Die Toten Hosen von

"Kein Grund, aufzuhören"

Gitarrist Breiti über Trennungsgerüchte zum Jubiläum, die neue CD, Falco und den Tod

  • Die Toten Hosen
    Bild 1 von 7 © Bild: Matias Corral

    Die Toten Hosen

    Campino, Gitarrist Breiti, Drummer Vom Ritchie, Gitarrist Andi von Holst, Bassist Andreas Meurer.

Trennungsgerüchte? Und wie kam es eigentlich zum Falco-Cover? Der Gitarrist der Düsseldorfer Erfolgs-Punkrocker, Michael "Breiti" Breitkopf, gab NEWS.AT die Antworten. Plus: 3 CDs zu GEWINNEN!

NEWS.AT: Ihr habt vor ein paar Tagen ein Wohnzimmer- (bzw. Keller-)Konzert in Wien gegeben. Wie war es?
Breiti: Das hat großen Spaß gemacht! Wir haben mitten in Wien gespielt, in einem Raum, den sich ein paar Jungs für ihre Treffen gemietet haben. Beim Auftritt war es dort drinnen total heiß, aber die Begeisterung war trotzdem riesig. Außerdem gab es natürlich genug zu trinken und wir haben wieder gute Leute kennen gelernt, so daß sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt hat!

NEWS.AT: Was macht euch Spaß an diesen kleinen Konzerten, was ist das Besondere daran?
Breiti: Das hat bei uns eine lange Tradition, zum ersten Mal haben wir das schon 1983 gemacht. Auf diese Art haben wir die Möglichkeit, die Leute kennen zu lernen, für die wir spielen, was bei großen Konzerten ja gar nicht möglich ist. Wenn genügend Platz ist, übernachten wir auch dort. Wir haben auf dieser Tour schon die verschiedensten Leute getroffen und überall hat es Spaß gemacht, sich mit ihnen die Nächte um die Ohren zu hauen. Auf Dauer ist es natürlich auch anstrengend. So als ob man jeden Tag auf eine Party geht und immer Wochenende ist!

NEWS.AT: Eure Konzerte – ob groß oder klein – sind für die Fans immer eine große Party. Betrinkt ihr euch selbst eigentlich auch noch manchmal vor bzw. während dem Auftritt?
Breiti: Früher sind wir tatsächlich oft ziemlich zugedröhnt auf die Bühne gegegangen, bis wir dann einmal total versagt haben und ein Konzert nach zwanzig Minuten abbrechen mussten. So etwas will man nie wieder erleben! Unser Anspruch ist es, immer unser Bestes zu geben und zu zeigen, was wir drauf haben. Wir haben ja auch eine Verantwortung gegenüber dem Publikum und allen, die auf einer Tour arbeiten, deswegen wird heute eher nach dem Konzert gefeiert. Wenn wir in einem Wohnzimmer spielen und das ganze im Rahmen einer kleinen Party stattfindet, ist das natürlich etwas anderes als bei einem großen Konzert.

NEWS.AT: Ihr feiert heuer euer 30-jähriges Jubiläum. Wie hält man es so lange miteinander aus? Was ist euer Geheimnis?
Breiti: Ich find es auch erstaunlich, dass wir uns nach so langer Zeit und obwohl wir ja dauernd unter teileise extremen Bedingungen zusammen unterwegs sind, immer noch so gut verstehen. Es hilft bestimmt, dass wir zusammen angefangen haben, weil wir Freunde und Anhänger derselben Art Musik waren und nicht, weil wir besonders gute Musiker gewesen wären. Auf Dauer hat sicher auch geholfen, dass einige von uns Kinder bekommen haben. Dadurch gibt es noch eine andere Welt außerhalb der Band, die auch wichtig ist, so sieht man dann vieles etwas gelassener. Letztendlich bin ich aber einfach nur dankbar, dass es so ist, denn so etwas wie diese Wohnzimmer-Tour wäre gar nicht möglich, wenn wir nicht miteinander klar kämen.

NEWS.AT: Ihr wurdet bei eurem allerersten Auftritt in Bremen fälschlich als „Tote Hasen“ angekündigt – wie kam es eigentlich zu eurem Namen „Die Toten Hosen“?
Breiti: Als wir anfingen, konnten wir ja alle nicht richtig spielen, deswegen fanden wir den Namen passend. Außerdem gehörte es zum Selbstverständnis der Punkbewegung, dass man sich als Band selber nicht so ernst nahm.

NEWS.AT: Eure neue Platte „Ballast der Republik“ erscheint demnächst – was darf man erwarten?
Breiti: Wir haben uns viel Mühe gegeben, damit wir aus unseren typischen Mustern herauskommen und nicht immer automatisch ähnliche Melodien und Akkorde verwenden. Oft sind das nur Kleinigkeiten, die aber durchaus ihre Wirkung haben. Das ist uns, glaube ich, auch ganz gut gelungen, das Album ist ziemlich abwechslungsreich geworden. Ein gutes Zeichen ist es für mich, dass es Spaß macht, die neuen Lieder bei den Konzerten zu spielen, und dass die Leute darauf reagieren, obwohl sie die Lieder ja noch gar nicht kennen.

