Dramatische Szenen in Innsbruck-Mühlau: Mann überfiel Bank und nahm eine Geisel

Täter konnte nach kurzer Flucht verhaftet werden Auch Freundin des Bankräubers festgenommen

Als Wiederholungstäter hat sich ein Bankräuber in Innsbruck heraus gestellt. Der 25-jährige Bosnier, der als Koch in Innsbruck arbeitete, hatte bereits am 20. Jänner im Stadtteil Mühlau dieselbe Sparkassenfiliale überfallen und damals einen Taxifahrer als Geisel genommen. Am Mittwoch hatte er drei Personen vorübergehend in seiner Gewalt. Seine deutsche Freundin, die in Innsbruck Jus studiert, wanderte wegen Verdachtes der Anstiftung ebenfalls in U-Haft. Verletzt wurde niemand. Die Beute konnte sichergestellt werden.

Gegen 11.30 Uhr hatte der bisher unbescholtene Koch in der Nähe des Hauptbahnhofes im Stadtteil Wilten zunächst einen Autofahrer als Geisel genommen. Nach Erhebungen der Polizei war er in das Auto gestiegen und hatte mit einer ungeladenen Pistole des Kalibers 45 Millimeter den Fahrer aufgefordert, ihn nach Mühlau zu "seiner" Bank zu bringen. Der Fahrzeuglenker konnte sein Auto aber fluchtartig verlassen und letztlich der Polizei wichtige weitere Hinweise geben.

Der Bosnier kaperte kurzerhand ein zweites Auto, in dem ein Innsbrucker Ehepaar saß. Mit dem Opel Kadett fuhren die drei Personen nach Mühlau, dem Fahrer setzte der Mann die Pistole an Hals und Schläfe. Seine beiden Opfer nahm er mit in die Filiale, in der er trotz Maskierung von anwesenden Bankbeamten sofort wieder erkannt worden sei. Neuerlich bedrohte er mit der Waffe seine Geiseln massiv. Während er die Frau in der Bank zurückließ, ergriff er mit dem Mann und der Beute "in namhafter Höhe" die Flucht in Richtung Innenstadt.

In der Nähe der Markthalle fiel der Kadett dann einer Streife des Wachzimmers Pradl auf, die das Fahrzeug ohne Blaulicht in die Josef Hirnstraße verfolgten. Der Täter befahl dort seinem Fahrer, in der Nähe der Universitätsmensa einzuparken. Die Beamten näherten sich schließlich mit gezogenen Waffen dem Auto. Der Bosnier, der Waffe und Beute zwischen den Füßen liegen hatte, ließ sich widerstandslos festnehmen.

Durch den verzögerten Alarm, den die Sparkassenbeamten wegen der mitgenommenen Geisel ausgelöst hatten, waren die Funkstreifenbeamten lediglich auf der Fahndung nach einem Geiselnehmer. Den beiden verdutzten Beamten erzählte der Festgenommene dann gleich an Ort und Stelle von seinen beiden Überfällen auf ein und dieselbe Sparkassenfiliale.

Bei der Einvernahme habe sich der Bosnier voll geständig gezeigt, berichtete Polizeioberst Walter Pupp. Die bisher ebenfalls nicht vorbestrafte Freundin soll einen Teil der ersten Beute erhalten haben und den Mann dazu angestiftet haben, "wieder Geld zu holen". Über den Strafrahmen der beiden Delikte - erpresserische Entführung und schwerer Raub - dürfte die angehende Juristin ihren Freund vermutlich nicht aufgeklärt haben: Fünf bis 20 Jahre Haft.

(apa/red)