Dorfmeister räumt ab: Abfahrts-Siegerin holt sich auch im Super G die Goldmedaille!

"Dorfi" siegt mit 0,27 Sek. Vorsprung auf Kostelic Meissnitzer holt Bronze, Götschl beendet Saison

Michaela Dorfmeister und Alexandra Meissnitzer haben einen der erfolgreichsten Olympia-Tage von Österreichs Alpinen perfekt gemacht. Nach Benni Raich und Hermann Maier holten auch die beiden ÖSV-Damen in San Sicario im Super G Gold und Bronze. Dorfmeister machte sich fünf Tage nach ihrem Abfahrtssieg damit zur ersten ÖSV-Doppel-Olympiasiegerin seit Petra Kronberger. Und sie verhinderte das fünfte Olympia-Gold für Janica Kostelic, die sich der Niederösterreicherin um 0,27 Sekunden geschlagen geben musste.

Der wegen Nebels auf Montag verlegte Super G ging bei bestem Wetter über die Bühne. Der Kurs war aber trotz aller Bemühungen vom Kurssetzer, ÖSV-Abfahrtschef Jürgen Graller, mit Ausnahme der Sprünge eine reine Hocke-Partie. Und wegen der vorangegangenen Schneefälle ein Ski-Derby. Doch Dorfmeister ließ dank ihrer Atomic-Superlatten nichts anbrennen, fuhr mit Startnummer 30 wie schon in der Abfahrt wie auf Schienen und fehlerlos als letzte der Favoritinnen erneut zum Sieg.

Nur ganz oben, nach 15 Fahrtsekunden, lag die 32-Jährige hinter Kostelic (+0,16), danach drehte Dorfmeister aber groß auf. "Ich konnte meine Ski fast nicht bändigen", berichtete die Neusiedlerin nach ihrer Triumphfahrt.

"Dorfi" im Ziel ratlos
Im Ziel war Dorfmeister jedoch zunächst ratlos, weil sie "new best time" auf der Anzeigentafel zunächst nicht auf sich bezog. Erst als die Ergebnisse aufschienen und ihr Kostelic um den Hals gefallen war, "kapierte" auch Dorfmeister das Unglaubliche. Doppel-Olympiasiegerin, Gold auch im letzten Olympia-Rennen ihrer Karriere!

"Ich habe lange gebraucht, um es zu kapieren. Der Ski ist gegangen wie die Hölle. Doppel-Olympiasiegerin zu sein ist unglaublich", jubelte die 32-jährige Niederösterreicherin, die nach dieser Saison ihre Karriere beendet.

Dorfmeister ist jetzt die erst zweite Österreicherin nach Petra Kronberger, die bei denselben Spielen zweimal Gold geholt hat. Trude Jochum-Beister hatte dafür zwei Spiele benötigt. "Ich höre auf dem Höhepunkt auf. Das könnte ich mit einer WM nicht mehr toppen", legte sich Dorfmeister nochmals ultimativ fest.

Überglücklich war auch Alexandra Meissnitzer, die sich zumindest eine Medaille zum Ziel gesetzt hatte und dieses schließlich hauchdünn drei Hundertstel vor der Kanadierin Kelly Vanderbeek erreichte. "Das war meine letzte Chance, noch eine Olympiamedaille zu holen. Gott sei Dank ist es sich ausgegangen", atmete die ebenfalls 32-jährige Salzburgerin auf. "Das war ein Super G, den man größtenteils in der Hocke fahren musste. Daher bin ich sehr froh, dass ich mit den Schwergewichten mitgehalten habe."

Götschl schwer geschlagen
Zu den schwer geschlagenen Favoritinnen gehörte neben Anja Pärson (12.) vor allem Renate Götschl. In ihrem letzten Olympia-Rennen wurde die "Speed Queen" als 26. mit unfassbaren 2,36 Sekunden Rückstand deklassiert. Die Steirerin wird nun die Saison vorzeitig beenden, weil sie seit Cortina mit einem gerissenen Inneband fährt.

