Der Aberglaube blüht überall: Heutiger Freitag ist wieder einmal ein Freitag der 13.

Magisches Denken kann in krankhafter Angst münden Der Fachbegriff lautet "Paraskavedekatriaphobie"<br>UMFRAGE: Haben Sie Angst vor Freitag den 13.?

Zum ersten Mal im noch jungen Jahr fällt der heutige Freitag auf den 13. Viele halten die Furcht vor dem vermeintlichen Unglückstag für Humbug, bei anderen löst die Kombination dagegen echte Panikzustände aus. Auch Psychologen beschäftigen sich mit dem Thema und haben einen eigenen Namen für das Phänomen gefunden: Mit dem Zungenbrecher "Paraskavedekatriaphobie" bezeichnen sie die krankhafte Angst vor Freitag, dem 13.

Für die Betroffenen hat das oft schlimme Konsequenzen: In extremen Fällen trauen sich Patienten an diesem Tag gar nicht aus den eigenen vier Wänden, sagt der Greifswalder Psychologieprofessor Alfons Hamm. Oft seien nicht mal schlechte Erfahrungen an einem Freitag, dem 13. für die Zwangserkrankung verantwortlich. Die Patienten steigerten sich vielmehr in eine Art "magisches Denken". "Meistens befürchten sie eine Konsequenz, wenn sie etwas bestimmtes nicht tun", erklärt Hamm. Zum Beispiel, wenn sie an diesem Tag nicht mit einem bestimmten Bein zuerst aus dem Bett steigen.

Behandlungsbedürftig wird die Erkrankung, wenn die Angst quälend wird und die Patienten nicht mehr im Alltag zurechtkommen. Mit einer Verhaltenstherapie versuchen Psychologen ihnen dann die Furcht zu nehmen. "Man muss die Leute systematisch mit ihren Angstzuständen konfrontieren", sagt Hamm. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden nach seinen Schätzungen an schweren Zwangserkrankungen, etwa 0,1 Prozent davon an einer schweren Form des "magischen Denkens".

Einen statistischen Grund für die Angst gibt es nicht. Verschiedenen Untersuchungen zufolge werden an dem vermeintlichen Unglückstag nicht mehr Unfälle als an anderen Tagen verzeichnet. Die Verbindung Freitag und 13 gilt auch erst seit etwa 50 Jahren als Unheil bringend, hat die Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Christiane Cantauw, herausgefunden. "Interessanterweise wurden die Wochentage und die Zahlensymbolik lange Zeit unabhängig voneinander als Glück oder Pech bringend betrachtet. Erst in den fünfziger Jahren begann man diese beiden Vorstellungswelten zu verknüpfen."

Die 13 überschreitet das geschlossene Zwölfersystem und ist als Primzahl nur durch eins und sich selbst teilbar. Das verleiht ihr schon eine besondere Bedeutung. In der Bibel hat die 12 eine harmonische Wirkung, beim Abendmahl war die 13. Person der Verräter Judas. Lange hieß die 13 im deutschen Volksmund das "Dutzend des Teufels". Nicht überall ist die Zahl aber ein Symbol für Unglück. In der jüdischen Tradition ist die 13 eine Glückszahl und ein Symbol Gottes, weil sie über der Zwölf steht, sagt Volkskundlerin Cantauw.

Der schlechte Ruf des Freitags hat ebenfalls einen religiösen Hintergrund. Nach der christlichen Überlieferung wurde Jesus an einem Freitag gekreuzigt, auch Adam und Eva sollen an einem Freitag von dem verbotenen Apfel gekostet haben. Noch 1930 galt aber etwa im Norden Deutschlands der Freitag als Glückstag und besonders guter Termin zum Heiraten, berichtet Cantauw. "In der Mitte und im Süden Deutschlands glaubte man hingegen eher an die Unglück verheißende Wirkung dieses Wochentags." (apa)