Dänische Mohammed-Karikaturen versetzen
Welt in Aufruhr: Heftige Kritik von Moslems!

Premier Rasmussen kündigt diplomatische Initiative an

Nach den weltweiten Protesten aufgebrachter Moslems wegen der Veröffentlichung von den Propheten Mohammed zeigenden Karikaturen in dänischen Zeitungen ist die Regierung in Kopenhagen um eine Beruhigung der Lage bemüht. Der dänische Außenminister Per Stig Moller bestätigte nach seiner Rückkehr von der Afghanistan-Konferenz in London, dass er dort mit Kollegen aus vier arabischen Ländern über Möglichkeiten zur Beilegung der Krise gesprochen habe. Namen wollte er aber nicht nennen. "Wir waren uns einig, dass es eine langer Prozess wird, weil es so viel Zorn auf den Straßen gibt", sagte Moller.

Auch nach der Entschuldigung der Zeitung "Jyllands-Posten" für die Kränkung religiöser Gefühle durch die Mohammed-Karikaturen gingen die Straßenproteste in der islamischen Welt am Dienstag weiter. In Tunis verlangten 17 Außenminister der Arabischen Liga von Dänemark die Bestrafung der Verantwortlichen für die Zeichnungen.

Der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen kündigte eine umfassende diplomatische Initiative zur Beruhigung in den islamischen Ländern an. Er äußerte die Hoffnung, dass es nach der von ihm ausdrücklich begrüßten Entschuldigung durch die Zeitung nicht zu den angedrohten Boykottaktionen gegen Dänemark in der islamischen Welt kommen werde.

Verteidigungsminister Soren Gade teilte mit, dass die 500 im südlichen Irak stationierten dänischen Soldaten wegen einer angeblich von Terroristen ausgestellten "Fatwa" in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden seien. Aus dem Irak wurden am Dienstag auch erstmals gegen Dänemark gerichtete Protestdemonstrationen gemeldet.

Rasmussen warnte bei einer Pressekonferenz alle Dänen vor Vergeltungsaktionen gegen in dem skandinavischen Land lebende Moslems. Gleichzeitig bestätigte eine Parlamentsabgeordnete der mit Rasmussens Regierung zusammenarbeitenden Dänischen Volkspartei (DVP), dass sie eine SMS-Kampagne mit Boykottaufrufen gegen islamische Geschäfte in Gang gesetzt habe. Rasmussen meinte, Zuwanderer in Dänemark dürften nicht die Leidtragenden des derzeitigen Konfliktes werden.

Bei einer Umfrage des Fernsehsenders TV2 erklärten 49 Prozent der befragten Dänen und damit eine klare Mehrheit, dass sie führende Moslems in ihrem Land für die Hauptverantwortlichen am Konflikt um die Zeichnungen halten, weil sie Proteste in andere Länder getragen hätten. 28 Prozent machten die Zeitung "Jyllands-Posten" verantwortlich, die die Karikaturen veröffentlicht hatte. Zehn Prozent nannten arabische Regierungen, neun Prozent die dänische Regierung. (apa)