Der Billyonär: Als Schüler gründet Kamprad Ikea, heute gehört er zu den Superreichen

FORMAT: Neue Biografie zeichnet seine Karriere nach Der eigenwillige Kauz erschuf sich ein Weltimperium

Er gilt als kauzig, eigenwillig und knausrig. Er ist ein Kontrollfreak, der jedes neue Produkt im Sortiment vor der Einführung sehen will. Und wenn irgendwo auf der Welt eine neue Filiale seines Imperiums eröffnet wird, dann ist er meistens vor Ort, obwohl er im März bereits 80 Jahre alt wird. Er sagt von sich selbst, dass er keinen Geschmack hat, nicht einmal ein Vorzimmer einrichten könnte, und das ist sonderbar, weil die Produkte seiner Firma für Generationen von Menschen stilbildend sind: Ingvar Kamprad ist der Gründer und Besitzer von Ikea. Laut dem US-Magazin "Forbes" ist er mit einem Privatvermögen von 23 Milliarden Dollar der sechstreichste Mann der Welt.

Im Geschäftsjahr 2005 setzte Ikea 14,8 Milliarden Euro um, ungefähr doppelt so viel wie Adidas oder Porsche. Das Einrichtungshaus ist mit 230 Einrichtungshäusern in 33 Ländern der Erde vertreten. Billy, Klippan und Freunde werden von Los Angeles bis Sydney verkauft. Es gibt Ikea-Filialen in Saudi-Arabien, in Moskau und in Peking. Auch Ikea Tokio wird im März seine Pforten öffnen. Und das Spannende daran ist, dass dieser Welterfolg von einem einzigen Mann aufgebaut wurde.

Ingvar Kamprad ist so etwas wie der geborene Verkäufer. Er wuchs in relativ bescheidenen Verhältnissen auf einem Bauernhof in Südschweden auf. Laut seinem Biografen, dem schwedischen Journalisten Bertil Torekull, sah es dort aus wie in Bullerbü, jenem Dorf, dem die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren in ihrem Bestseller "Die Kinder aus Bullerbü" ein Denkmal setzte. Die Familie hatte einen kleinen Bauernhof und ein paar Hektar Wald.

Seine erste richtige Firma eröffnete Kamprad mit 17 Jahren im Sommer 1943: Damals ließ er im schwedischen Handelsregister die Firma IKEA eintragen: Der Name stand für Ingvar Kamprad Elmtaryd Agunnaryd. Elmtaryd hieß der Hof seiner Eltern, Agunnaryd ist der Name seiner Heimatgemeinde. Sein Handelsprinzip war immer das gleiche: Kamprad besorgte sich Schreibwaren, Aktenordner oder Ähnliches bei Großhändlern und verkaufte sie dann direkt an die Kunden. Fünf Jahre später, 1948, nahm Kamprad das erste Möbelstück ins Programm: einen Sessel, den Tischler aus der Region angefertigt hatten.

Vor allem in den sechziger Jahren entwickelte sich Ikea rasch: Schweden erlebte damals ein Wirtschaftswunder, immer mehr Menschen zogen vom Land in die Städte und brauchten daher Möbel für ihre neuen Wohnungen.

Allerdings stieß Kamprad in dieser Zeit erstmals an die Grenzen seiner Expansion: Er tat sich schwer, genügend schwedische Zulieferer zu finden, die seine Produkte bauen konnten oder wollten. Also begann er, die Produktion auszulagern, und ließ immer mehr Ikea-Möbel hinter dem damals noch existierenden Eisernen Vorhang in Polen fertigen. Für Ikea war das ein Glücksfall: Die Artikel wurden dadurch noch billiger und fanden zusätzliche Käufer. Damit hatte Kamprad wohl den Durchbruch geschafft.

Ikea wuchs mit seinen Kunden nicht nur mit, es passte sich auch dem Zeitgeist neuerer Käuferschichten an - vor allem in den neunziger Jahren, wie der Journalist Florian Illies in seinem Bestseller "Generation Golf" beschrieb. Ikea änderte sein Sortiment, das helle Kiefernholz, bis dahin Bestandteil jeder Ikea-Kommode, verschwand und wurde durch besseres Design, vorzugsweise in Weiß, ersetzt - so wurde auch aus der "Generation Golf" eine "Generation Ikea".

Kamprad selbst ist trotz des kometenhaften Aufstiegs seiner Firma ein klassischer Händler geblieben. Der Schwede, von dem in den achtziger Jahren bekannt wurde, dass er während des Zweiten Weltkriegs nicht nur Sympathien für Nazi-Deutschland hatte, sondern auch Mitglied einer schwedischen Ultra-Rechtspartei war, lebt heute in der Nähe von Lausanne in der Schweiz. Nur die Sommer verbringt er mit der gesamten Familie in einem Häuschen an einem schwedischen See.

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