Die Oma brachte Janda zum Skispringen

Porträt des Siegers der Vierschanzen-Tournee

Sein Stern ist vor knapp einem Jahr mit dem ersten Weltcupsieg in Titisee-Neustadt aufgegangen, in der Olympia-Saison hat sich der bereits 27-jährige Jakub Janda gar zum Serien-Sieger gemausert. Und am Dreikönigstag gelang ihm der erste große Wurf: Als erster Tscheche sicherte sich Janda in Bischofshofen den Sieg bei der Vierschanzen-Tournee, vor ihm war dies vor 35 Jahren nur Jiri Raska aus der ehemaligen CSSR gelungen. Teilen musste er sich den Sieg allerdings mit Janne Ahonen.

Ähnlich wie Ahonen fühlt sich auch Janda im Scheinwerferlicht nicht so wohl und er hat in Sachen Selbstmarketing noch einiges zu lernen. Manche sind eben zum Star geboren, andere kehren ihr Innerstes öffentlich nicht so gerne nach außen. "Wir arbeiten noch daran, dass er medial mehr aus sich herausgeht und auch als Star auftritt", meint Leos Skoda, der als Sponsor und Sportdirektor des tschechischen Skiverbandes fungiert.

Janda hat schon in der Vorsaison den endgültigen Durchbruch geschafft: Nach dem ersten Weltcupsieg folgten WM-Silber und -Bronze in Oberstdorf. Und in diesem Winter ist der Mann aus Frenstat kaum noch aufzuhalten und das trotz eines extremen Sprungstils, der eigentlich auch riskant ist. Sein Geheimnis ist eine einzigartige Flexibilität seiner Sprunggelenke. Er kann den Fuß mit Schuh so extrem an den Unterschenkel hochbiegen, dass die Ski stark angestellt sind, ohne dass er dafür ein Band zwischen Schuh-Ende und Bindung befestigen muss, wie es alle anderen tun. Dadurch gibt es größtmögliche Stabilität der Latten und Flugweiten im Spitzenbereich. Und so liegen seine Skispitzen hinter den Ohren.

Fünf Tagessiege, darunter beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, haben ihn zum Weltcup-Leader gemacht. Und in Tschechien ist das Interesse für das Skispringen nach einer langen Durststrecke sprunghaft angestiegen, seit Pavel Ploc und Jiri Parma in den achtziger Jahren und danach noch Jaroslav Sakala gab es keinen Siegspringer mehr.

Auch bei Janda sah es lange Zeit nicht danach aus, daß er sich ganz vorne etablieren könnte. Im Sommer 2004 hatte er einen Tiefpunkt. "Da war er psychisch am Boden", erinnert sich Vasja Bajc, der slowenische Trainer der Tschechen. "Mit ihm", sagt Janda, "ist alles besser geworden. Er ist nicht nur ein guter Trainer, sondern auch Psychologe."

Janda, der seit sechs Jahren mit Lucie liiert ist und als Turnlehrer arbeitet, will trotz blonden Strähnchen und Ohrring eigentlich nicht auffallen. Der schüchterne Mann aus den Beskiden im Osten von Tschechien spricht nur dann in der Öffentlichkeit, wenn es gar nicht anders geht. Und er beschränkt sich aufs Nötigste. Der ebenfalls eher schweigsame Ahonen ist dagegen der reinste Entertainer.

Ganz Tschechien kann sich bei Jandas Oma Ludmila bedanken. "Ohne sie wäre ich wahrscheinlich Eishockeyspieler oder Fußballspieler geworden", erzählte er. "Auf Skispringen wäre ich nicht gekommen." Doch die Oma hat sich immer schon für das Skispringen begeistern können. Jetzt hat dies aber ein wenig umgeschlagen. "Sie hat immer wahnsinnige Angst um mich", sagt Janda. Deshalb hat sie lange Zeit keinen Wettkampf besucht, im Dezember in Harrachov stand sie zum ersten Mal an der Schanze - und erlebte gleich einen Sieg ihres Enkels.

JAKUB JANDA .
*Geboren: 27. April 1978 in Celdana Frydek (Tschechien)
* Wohnort: Frenstat
* Größe/Gewicht: 1,77 m/60 kg
* Liiert mit Lucie
* Größte Erfolge:
WM: Silber 2005 (NS), Bronze 2005 (GS)
Weltcup: Gesamt-Weltcup-6. 2004/05, derzeit Leader - bisher 6 Weltcup-Siege, Vierschanzen-Tournee-Sieger 2005/06

GS=Großschanze, NS=Normalschanze
(apa/red)