"Ich war drüben" heißt das aktuelle Kabarettprogramm von Dolores Schmidinger: Nach einem Sturz beim Christbaumaufputzen hat sie ihr persönliches Tunnelerlebnis. Das Leben zieht in einer Zehntelsekunde an ihr vorbei. Heute feiert die Schauspielerin und Kabarettistin mit ihrem 65. Geburtstag einen harmloseren Grund zur Rückerinnerung.
Wobei alleine ihre Theaterkarriere von der legendären "Rozznjogd"-Uraufführung an der Seite von Franz Morak am Volkstheater (1971) bis zum jüngsten "Magic Afternoon - reloaded"-Versuch im 3raum-Anatomietheater reicht und sie in den vergangenen Jahren auch als Regisseurin durchstartete.
Die 1946 in Wien geborene Tochter eines Staatsopernsängers und einer Lehrerin absolvierte neben einer Kosmetikerinnenlehre die Schauspielschule Krauss. Schon nach ihren ersten Engagements in Kellertheatern und in Gerhard Bronners Kabarett "Theater am Kärntnertor" trat sie in zahlreichen Kabarettsendungen im Fernsehen auf. 1965 wurde sie ans Volkstheater engagiert und spielte dort u.a. die Polly in Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" und die Julie in Molnars "Liliom".
Gurken-Tränen führten zu erstem Erfolg
Mit ihrem ersten Mann, dem Musiker Dai King, begann sie Lieder zu schreiben und feierte 1977 mit dem Liedprogramm "Gurken haben keine Tränen" ihren ersten größeren Erfolg. Es folgten weitere Shows, LPs, Musical-Engagements im Theater an der Wien (u.a. "Cabaret") und Ausflüge nach Deutschland, u.a. ans Hamburger Thalia Theater. 1979 wurde Schmidinger Mitglied des Theaters in der Josefstadt, wo sie u.a. Shakespeare, Horvath und Nestroy spielte, aber auch Peter Turrinis "Grillparzer im Pornoladen" an der Seite von Otto Schenk (1994).
Erstes Programm 1988
Mit "Immer bins i!" legte sie 1988 ihr erstes eigenes Kabarettprogramm vor, zwei Jahre später gelang ihr "Mit den Waffe(l)n einer Frau" der Durchbruch auf diesem Sektor. Es folgten u.a. "Die nackte Matrone", "Domina im Ausverkauf" oder "Die Queraussteigerin". Ein breites Publikum erreichte sie aber auch durch ihre zahlreichen Auftritte in Film und Fernsehen, u.a. in Houchang Allahyaris "I love Vienna" und den ORF-Serien "Kaisermühlenblues" oder "Ein echter Wiener geht nicht unter".
Selbstbewusst durch Offenheit
Bei der Premiere der zweiten "Echte Wiener"-Kinoverfilmung sorgte Schmidinger im Vorjahr allerdings weniger durch ihre darstellerische Leistung, sondern wegen der unübersehbaren Folgen einer Schönheitsoperation für Diskussionen. Ihr gestrafftes Gesicht verteidigt sie mit jener Offenheit und jenem Selbstbewusstsein, das sie immer schon ausgezeichnet hat. So sorgte die Mutter zweier Töchter 1995 für Aufsehen, als sie für ein Plakat der Aids-Hilfe nackt posierte. Offen äußerte sie sich aber auch über jüngere Liebhaber als Unterstützung beim Jungbleiben, ihre überwundene Alkoholsucht und Bulimie. Ihr 1998 erschienenes Buch "Raus damit! Bulimie: ein autobiographischer Ratgeber" wurde zum Bestseller. 2009 unterzog sie sich in ihrem Programm "Endlich suchtfrei" einer Therapie gegen Kaufrausch.
Auch als Regisseurin erfolgreich
Schmidinger, die u.a. mit dem Karl-Skraup-Preis (1975), dem Nestroy-Ring der Stadt Wien (1988) und dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (2003) ausgezeichnet wurde, hat seit 2005 ihrer vielseitigen Biografie auch eine erfolgreiche Regiekarriere hinzugefügt: Ihrem Regiedebüt bei den Leharfestspielen in Bad Ischl mit Millöckers "Bettelstudent" folgen u.a. Inszenierungen im Simpl, den Kammerspielen und im Kosmos Theater. Mit "Zigeunerbaron" und "Der fidele Bauer" (2010) in Bad Ischl und einem slapsticklastigen "Vogelhändler" in Linz (2008) etabliert sie sich als Operettenspezialistin: "Man attestiert mir die Fähigkeit, ohne weit hergeholte Konzepte einfach Geschichten zu erzählen, die trotzdem nicht verstaubt, sondern absolut heutig sind", so Schmidinger auf ihrer Homepage.
"Schaun, wie's weitergeht
Im Sommer legte sie in der bejubelten Savary-Inszenierung von Raimunds "Verschwender" in Baden als Queen Elisabeth einen Strip hin und sang dazu: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Durchaus eine gültiges Sinnbild auch ihres eigenen Lebens. Schlusswort Schmidinger: "Naja, und jetzt schau ma amal, wie's weitergeht..."
Kommentare
Unverwüstlich ? Ja klar unverwüstlich, bei der Menge an Botox es ist schon schlimm wie sich Frauen selber entstellen können, schrecklich.