"Die verrückte Welt der Ute Bock": Kino-
film mit Hader, Markovics, Düringer und Co.

Promirollen sollen Doku- & Spielfilmszenen trennen Regisseur Allahyari: 'Alles gibt es. Nichts ist erfunden'

Als vor einem Jahr der Film "Bock for President" von Houchang Allahyari bei der Viennale Premiere feierte, schien der Film so gut zur politischen und emotionalen Lage zu passen, dass die Uraufführung kurzerhand ins besetzte Audi Max verlegt wurde. Szenen der Veranstaltung, bei der die 68-jährige Flüchtlingshelferin Ute Bock von den Studenten enthusiastisch gefeiert worden war, finden sich am Beginn des neuen Films "Die verrückte Welt der Ute Bock", der bei der Viennale seine Uraufführung feierte. Und wieder hat der Film durch jüngste Geschehnisse bedrückende Aktualität erhalten.

Diesmal ist Dokumentarmaterial mit Spielszenen vermischt, da man auch Amtshandlungen zeigen wollte, für die man keine Drehgenehmigung erhalten hätte. Doch das gezeigte Schicksal der armenischen Flüchtlingsfamilie mit kleinen Kindern, die unsanften Besuch der Fremdenpolizei erhält, erinnert bis ins Detail daran, dass sich solche Szenen offenbar nahezu täglich in Österreich abspielen. Und man würde sich mehr Beamte wünschen wie den von Karl Markovics dargestellten, der angesichts weinender, verängstigter Kinder seine Kollegen zurückpfeift und bekennt: "Dafür bin ich nicht Polizist geworden."

Nachvollziehbare Trennung durch Promis
Markovics ist wie Roland Düringer, Josef Hader, Viktor Gernot, Andreas Vitasek, Paulus Manker, Dolores Schmidinger oder Alexander Pschill in einer hochkarätig besetzten Mini-Rolle zu sehen. Einerseits hoffe man dadurch auf ein breiteres Publikum, andererseits glaube man damit eine für jedermann nachvollziehbare Trennung in Doku- und Spiel-Szenen vornehmen zu können, schilderte Allahyari im Gespräch mit der APA. Der Schlüssigkeit und Einheitlichkeit der Handlung tun die ständigen Promi-Auftritte freilich nicht gut.

Klaric als Star
Die Haben-Seite dieses filmischen Hybrids ist eindeutig bei der Realo-Fraktion zu finden. Hier ist es überraschender Weise gar nicht so sehr Ute Bock, die beeindruckt. Sie kann zwar einmal mehr ihre Schrulligkeit, Hartnäckigkeit und raue Herzlichkeit unter Beweis stellen, macht dafür ebenso deutlich, dass sie sich in den Spielszenen ziemlich deplatziert vorkommt. An ihrer Stelle wird Karin Klaric der eigentliche Star des Films, der nach ab heute regulär in den Kinos läuft.

Klaric, Rechtsberaterin für Asylwerber, Gründerin des Rechtshilfe-Vereins "Purple Sheep" und Mitbegründerin des "Freunde Schützen"-Hauses, in dem Asylwerber Unterschlupf finden, darf das machen, was sie immer macht: sich mit großem Engagement, profundem Wissen und ohne Furcht vor amtshandelnden Personen für die Wahrung der Rechte jener einsetzen, die kaum über Kenntnisse der Sprache, geschweige denn der Paragrafen verfügen. In "Die verrückte Welt der Ute Bock" bekommt sie es u.a. mit Paulus Manker als widerlichen Fremdenpolizei-Oberst zu tun. Keine Sekunde zweifelt man daran, dass sie auch im "wahren Leben" gegen Behördenübergriffe so energisch, eloquent und unbeirrt auftritt.

"Nichts ist erfunden"
Und jenen, die an der Plausibilität mancher Handlungsstränge oder Figuren zweifeln, wie dem von Josef Hader gespielten, mit einer illegal in Wien lebenden Afrikanerin befreundeten Polizisten, der das von ihm vollzogene Gesetz plötzlich von der anderen Seite kennenlernt, versichert Allahyari, der auch das Drehbuch selbst geschrieben hat: "Alles gibt es. Nichts ist erfunden."

(apa/red)