Das war aber nicht der Grund für Götschls unwürdigen Abschied von der Olympia-Bühne. Wie schon in der Abfahrt verlor sie sukzessive vom Start bis ins Ziel und zuckte im Ziel machtlos mit den Schultern. "Was soll ich sagen? Eine reine Hocke-Partie, oben bei den Kurven hat eh alles gepasst. Danach ging aber nichts mehr. Ich will mich aber nicht aufs Material ausreden", betonte Götschl.

Die Obdacherin wurde sogar von der 20-jährigen Olympia-Debütantin Andrea Fischbacher um fast eine Sekunde distanziert. Die Salzburgerin wurde 13. "Die Fahrt war okay, die Zeit passt halt nicht dazu. Ich weiß nicht wirklich, was ich falsch gemacht habe", rätselte aber auch die Markenkollegin von Dorfmeister. "Für mich zählt in erster Linie die Erfahrung", erklärte Fischbacher.

Gemeinsam mit Dorfmeister jubelte im Zielraum auch die erfolgreichste Alpin-Läuferin der Olympia-Geschichte: Janica Kostelic hat in ihren jüngsten sechs Rennen im Zeichen der fünf Ringe vier Gold- und zwei Silbermedaillen erobert.

Endergebnis des Super G:
1. Michaela Dorfmeister AUT 1:32,47 Min.
2. Janica Kostelic CRO 1:32,74 +0,27 +6,79 m
3. Alexandra Meissnitzer AUT 1:33,06 +0,59 +14,78 m
4. Kelly Vanderbeek CAN 1:33,09 +0,62 +15,53 m
5. Carole Montillet-Carles FRA 1:33,31 +0,84 +20,98 m
6. Martina Schild SUI 1:33,33 +0,86 +21,48 m
7. Lindsey C. Kildow USA 1:33,42 +0,95 +23,70 m
8. Lucia Recchia ITA 1:33,48 +1,01 +25,19 m
9. Emily Brydon CAN 1:33,50 +1,03 +25,68 m
. Petra Haltmayr GER 1:33,50 +1,03 +25,68 m
11. Julia Mancuso USA 1:33,72 +1,25 +31,09 m
12. Anja Pärson SWE 1:33,88 +1,41 +35,01 m
13. Andrea Fischbacher AUT 1:33,97 +1,50 +37,21 m
14. Kirsten L. Clark USA 1:33,98 +1,51 +37,45 m
15. Sylviane Berthod SUI 1:34,00 +1,53 +37,94 m
16. Martina Ertl-Renz GER 1:34,03 +1,56 +38,67 m
17. Fränzi Aufdenblatten SUI 1:34,10 +1,63 +40,38 m
18. Urska Rabic SLO 1:34,12 +1,65 +40,86 m
19. Chimene Alcott GBR 1:34,20 +1,73 +42,81 m
20. Genevieve Simard CAN 1:34,38 +1,91 +47,17 m
21. Nike Bent SWE 1:34,41 +1,94 +47,90 m
22. Janette Hargin SWE 1:34,48 +2,01 +49,59 m
23. Dagny I. Kristjansdottir ISL 1:34,56 +2,09 +51,52 m
24. Jessica Lindell-Vikarby SWE 1:34,78 +2,31 +56,81 m
25. Marie Marchand-Arvier FRA 1:34,82 +2,35 +57,77 m
26. Renate Götschl AUT 1:34,83 +2,36 +58,01 m
27. Sarka Zahrobska CZE 1:34,98 +2,51 +61,60 m
28. Libby Ludlow USA 1:35,01 +2,54 +62,32 m
29. Petra Robnik SLO 1:35,10 +2,63 +64,46 m
30. Carolina Ruiz-Castillo ESP 1:35,20 +2,73 +66,85 m

(apa)