Debatte um Elite-Uni in Gugging: Gehrer denkt nicht daran, ihre Wahl zu überdenken

Entscheidung war kein Gefallen für Erwin Pröll Kritik: Gugging ideal für"genial-autistische Forscher"<br>MITSTIMMEN: Haben Sie noch Vertrauen in Gehrer?

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) denkt nicht daran, die Entscheidung für die geplante Elite-Uni am Standort Gugging (Niederösterreich) zurückzunehmen. Sie weist Vorwürfe zurück, die Entscheidung sei ein Gefallen an ihren Parteikollegen, den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll, gewesen. "Dagegen verwahre ich mich", sagte Gehrer.

Sie sei bekannt dafür, dass sie "objektive Entscheidungen" fälle, meinte die Ministerin im Ö1-"Journal zu Gast". Das sich der "geistige Vater" des Projekts, der Physiker Anton Zeilinger, zurückgezogen hat, bedaure sie "sehr". Den Vorwurf, man sei über die Forscher drüber gefahren, wies sie zurück. "Das sehe ich wirklich nicht so." Man habe ein Jahr diskutiert, irgendwann müsse man eine Entscheidung treffen. Gehrer kündigte auch an, nochmals mit Zeilinger sprechen zu wollen.

Kritik an der Standortentscheidung für Gugging kam dagegen von der Molekularbiologin und Wissenschafterin des Jahres 2002 Renee Schroeder im "Kurier": "Die Leute in der Pampa zu isolieren, ist nicht gut. Das bringt nicht die Elite, die man haben will." An diesen Ort würden keine guten Wissenschafter kommen, meint sie; diese brauche man aber, damit weitere gute folgen. Wolle man "genial-autistische Forscher, die nicht kommunizieren können", sei Gugging dagegen ideal. Nicht einverstanden ist sie auch mit der Behandlung Zeilingers: "Zuerst involviert man ihn. Die Entscheidung, wo die Einrichtung hinkommt, fällt gegen seinen Willen. Eine Frechheit." Sie verstehe daher den Ausstieg des Physikers aus dem Projekt: "Ich hätte das Gleiche gemacht - obwohl ich für eine solche Institution bin."

In Sachen Uni-Zugang für Medizinstudenten kündigte Gehrer einen Lösungsvorschlag innerhalb der "nächsten Wochen" an. Amtsmüde zeigte sich Gehrer übrigens trotz vielfacher Kritik an ihr nicht. "Ich bin kein bisschen müde", sagte sie.

SPÖ: Entscheidung für Gugging parteipolitisch
Für die SPÖ bleibt die Entscheidung von Gehrer für Gugging als Standort für die geplante Elite-Uni eine parteipolitische. "Nicht die Kritik ist parteipolitisch motiviert, sondern der Beschluss der Regierung", sagte SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal in einer Aussendung. Und: "Für wie dumm will Bildungsministerin Gehrer die Öffentlichkeit noch verkaufen, wenn sie weiterhin behauptet, die Entscheidung für die geplante Elite-Uni am Standort Gugging sei nach objektiven Kriterien gefallen." Broukal forderte ein "Zurück an den Start."

Als "Eingeständnis des Versagens" von KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel wertet der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl die Ankündigung von Gehrer, einen kaufmännischen Direktor für das Museum zu bestellen. Die Ministerin reagiere "immer erst unter dem Druck der Öffentlichkeit - und dann immer nur nach dem Prinzip, das Notwendigste ist schon fast zu viel". Die Installierung einer kaufmännische Geschäftsführung wäre schon 1999 notwendig gewesen, spätestens aber nach dem Rechnungshof-Bericht vor einem Jahr.

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl forderte in einer Aussendung den Rücktritt Gehrers und Seipels. Die Ministerin sei in allen Belangen gescheitert. Und die ÖH forderte Gehrer schließlich auf, die Geldmittel für die Elite-Uni den bestehenden Universitäten zukommen zu lassen.

(apa/red)