Die Ärzte von

Es ist noch Punkrock

Bela, Rod und Farin gaben in der Wiener Stadthalle alles für ganze drei Stunden

  • Die Ärzte in Wien
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    Die Ärzte in Wien

30 Jahre sind es nun fast schon her, als das Berliner Funpunk-Trio Die Ärzte das erste Mal auf einer Bühne gestanden ist. Am Freitag und Samstag war die 1982 gegründete Band in der Wiener Stadthalle auf Visite. In einem bis auf ein paar Sitzplätzen ausverkauften Saal konnte beim ersten der zwei Wien-Gigs (vor wenigen Tagen gastierten sie bereits in Graz) eine kurzweilige, aber an die drei Stunden lange Show erlebt werden. "Ist das alles?" fragten sich die Ärzte in einem ihrer alten Songs. Die über 14.000 Fans der "besten Band der Welt" hatten gestern keinen Grund, dies ebenfalls zu tun.

Die Mischung aus harten Riffs, Wohlfühl-Gitarrenrock, garniert mit Heavy Metal und Punk mit albernen Texten wurde von den Ärzten gut dosiert. Die Setlist verteilte die Stimmungsgaranten unter den Songs so, dass es keine Durchhänger im leicht tropischen Ambiente der vollen Halle gab. Eine Stimme aus dem Off kündigte das Erscheinen von Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzales an. "Ist es noch Punkrock?" aus dem heuer erschienen Album "auch" war der erste Song von insgesamt 36 Titeln. Den drei Berlinern genügte anfangs eine schlicht gehaltene Bühne ohne Videoeinspielungen oder anderem Schnickschnack.

Moderator Farin
Bela B., der singende und stehende Schlagzeuger, war dabei in der Mitte postiert. "Ihr seid hier nicht bei Harry Belafonte", meinte dieser in Richtung der sitzenden Zuschauer. Aufstehen war angesagt, denn die Ärzte wollten nicht nur musizieren, sondern auch Hüpfen und La-Ola-Wellen von den Anwesenden sehen. Nach den ersten drei Songs machte Farin Urlaub den Animator. Lachen und Weinen auf Kommando war angesagt. Dann gleich "Hurra" vom Album "Planet Punk" als erster musikalischer Höhepunkt.

Die Songauswahl des ersten Teils stammte ausschließlich aus der zweiten Karrierenhälfte der Ärzte, die 1993 mit der legendären Anzeige "Beste Band der Welt sucht Plattenfirma" begann, nachdem sich die Gruppe davor eine vierjährige Auszeit gegönnt hatte. Kein Fehler, denn das Publikum schien altersmäßig ohnehin mehrheitlich in dieser Phase zur Fanschar gestoßen zu sein. Diese wurde zu einer fanatisch pogotanzenden Masse, als mit dem "Schundersong" nach ungefähr 15 Nummern die Stimmungsschraube noch ein wenig angezogen wurde.

Klassiker kamen auch zum Einsatz
Doch schon davor gab es keine Schonkost, sondern technisch gekonnt servierte Gitarrensoli beim "Sohn der Leere", lustige Bildeinspielungen von den inzwischen aktiven Videowänden beim "1/2 Lovesong", wo man die "Pärchen" Bill Clinton und Monica Lewinsky, John Lennon und Yoko Ono, sowie Bier und Schnaps erblickte. Mit dem schwungvollen neuen Song "Zeitverschwendung" dann ein weiterer Beweis, dass man die Klassiker der 80er nicht vermissen musste. Fünf Quader waren inzwischen von der Bühnendecke gesunken, um die dezente, aber wirkungsvolle Lichtshow in Gang zu bringen.

Nostalgie
Doch die Zeit der Nostalgie kam dann, als der End-40er Farin Urlaub von einer Zeit sprach, in der Musik noch etwas bewirken konnte: "Mit den Liedern, die wir in den 80ern schrieben, haben wir die Welt geschaffen, wie sie heute ist", lautete die etwas größenwahnsinnige Ankündigung für "Mein kleiner Liebling", einem Song aus einer frühen EP. Ein Hitfeuerwerk führte ins Finale. Songs wie "Schrei nach Liebe" oder "Unrockbar" bereits im Zugabeteil ließen die Fans noch einmal alle Reserven mobilisieren. Doch irgendwann war es selbst für die Ärzte "Zu spät", denn diese Nummer sollte das Ende dieses wirklich unterhaltsamem Abends sein. Und auch das zweite Konzert am Samstag stand dem Freitag-Gig in nichts nach.

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