Die Serie der intensiven Trainingseinheiten für die österreichischen Fußball-Teamspieler hat ihre Fortsetzung gefunden. Unter der Anleitung von ÖFB-Conditioning-Coach Roger Spry absolvierten die ÖFB-Kicker zahlreiche Sprints mit und ohne Ball über verschiedene Distanzen. Erschwerend kam hinzu, dass der Rasen des Trainingsplatzes im Camp auf Sardinien durch die Regenfälle der vergangenen Tage stark aufgeweicht war.
Während die beiden Goalies Helge Payer und Christian Gratzei in der Kraftkammer übten, waren alle Feldspieler mit von der Partie. Sanel Kuljic musste jedoch die Einheit wenige Minuten vor dem Ende wegen Muskelproblemen im Oberschenkel abbrechen. "Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes", sagte der Stürmer. Eine Untersuchung bei Teamarzt Ernst Schopp sollte Klarheit darüber bringen, ob der 30-Jährige wieder auf dem mit Lacken übersäten und teilweise schon "umgeackerten" Rasen stehen konnte.
"Willkommenes Trainingsmittel von oben"
Teamchef Josef Hickersberger war über die schwierigen Bodenverhältnisse aber nicht unglücklich. "Der tiefe Boden war ein willkommenes Trainingsmittel von oben, weil die Übungen dadurch noch kräfteraubender werden. Auf der anderen Seite ist das bei Ballübungen nicht ideal", sagte der 60-Jährige, dessen Kickern die Folgen der Konditions-Schinderei deutlich anzumerken sind. "Es gibt derzeit keinen einzigen Spieler, der hundertprozentig fit ist. Alle klagen über muskuläre Probleme, aber das ist bei diesen Platzverhältnissen und bei dieser Form der Belastung nichts Besonderes."
Schon vor den abschließenden Trainings auf Sardinien zeichnete sich für Hickersberger schön langsam ab, wer den Sprung in den definitiven EM-Kader schaffen könnte und wer das Turnier vor dem TV-Gerät mitverfolgen wird müssen. "Viele Werte bestätigen, was man aus eigener Erfahrung schon mit freiem Auge sieht, zum Beispiel welche Spieler die höchste Intensität erreichen oder sich schnell erholen." Die zahlreichen Untersuchungen bieten dem Teamchef noch einen weiteren Vorteil. "Mit den Testergebnissen lässt es sich leichter argumentieren, wenn man jemand nach Hause schicken muss."
Kader könnte schon vor 28. Mai stehen
Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse könnte sogar der Fall eintreten, dass manche Spieler schon vor dem 28. Mai, dem Tag der EM-Kader-Bekanntgabe, die Heimreise antreten. "Es kann passieren, dass wir drei oder vier Tage früher entscheiden, dass jemand nicht dabei ist. Dann haben diese Spieler ein bisschen länger Urlaub."
Legionäre haben keinen Fixplatz im Kader
Auch der eine oder andere Legionär könnte früher als ihm lieb ist seinen Urlaub antreten. "Es kann durchaus sein, dass nicht jeder von ihnen im EM-Kader ist." Immerhin bleibt den im Laufe der kommenden Woche in Lindabrunn zum Team stoßenden "Fremdarbeitern" der Trost, von einem allzu harten Training verschont zu bleiben. "Derart intensives Training ist bei den Legionären nicht möglich, aber auch nicht nötig, weil sie länger Meisterschaft gespielt haben und dadurch auch längere Anstrengungen gehabt haben", erläuterte Hickersberger.
Auch für die Legionäre ist eine körperliche Top-Verfassung unabdingbar. "Wenn jemand als Stammspieler gelten will, muss er damit rechnen, dass er zumindest drei Partien durchspielen können muss", sagte der 60-Jährige, schränkte aber gleichzeitig ein: "Auf der anderen Seite gibt es auch Spieler, die nicht für 90 Minuten vorgesehen sind."
(apa/red)