Dach einer Volksschule in OÖ. wegen Schnee eingestürzt: 100 Kinder wurden evakuiert

<b>Oberösterreich:</b> Schneesituation "heuer extrem".<br><b>Salzburg:</b> Dach einer Maschinenfirma eingestürzt.<br><b>Tirol:</b> Weiter kritische Lawinensituation im Land. <b>BILDER:</b> So hat der Winter Österreich im Griff!<br><b>PLUS:</b> Gleich nachschauen - so wird das Wetter!

Das Dach einer Volksschule in Kopfing (Bezirk Schärding) in Oberösterreich ist unter der Last des zuletzt gefallenen Neuschnees am Mittwochvormittag eingestürzt. 100 Schüler wurden evakuiert, 100 weitere mussten wenig später ebenfalls das Gebäude verlassen. Auch in anderen Landesteilen waren Dächer in Gefahr.

Kurz nach Schulbeginn hatten die Lehrer verdächtige Geräusche gehört und die Kinder in Sicherheit gebracht. Bald darauf stürzte das Dach ein. Zunächst wurde nur die Volksschule evakuiert. Die im selben Gebäude untergebrachten Hauptschüler setzten den Unterricht im Untergeschoß fort, der erste Stock wurde gesperrt.

Im Laufe des Tages begutachteten Statiker den Schaden. Sie stellten fest, dass das ganze Gebäude geräumt werden muss. Auch die Hauptschüler durften nach Hause gehen, die angrenzende Musikschule wurde geschlossen. Diese Woche wird voraussichtlich kein Unterricht mehr stattfinden, die rund 100 Taferlklassler und ihre ebenfalls etwa 100 älteren Kollegen aus der Hauptschule haben überraschend schulfrei. Die Statiker legten darüber hinaus fest, in welchen Bereichen sich die von Bürgermeister Otto Straßl angeforderten 150 Helfer von Feuerwehr und Bundesheer gefahrlos bewegen können.

Heuriger Winter in Kopfing "extrem"
Kopfing ist traditionell schneereich, der heurige Winter sei aber "extrem", sagte der Bürgermeister. Von Dienstag auf Mittwoch hat es 35 Zentimeter geschneit. Die schwere Last des Neuschnees dürfte zu viel für das 8.000 Quadratmeter große Satteldach gewesen sein. Bereits vergangene Woche musste das 60.000 Quadratmeter große Flachdach einer ortsansässigen Firma von Bundesheer und Feuerwehr wegen Einsturzgefahr freigeschaufelt werden.

Auch in anderen Teilen Oberösterreichs verursachten die Neuschneemassen Probleme. In Bad Ischl (Bezirk Gmunden) drohte das Dach der Volksschule einzustürzen, 300 Kinder mussten evakuiert werden. Ob das Gebäude am Donnerstag wieder benützbar sein wird, stand vorerst nicht fest. In der Salzkammergut-Stadt hatte es von Dienstag auf Mittwoch 50 Zentimeter geschneit, mancherorts lagen 170 Zentimeter Schnee. Den ganzen Mittwoch über waren in Bad Ischl 130 mit Schneeschaufeln bewaffnete Feuerwehrleute unterwegs, um etliche Dächer von der schweren Last zu befreien.

In Waizenkirchen (Bezirk Grieskirchen) stürzte am Dienstagabend die Maschinenhalle eines Bauernhofs ein und begrub ein Auto sowie verschiedene landwirtschaftliche Geräte und sechs Getreidesilos unter sich. Verletzt wurde niemand, das genaue Schadensausmaß stand noch nicht fest.

Dach einer Firma in Salzburg eingebrochen
In Hof bei Salzburg (Flachgau) ist das Dach einer Halle einer Baumaschinenfirma eingestürzt. Es waren keine Menschen in dem Gebäude, weil es wegen Einsturzgefahr bereits geräumt worden war, sagte der Hofer Ortsfeuerwehrkommandant Herbert Wesenauer zur APA. Sicherheitshalber wurden die Trümmer abgesucht, zum Glück war niemand darunter. Allerdings entstand hoher Sachschaden.

Man habe noch versucht, den schweren, nassen Schnee von der Halle zu schaufeln, "aber sie haben es nicht mehr geschafft", sagte Wesenauer. Das etwa 40 mal 25 Meter große Dach der Halle stürzte kurz nach 8.00 Uhr zur Gänze ein. Es handelte sich um eine Halle aus Stahlrohrkonstruktion.

Lawinen verschütteten in Salzburg zwei Gebäude
Im Bundesland Salzburg ereigneten sich am Dienstagabend zwei Lawinenabgänge. In Ebenau (Flachgau) verschütteten die Schneemassen ein Bauernhaus teilweise, und in Krispl-Gaißau (Tennengau) donnerten die Schneemassen ebenfalls auf eine Haus und begruben dabei die Garage etwa eineinhalb Meter tief, wie aus dem Pressebericht der Polizei hervorgeht. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Gegen 19.00 Uhr löste sich vom Strumberg im Ebenauer Ortsteil Lidaun die 45 Meter breite Lawine und ging genau auf das Bauernhaus ab. Die weißen Massen drückten mehrere Fenster auf und drangen dadurch zum Teil in das Gebäude. Die Familie im Haus blieb aber glücklicherweise unverletzt. Etwa 20 Feuerwehrleute begannen noch in der Nacht mit den Aufräumarbeiten. Die Schadenshöhe stand noch nicht fest.

