Die "Saliera" ist wieder da: Heftiges Blitzlichtgewitter zur Rückkehr ins KHM

Besucheransturm im Museum blieb allerdings aus Tourist: "Hoffentlich passt ihr jetzt besser auf sie auf"

Die "Saliera" ist wieder da: Heftiges Blitzlichtgewitter zur Rückkehr ins KHM

Armer Benvenuto Cellini. Umringt von den größten Persönlichkeiten seiner Zeit sitzt er da, mit seiner Saliera auf dem Schoß. Sogar ein Spot wurde auf den italienischen Bildhauer gerichtet, der auf dem riesigen Deckengemälde des Kunsthistorischen Museums verewigt wurde. Nutzte alles nichts. Ein paar Meter darunter genoss sein Meisterstück, das derzeit wohl berühmteste Salzfass der Welt, anlässlich seiner Rückkehr das mediale Blitzlichtgewitter.

Kurz nach 10.30 Uhr öffneten sich am Dienstag die Tore zum Saal XIX. Darin dunkle Seitenwände, Bewegungsmelder, Kameras und eine blank polierte Vitrine, um die sich die Fotografen scharten. In den letzten Minuten vor dem Einlass stieg die Nervosität beim Museumspersonal. Aus den Walkie-Talkies drangen gereizte Wortfetzen. Dabei wäre so viel Aufregung gar nicht nötig gewesen. Denn der Besucheransturm auf die Saliera blieb nahezu gänzlich aus.

Alltägliches Gedränge
Alltägliches Gedränge herrschte vor dem Haupteingang und im Foyer. Schulklassen sorgten kurzzeitig für einen hohen Lärmpegel, doch die Exkursionsgruppen verloren sich nach und nach in den zahlreichen Sälen des altehrwürdigen Gebäudes. Übrig blieben Journalisten, Kameraleute und eine Hand voll Kulturinteressierter - doch von denen war niemand nur wegen des Goldenen Salzfasses gekommen.

"Wir reisen morgen ab und hatten bis jetzt keine Zeit, das Museum zu besuchen", sagte ein junges Pärchen mit Schweizer Akzent. "Vom Diebstahl der Saliera haben wir gelesen, aber deswegen sind wir eigentlich nicht hier, sondern wegen der Ägypten-Sammlung. Vielleicht schauen wir dann noch vorbei." Es sei "eine gute Sache", dass "sie" wieder da ist, doch eigentlich sei er wegen des Malers Raffael ins Museum gekommen, gesteht ein älterer Herr aus Großbritannien. Im ersten Stock, im Saal IV wird er fündig werden - genau dort, wo die Saliera gestohlen worden war.

Bis 19. Februar ist das am 11.5.2003 gestohlene und kürzlich wiedergefundene Objekt mit einem Schätzwert von 50 Mio. Euro noch im Kunsthistorischen Museum zu bestaunen. Danach folgt eine dreiwöchige Restaurierungsphase. Ab 14. März kehrt das goldene Salzfass dann im Rahmen der Ausstellung "Europa ohne Grenzen" wieder in den Prunkbau an der Ringstraße zurück. "Seid froh, dass ihr sie gefunden habt", brachte ein deutscher Tourist seine Saliera-Eindrücke auf den Punkt: "Tolles Ding. Hoffentlich passt ihr jetzt besser auf sie auf."

Starkes KHM Besucherplus im Jahr 2005
Bereits zwei Tage zuvor war die "Saliera" im Rahmen der Goya-Finissage bei einem Fundraising-Dinner zur Generalsanierung der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums (KHM) gezeigt worden. Dabei konnte durch den Verkauf von Tischen an fast 300 Sponsoren ein Reinerlös von 75.000 Euro erzielt werden, heißt es in einer Aussendung des Museums.

Unter dem Motto "Bauen Sie mit uns den Wunderraum der Phantasie" sammelt das Kunsthistorische Museum ab sofort private Spendengelder, um auf 2.500 Quadratmeter die Kunstkammer wieder in neuem Licht erstrahlen zu lassen. Die Kunstkammer, zu deren Prunkstücken die Saliera zählt, soll im Jahr 2007 wiedereröffnet werden.

Bei der Goya-Ausstellung, die zuvor in Berlin 230.000 Besucher gesehen hatten, wurden im KHM insgesamt 301.506 Besucher gezählt. Ein deutliches gesamtes Besucherplus hat das Museum laut eigenen Angaben im vergangenen Jahr erzielt: Mit 665.149 Besuchern wurden 2005 um 16,5 Prozent mehr Kunstinteressierte gezählt als im Jahr 2004 (570.865). 2002 waren es 653.016, im Jahr 2003 wurden 615.179 Eintritte verzeichnet.
(apa)