Deutsche Arbeitslosenzahlen sinken leicht: Mit 5,012 Mio. um 75.000 weniger als 2005

Quote allerdings um einen Prozent auf 12,1 gestiegen PLUS: Weniger deutsche Erwerbstätige im Dezember

Die Zahl der Arbeitslosen ist in Deutschland zum ersten Mal seit dem Amtsantritt der großen Koalition wieder über die Marke von fünf Millionen gestiegen. Im Jänner waren 5,012 Millionen Menschen ohne Job. Das waren 408.000 mehr als noch im Dezember, wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg um 1,0 Prozentpunkte auf 12,1 Prozent.

BA-Chef Frank-Jürgen Weise räumte ein, die Entwicklung sei wesentlich ungünstiger als jahreszeitlich üblich, führte dies jedoch in erster Linie auf Sonderfaktoren zurück. Insgesamt habe sich nichts an der grundsätzlich rückläufigen Entwicklung geändert, betonte er. Im Durchschnitt der drei Wintermonate sei die Zahl der Menschen ohne Job monatlich um 34.000 gesunken.

Zu den Sonderfaktoren zählt vor allem die Kürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes, die am Mittwoch in Kraft tritt. Danach erhalten Menschen über 55 Jahren künftig höchstens noch 18 Monate Arbeitslosengeld, wenn sie ihren Job verlieren. Wer sich bis zum 31. Jänner arbeitslos gemeldet hat, erhält die Unterstützung noch bis zu 32 Monate.

Weise wies darauf hin, dass sich dementsprechend überdurchschnittlich viele ältere Menschen im Januar arbeitslos gemeldet hätten. Ohne diesen Zuwachs um rund 30.000 wäre die Fünf-Millionen-Marke nicht überschritten worden. Zum anderen sei der Jänner deutlich kälter gewesen als die vergleichsweise milden Monate November und Dezember. Dies habe dazu geführt, dass sich die Winterpause bei den saisonal abhängigen Jobs in den Jänner verschoben habe.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik war die Zahl der Erwerbslosen im Jänner 2005 über die Marke von fünf Millionen gestiegen. Im Vergleich dazu lag die Arbeitslosenzahl in diesem Januar um 75.000 niedriger. Dies ist nach Angaben der Bundesagentur der erste Rückgang im Jahresvergleich seit Juli 2001.

Für Februar rechnet Vorstandsmitglied Heinrich Alt allerdings mit einem weiteren Anstieg. "Es wäre wider aller Erwartungen, wenn die Arbeitslosigkeit im Februar zurückgeht", sagte er. 2005 hatte die Zahl der Erwerbslosen von Jänner bis April über der Fünf-Millionen-Marke verharrt, bevor sie mit der Frühjahrsbelebung wieder zurückging.

Die Bundesagentur demonstrierte dennoch Zuversicht. "Der Beschäftigungsabbau in Deutschland scheint zum Stillstand gekommen zu sein", sagte Weise. Zwar habe es jüngsten Zahlen zufolge im November noch 102.000 oder 0,4 Prozent weniger sozialversicherungspflichtige Jobs als im Vorjahr gegeben. Im März habe dieser Rückgang jedoch noch 428.000 betragen. Außerdem verzeichneten vier Bundesländer inzwischen wieder einen Anstieg: Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Hamburg.

(apa)