegenfahrbahn fort.

Nach etwa drei Kilometern und nachdem er an 14 Pkw, acht Lkw und zwei Reisebussen vorbeigefahren war, krachte sein Lkw gegen den Mercedes der türkischen Familie. Die fünf Insassen lebten in Deutschland und befanden sich auf den Weg in die Türkei. Für den 43-jährigen Vater und seine zwei Söhne im Alter von 14 und 15 Jahren gab es keine Rettung mehr.

"Es tut mir wahnsinnig Leid", sagte der bisher unbescholtene Beschuldigte heute reuevoll vor Gericht. Er habe die Trennung von seiner Lebensgefährtin, mit der er zwei gemeinsame Kinder hat, nicht verkraftet und deshalb getrunken. An den Unfallhergang selbst könne er sich aber nicht mehr erinnern. Dem Oberösterreicher wurde der Führerschein auf drei Jahre entzogen.
(apa)