Doping-Affäre bei Nordische: Staatsanwalt Guariniello zieht gegen Doping ins Feld!

Renommierter Justizbeamter ermittelte gegen "Juve"

Er hat sich längst einen Namen als Doping-Jäger gemacht. Staatsanwalt Raffaele Guariniello hat seinen Beruf dem Kampf gegen Sportbetrug in jeder erdenklichen Weise verschrieben. "Der eiserne Griff des Turiner Anti-Doping-Staatsanwalts Raffaele Guariniello würgt die Winterspiele", schrieb die Zeitung "Tuttosport" am Sonntag, nachdem die Polizei auf Geheiß der Staatsanwaltschaft von Turin eine spektakuläre Hausdurchsuchung in den Quartieren der ÖSV-Biathleten und -Längläufer durchgeführt hatte.

Die mehrstündige Aktion mit 30 Carabinieri wurde zwar von Guariniellos Kollegen, Generalstaatsanwalt Marcello Maddalena, geleitet, der renommierte Richter selbst wurde aber ebenfalls vor Ort erwartet. Guariniello hatte die Razzia in Abstimmung mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) genehmigt und im Auftrag desselben durchführen lassen. Seit 2000 wird Dopingmissbrauch in Italien strafrechtlich verfolgt.

Der italienische Richter hat neben der Verfolgung von Dopingsündern und deren Mittelsmännern unter anderem auch Ermittlungen gegen Fußball-Schiedsrichter geleitet, nachdem sich 1999 der Vorwurf von Spielmanipulationen insbesondere durch Luxusgeschenke mehrerer Klubs an Referees erhärtet hatte. Für die meisten Schlagzeilen sorgte Guariniello freilich mit aufgedeckten Dopingskandalen, die die italienische Sportwelt in ihren Grundfesten erschüttert haben.

Mit Pantani-Skandal ins Rampenlicht
Gegen mehrere Sportgrößen - darunter den an einer Kokain-Überdosis verstorbenen Radstar Marco Pantani und mehrere Spieler von Juventus Turin - ermittelte der Anti-Doping-Staatsanwalt wegen des Tatbestands des Sportbetrugs. Im Giro d'Italia 1999, in dem Pantani quasi als Gesamtsieger feststehend wegen eines zu hohen Hämatokrit-Wertes aus dem Rennen genommen worden war, war er im Zuge einer Großfahndung erstmals im Rampenlicht gestanden.

Nach Pantanis Tod warnte Guariniello medienwirksam vor weiteren Todesfällen im Sport als Folgen des übermäßigen Leistungsdrucks. Pantani hatte sich selbst in einem Abschiedsbrief als Opfer gesehen und dabei schwere Dopingvorwürfe erhoben: "Man hat nur mich bestrafen wollen." Guariniello aber arbeitet seit Jahren daran, mehrere Dopingsümpfe trockenzulegen.

Dem italienischen Fußball-Rekordmeister Juventus Turin hatte der für seine scharfen Plädoyers bekannte Staatsanwalt unter anderem systematisches EPO-Doping zwischen 1994 und 1998 vorgeworfen und bei der Verabreichung von Medikamenten als "Firmenpolitik" gesprochen. Im Zuge eines Aufsehen erregenden Prozesses war ein Juve-Teamarzt im Dezember in erster Instanz wegen Verabreichung gesundheitsgefährdender Mittel zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Gesundheitsgefährdung sei laut eigenen Angaben Guariniellos Hauptbedenken bei Dopingvergehen. Der Justizbeamte führte ausgedehnte Ermittlungen zur Erkrankung bzw. dem Tod mehrerer ehemaliger Fußballer an der mysteriösen "Gehrig-Krankheit" (auch: Amyotrophe Lateralsklerose/ALS), einer irreversiblen Sklerose, die mit großem physischen Stress und Traumata zusammenhängt. Guariniello ist der Ansicht, das bei einigen ALS-Todesfällen auch Doping eine Rolle gespielt habe.

(apa)