NEWS.AT verlost drei Stück vom Album "Ballast der Republik":

NEWS.AT: Es geht auf „Ballast der Republik“ wie immer viel um Liebe, Sex, Freiheit und Politik – aber auch dem Thema Sterben und Tod wird viel Platz eingeräumt. Habt ihr Angst vorm Sterben? Wieso beschäftigt euch das Thema auf der Platte so sehr?
Breiti: Ein Lied auf dem Album, "Vogelfrei", geht ja eher ironisch damit um. Das andere, "Europa", beschreibt die Tragödie im Mittelmeer, wo die EU auf menschenverachtende Art und Weise alles dafür tut, um Flüchtlinge aus Afrika zurückzuweisen und dabei in Kauf nimmt, dass Tausende ertrinken und sterben. Ich persönlich habe keine Angst vor dem Tod. Ich wünsche mir allerdings, wie wohl jeder, dass es mich erwischt, ohne dass ich vorher noch lange auf die Hilfe anderer angewiesen bin.

NEWS.AT: Der Song „Schade wie kann das passieren“ klingt irgendwie nach einer Fußballhymne, wenn man verloren hat. Stimmt ihr euch schon auf die EM ein?
Breiti: Tatsächlich ist das Lied entstanden, als wir nach einem verlorenen Play-Off-Spiel der Eishockeyliga zwischen Düsseldorf und Berlin zurück ins Studio fuhren. Nach Niederlagen im Sport passt das Lied natürlich perfekt, aber auch für andere Situationen im Leben. Für die EM wünsche ich mir den Sieg eines Außenseiters, am besten einer Mannschaft, die noch nie gewonnen hat, so wie Dänemark 1992 oder Griechenland 2004.

Falco spielte sich total auf

NEWS.AT: Wieso habt ihr euch auf der Bonus-CD ("Die Geister, die ich rief") auch für ein Falco-Cover („Rock Me Amadeus?“) entschieden?
Breiti: Wir sind Falco einmal begegnet, bei den Dreharbeiten zu einem Film, das war 1985. Er orderte mittags um zwölf flaschenweise Champagner, spielte sich total auf und behandelte alle super arrogant. Bei uns kam er damit nicht durch, so dass es damit endete, dass wir mit ihm in seiner Garderobe Champagner tranken und uns bestens verstanden. An dieses Erlebnis haben wir uns erinnert und einfach mal probiert, wie sich das Lied, auf unsere Art gespielt, anhört. Und siehe da, es hat richtig Power und funktioniert auch als Rocksong – für mich noch besser als das Original.

NEWS.AT: Ihr covert mit „Schrei nach Liebe“ auch einen Ärzte-Song, und das sehr beeindruckend – euch beiden Bands wird ja gerne mal eine Rivalität angedichtet – was ist da eigentlich dran?
Breiti: Vor vielen Jahren gab es da tatsächlich mal einige Irritationen, aber inwischen haben wir schon lange gegenseitig Respekt voreinander und begegnen uns auch so. Die Ärzte haben ja früher auch öfters Lieder von uns live gespielt, da fanden wir es an der Zeit, mal einen Gruß zurück zu schicken – abgesehen davon ist "Schrei nach Liebe" ein gutes Lied und passt ja auch inhaltlich gut zu uns.

NEWS.AT: Wie sehr freut euch das, wenn andere Künstler Songs von euch covern? Seht ihr das gerne, oder nervt es auch mal?
Breiti: Wenn wir die Band mögen, ist es natürlich eine Ehre. Eine Überraschung war, dass "Alles aus Liebe" in der Version einer polnischen Band der größte Singlehit aller Zeiten in Polen war. Am meisten freut mich aber, wenn mir junge Bands erzählen, dass sie auch wegen uns mit ihrer Band angefangen und anfangs Lieder von uns nachgespielt haben.
Auf die Nerven gehen manchmal schlecht gemachte Ballermannversionen von einigen unserer Songs, die man leider nicht verhindern kann. Aber das kommt zum Glück nur selten vor.

NEWS.AT: Wie geht es mit den Toten Hosen nach dem Jubiläumsjahr weiter? Es kursierten ja bereits Trennungsgerüchte in den Medien. Denkt ihr ans Aufhören?
Breiti: Jetzt geht der Spaß doch erst richtig los! Alleine die Erlebnisse auf der jetzigen "Magical Mystery Tour" waren es wert, 30 Jahre lang durch zu halten. Tatsächlich machen wir keine Pläne, die über das Ende der gerade erst beginnenden Tour hinausgehen, wer weiß schon, was morgen ist? Aber so lange wir noch diese Leidenschaft dafür in uns spüren, unbedingt in dieser Band spielen und auf Tour gehen zu wollen, gibt es eigentlich keinen Grund aufzuhören.

NEWS.AT: Würdet ihr für Deutschland beim Song Contest antreten?
Breiti: Sicher nicht!

Link: Website der Toten Hosen

Kommentare

Schade um die alten Toten Hosen Leider ist aus der früheren Punkband "die Toten Hosen" nun eine brave Mainstreamband geworden, ich meine das Lied an Tagen wie diesen, ist ja der pure Kommerz und hat nichts mehr mit PUNK zu tun.

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