Der Al-Kaida-Vize lebt doch: Bin-Laden-Stellvertreter al-Zawahiri nicht getroffen!

Mindestens 18 Tote bei US-Luftangriff in Pakistan Bevölkerung empört. USA dementieren Operation

Bei einem angeblichen US-Luftangriff auf ein Dorf in den pakistanischen Stammesgebieten sind nach Augenzeugenberichten mindestens 18 Bewohner getötet worden, darunter mehrere Frauen und Kinder. Medienberichte, wonach bei dem Drohnen-Angriff nahe der Grenze zu Afghanistan am Freitag auch der ranghohe Al-Kaida-Anführer Ayman al-Zawahiri getötet worden sei, wurden von den pakistanischen Behörden am Samstag bezweifelt.

Der pakistanische Informationsminister Sheikh Rashid Ahmed sagte am Samstag gegenüber dem US-Fernsehsender CNN, der US-Botschafter in Islamabad werde ins Außenministerium beordert. Im Nordwesten Pakistans protestierten rund 5.000 Menschen gegen die USA. Demonstranten setzten eine US-finanzierte Nichtregierungsorganisation in Brand.

In einem Stadion bei Khar in der Region Bajur versammelten sich Demonstranten und riefen Parolen wie "Ein Freund der Amerikaner ist ein Verräter" und "Wir erklärten dem Angreifer den Heiligen Krieg". Das Gebäude der NGO Associated Development Construction sei durch das Feuer stark beschädigt worden, sagte ein Mitarbeiter. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge aufzulösen. Sicherheitskräfte nahmen mehrere junge Stammesangehörige fest.

Bei dem Luftangriff am Freitag waren einem Augenzeugen zufolge zunächst mehrere Gästehäuser bombardiert worden. Etwa eine halbe Stunde später sei ein daneben liegender Wohnkomplex vollständig zerstört worden, sagte Khushal Khan. Ein anderer Zeuge erklärte, drei Häuser eines Juweliers seien zerstört worden. Alle Opfer seien Dorfbewohner. Ein ranghoher Vertreter der pakistanischen Sicherheitskräfte bestätigte am Samstag, die Toten seien ausschließlich örtliche Stammesangehörige ohne jeglichen erkennbaren Kontakt zu Terrorgruppen. Ausländer seien nicht darunter. Zawahiri ist Ägypter.

Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass sich Zawahiri in dem angegriffenen Dorf Damadola in der Region Bajur aufgehalten habe, sagte ein pakistanischer Geheimdienstvertreter am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Ein Regierungsbeamter bekräftigte, es sei unwahrscheinlich, dass der Stellvertreter von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in dem Ort gewesen sei.

"Wir wollen den Menschen versichern, dass wir es nicht erlauben, dass es wieder zu einem solchen Vorfall kommt", erklärte der pakistanische Informationsminister. In einer von ihm verlesenen Stellungnahme war von einem "höchst verurteilungswürdigen" Angriff die Rede. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf vermied unterdessen direkte Kritik an den USA. Er sprach lediglich von einem Vorfall, in den "Leute von außerhalb" verwickelt gewesen seien.

Die US-Fernsehsender ABC und CNN hatten am Freitag unter Berufung auf pakistanische Sicherheitskreise berichtet, unter den Toten seien auch fünf ranghohe Mitglieder des Terrornetzwerks Al Kaida. Wie AFP aus US-Geheimdienstkreisen erfuhr, lagen der CIA Hinweise vor, dass ein ranghohes Al-Kaida-Mitglied bei dem Angriff einer Predator-Drohne getötet worden sein könnte. Die CIA stand laut dem Sender NBC, der sich auf Angaben aus US-Militärkreisen stützte, hinter dem Einsatz.

Das US-Verteidigungsministerium distanzierte sich von dem Luftangriff. "Uns liegen keine Berichte über den Einsatz von Koalitions-Flugzeugen in der Gegend vor, aus der über Explosionen berichtet wurde", sagte eine Pentagon-Sprecherin am Samstag in Washington. Die USA haben auf Zawahiri ein Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar (20,8 Mio. Euro) ausgesetzt. Washington sieht in dem Ägypter den Chefideologen und -strategen von Al Kaida.

(apa/red)