Gut eine Stunde später ging auch in Krispl eine bis zu 60 Meter breite Lawine nieder, die im Stauraum eine Höhe von fast vier Meter erreichte. Sie verschüttete die Garage eines Hauses rund eineinhalb Meter, das Wohnhaus selbst wurde nicht begraben. Vorerst wurde befürchtet, dass sich eine Person in der Garage befand, es stellte sich aber dann heraus, dass sich diese während des Lawinenabgangs gerade im Haus aufgehalten hatte. Auch hier waren knapp 20 Feuerwehrleute im Einsatz. Dieser war äußerst gefährlich, weil mit weiteren Lawinenabgängen gerechnet werden musste. Deshalb wurden die Hänge ausgeleuchtet und Warnposten aufgestellt. Laut Polizei entstand kein Sachschaden.

Oberösterreich: Schneemassen in den Bergen, Glatteis im Tal
Der Winter hatte Oberösterreich auch am Mittwoch fest in seiner Hand. Lawinengefahr und Schneeverwehungen in den Bergen, Glatteis und große Schmelzwassermengen im Tal - die Autofahrer mussten mit allerhand Widrigkeiten fertig werden. Es ereigneten sich zahlreiche Unfälle.

Vor allem in Lagen über 500 Meter Seehöhe herrschten tief winterliche Straßenverhältnisse, in den Niederungen sorgte das Schmelzwasser für steigende Aquaplaninggefahr. Im Mühlviertel gab es zum Teil starke Schneeverwehungen, im Innviertel hatte man mit Glatteis zu kämpfen zu rechnen. Zahlreiche Straßen waren gesperrt oder nur mit Ketten zu befahren. Der Koppenpass und der Hengstpass mussten wegen Lawinengefahr ebenfalls gesperrt werden.

Weiter kritische Lawinensituation für Wintersportler in Tirol
In Tirol ist die Lawinensituation "kritisch" geblieben. Stellenweise, etwa in den Kitzbühler Alpen, könnte sogar der Wert "4" auf der fünfteiligen Skala erreicht werden. Die Experten des Lawinenwarndienstes sprachen von einer "hohen Auslösewahrscheinlichkeit" in eingewehten Steilhängen.

Das entscheidende Kriterium für die Gefährlichkeit sei derzeit, ob Wind den Neuschnee verfrachtet habe bzw. ob sich der Neuschnee unter dem Einfluss der warmen Temperaturen gebunden habe. Sobald dies der Fall sei, müsse davon ausgegangen werden, dass man im Steilgelände leicht Lawinen auslösen könne. Man finde allerdings auch noch Bereiche, wo eine lockere uns somit eher spannungsarme Schneedecke vorliege.

Während der vergangenen 24 Stunden habe der Osten des Landes sowie Teile der südlichen Ötztaler und Stubaier Alpen einiges an Neuschnee abgekriegt. Spitzenreiter sei der Bereich um St. Johann mit bis zu 60 Zentimeter gewesen, ansonsten betrage der Neuschneezuwachs meist zwischen 20 und 40 Zentimeter. Im Westen schneite es hingegen bis maximal zehn Zentimeter. Osttirol ging mit Ausnahme des Nordens wieder leer aus.

Der anfangs oft lockere Neuschnee setze sich unter dem Einfluss des Temperaturanstieges bereits deutlich, allerdings werde er dadurch auch zu gebundenem Schnee, einer Voraussetzung für die Bildung von Schneebrettlawinen. Gebunden sei der Neuschnee auch durch den sehr unterschiedlich starken Windeinfluss, sowohl in der Höhe, teilweise auch in tieferen Lagen. Der Neuschnee lagere häufig auf einer extrem lockeren, aus so genanntem Wildschnee bestehenden Schneeschicht, die sich teilweise am Sonntag aus Hochnebel bzw. am Montag abgelagert habe. Die Verbindung von Neuschnee mit Wildschnee sei "extrem schlecht".

Hahnenkamm hat bei Neuschnee die Nase vorn
Enorme Neuschneemengen haben in Teilen Österreichs für tief winterliche Bedingungen gesorgt. Der Rekordwert wurde aus Kitzbühel gemeldet. Laut Hoher Warte fielen dort innerhalb von 24 Stunden (bis Mittwoch, 7.00 Uhr) 30 Zentimeter Neuschnee. Mit 1,48 Meter Schneehöhe insgesamt liegt der Hahnenkamm allerdings nur auf Platz fünf. Sieger ist der Sonnblick mit derzeit 2,40 Meter.

Doch nicht nur in den Alpen gab es große Zuwächse an weißer Pracht. Besonders Niederösterreich wurde vom Voralpenland bis zum Waldviertel regelrecht zugedeckt. Litschau meldete 25 Zentimeter Neuschnee, Lunz am See 20 Zentimeter, bei der Rax-Seilbahn-Bergstation wurden 18 Zentimeter gemessen, woraus sich eine Gesamthöhe von 1,95 Meter und somit der zweite Platz in der Rangliste ergab.

Weitere Neuschnee-Höchstwerte: Rudolfshütte-Alpinzentrum 30 Zentimeter (Gesamthöhe 1,95 Meter), Schmittenhöhe 26 (insgesamt 1,47 Meter), Lofer, Krimml und Feuerkogel 20 (insgesamt 1,90 Meter), Innsbruck-Flughafen und Badgastein-Böckstein je 15 sowie Lilienfeld-Tarschberg 14.
(apa)