"Das gibt's nicht, da steht ein Gerüst": Jeder
hätte "Saliera" aus dem KHM stehlen können

Sicherheitseinrichtungen "nicht am letzten Stand" Dieb wusste nicht, was er mit Saliera anfangen sollte

Der Anwalt, der nach der Verhaftung des 50-jährigen Robert M. mitgeholfen hat, diesen zur Herausgabe der "Saliera" zu bewegen, hat den Täter als jemand geschildert, "der niemandem etwas angetan hat, außer dass er uns alle drei Jahre auf Trab gehalten hat." Der Täter habe gesagt, dass die viel kritisierte, jedoch laut Bildungsministerium internationalen Standards entsprechende Sicherheitsausrüstung des KHM "nicht am letzten Stand" gewesen sei, so Rechtsanwalt Gerald Albrecht vor Journalisten.

Der Anwalt widersprach auch der Auffassung, dass die Tat nur von einem "hochspezialisierten Experten" durchgeführt hätte werden können, wie Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) betont hatte. "Wir hätten das eigentlich alle machen können", so Albrecht. Dazu wäre lediglich eine halbe Stunde Einschulung, ein Messer und ein Werkzeug zum Scheibeneinschlagen nötig gewesen. Der Fehler des Täters sei gewesen, dass er den Diebstahl in die Tat umgesetzt hat, sagte Albrecht. "Es war ein plötzlicher Tatentschluss. Er geht irgendwann einmal (beim Kunsthistorischen Museum, Anm.) vorbei und denkt sich: Das gibt's nicht, da steht ein Gerüst", schilderte Albrecht.

Ratlosigkeit nach dem Coup
Der zuvor unbescholtene Robert M. habe nach dem erfolgreichen Diebstahl der "Saliera" "einfach nicht gewusst, was er damit tun soll", so Albrecht. Daher habe es nach dem ersten gescheiterten Kontaktnahmeversuch zwei Jahre (bis Herbst 2005) gedauert, bis der Täter erneut in Erscheinung getreten ist. Der Täter habe "immer seine Hemmschwelle gewahrt" und davon abgesehen, das Objekt "einfach wegzuhauen. Er hat nie schädigende Tatschritte gesetzt".

Der Anwalt ist überzeugt: "Bei allem, wofür er gerade stehen muss - es kann ja eigentlich nichts Besseres passieren, als wenn das so ein Mensch macht. Hätten wir einen Auftragstäter, würde die 'Saliera' nie wieder auftauchen und ein reicher Mäzen würde einmal in der Woche seinen Kasten aufmachen und sich das anschauen. Hätten wir irgendeine Rumänien-Bande, hätten wir jetzt ein Klumperl Gold."

Freude am Katz- und Maus-Spiel
Die "Schnitzeljagd", die der Täter mit der Polizei und der Versicherung veranstaltet hat, habe in M. eine "gewisse Freude" am "Katz- und Maus-Spiel" ausgelöst. "Eigentlich ging es ihm ums Spielen", so Albrecht. "Er wollte kein Geschäft daraus machen". M. habe aber auch "immer wieder sehr große Angst gehabt" und sich auch nie jemandem anvertraut. "Es war unglaublich, wie er das mit sich selbst ausgemacht hat." Auch in der Nacht des Diebstahls sei er zuvor alleine weg gewesen.

Nachdem nun die Geschichte zum Abschluss gekommen ist, war der Täter "sehr erleichtert". Albrecht habe ihm im Zuge der Gespräche gesagt, "das Wichtigste ist, es muss dieses Kunstwerk zurück. Wenn ich jemandem 50 Mio. Euro schulde, ist das sehr schwer aufzubringen." Albrecht betont: "Ganz wichtig: Ohne ihn wäre es nicht gegangen. , hätten wir die 'Saliera' verloren." (apa/red)