Dechant Franz Scharl wird neuer Wiener Weihbischof: Nachfolger von Helmut Krätzl!

War bisher "einfacher" Pfarrer in Wien-Margareten Debatte um Priesterinnen ist "Zeitverschwendung"

Kardinal Christoph Schönborn hat wieder einen zweiten Weihbischof. Dechant Franz Scharl übernimmt den freien Posten von Ludwig Schwarz, der mittlerweile in Linz als Diözesanbischof fungiert. Der Neue zeigte sich bei seiner Präsentation auf Vatikan-Linie, nannte eine Diskussion über Frauenpriestertum "Zeitverschwendung" und lobte das Zölibat ausdrücklich. Dabei war Scharl selbst früher der Kirche fern gestanden und wollte eigentlich Philosoph und Yoga-Lehrer werden.

Kardinal Schönborn hatte im Vatikan ja schon seit Monaten Unterstützung erbeten, seit heute ist wenigstens ein zusätzlicher Weihbischof zur Stelle. Ein weiterer soll in "näherer Zukunft" ernannt werden. Denn Weihbischof Helmut Krätzl wird noch heuer im Oktober 75 und muss damit in Rom seinen Rücktritt anbieten. Als Kandidat für seine Nachfolge wurde medial immer wieder Bischofsvikar Karl Rühringer genannt.

Scharl gilt dagegen in der katholischen Kirche Österreichs als unbeschriebenes Blatt. Umso mehr Aufmerksamkeit erhielt heute seine Selbst-Präsentation. Geboren in der kleinen Salzburger Gemeinde Obereching kam er nach Hauptschule und Handelsakademie nach Wien, wo er einerseits Völkerkunde und Geschichte studierte, andererseits sein Geld unter anderem als Nachtportier im Hotel Amadeus verdiente.

Das Bundesheer hat Scharl zwar absolviert, dann aber auch den Zivildienst, um nicht im Fall der Fälle einrücken zu müssen. Die Institution Kirche habe er damals nicht einmal streifen wollen, berichtetet der ehemalige Ministrant. Das sollte sich wieder ändern. 1982 begann er Theologie zu studieren, 1986 entschloss sich Scharl, ins Priesterseminar zu gehen. Als Diakon musste er sich in der Wiener Wohnsiedlung Schöpfwerk sogar mit Eiern beschießen lassen, aufgegeben hat er deswegen nicht.

Über Mödling und Wiener Neustadt kam Scharl wieder nach Wien, an die Uni und dann auch als Priester in den fünften Gemeindebezirk, wo er unter anderem eine afrikanische Gemeinschaft in seiner Pfarre etabliert hat. Das Angebot des Vatikan erhielt er am 31. Jänner, nach einer Woche des Überlegens nahm Scharl an und freut sich mittlerweile auf das "schöne neue Abenteuer".

Scharls Aufgaben-Bereich definierte der gerade in Rom weilende Kardinal Schönborn mit der "kategorialen Seelsorge", was nichts anders meint als Universitäts-, Kranken- und Gefangenen-Seelsorge. Zusätzlich soll sich der Weihbischof den fremdsprachigen Gemeinden zuwenden. Scharl wird übrigens auch gleichzeitig Titularbischof von Gerafi, einer nicht mehr existenten Diözese im heutigen Algerien.

In der kirchenpolitisch wohl brisantesten Frage zeigte sich Scharl, der bei seiner Präsentation an sich einen persönlich sehr offenen Eindruck machte, defensiv. Bei Fragen wie dem Priestermangel müsse die Weltkirche die Entscheidungen treffen. Und beim Frauenpriestertum sei schon die Entscheidung dagegen gefallen, daher würde er es als "Zeitverschwendung" betrachten, sich damit zu beschäftigen. Moderater, wenngleich noch immer zurückhaltend Scharls Ansatz bei der Zulassung erprobter Männer - so genannter "Viri probati" - zum Priesteramt. "Derzeit" sei die Kirche "öffentlich" nicht der Meinung, die "Viri probati" als Priester einzusetzen. Beim Zölibat erkenne er Vorteile: "Ich sehe das positiv." (apa)