Mehr als fünf Monate nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" hat die Bergung begonnen. Die Herausforderung für die beauftragten Spezialfirmen ist gigantisch.
Danach soll der Zustand des Meeresboden kontrolliert werden. Die Experten der US-Firma Titan Salvage und des italienischen Unternehmens Micoperi, die mit der Bergung des Schiffes beauftragt wurden, wollen mit tonnenschweren Drahtseilen das Wrack auf dem Meeresboden verankern, um zu verhindern, dass es sich bewegt.
Wrack wird aufgerichtet
Schließlich müssen 30 Meter lange Pfähle im Meeresboden verankert werden. Sie werden die große Unterwasser-Plattform tragen, die das Wrack stützen wird, nachdem es wieder in eine senkrechte Position gebracht worden ist. Etwa 100 Arbeiter werden eingesetzt, um die gekenterte "Costa" am Meeresgrund zu sichern und dann mit Hilfe von Containern und Kränen aufzurichten.
Die Container werden je nach Bedarf mit Wasser oder Luft gefüllt und sollen das Wrack ins Gleichgewicht bringen. Ist dies gelungen, wird das Schiff in einen italienischen Hafen geschleppt, der noch bestimmt werden soll. Abschließend wird der Meeresboden gesäubert.
Aktion soll ein Jahr dauern
"Die Bergung des Schiffswracks soll ein Jahr dauern, doch wir hoffen, dass wir die Arbeiten schon einige Monate früher beenden können", sagte Silvano Bartolotti, Inhaber der Firma Micoperi, nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Mittwoch. Die Herausforderung für die Firma ist gigantisch. Das Schiff wiegt leer so viel wie 100 Boeing 747. Die Firma Micoperi greift auf ihr Know-how beim Bau von Ölplattformen zurück.
Der Plan sieht auch Initiativen zum Schutz des Tourismus auf der Insel Giglio vor. Die Anwesenheit der etwa 100 Arbeiter soll die Insel nicht belasten. Die operative Basis von Titan liegt deshalb in der toskanischen Hafenstadt Piombino. Hier werden auch die Materialien für die Bergung deponiert. Ein Expertenteam aus Vertretern der Region Toskana, des Umweltministeriums, der Hafenbehörden und anderer lokalen Institutionen überprüft, dass die Bergungsarbeiten planmäßig erfolgen.
30 Menschen bei Unglück gestorben
Bei der Havarie des 290 Meter langen Kreuzfahrtschiffes am 13. Jänner kamen 30 Menschen ums Leben. Zwei gelten immer noch als vermisst. Die Costa Concordia war zu nahe an die Insel herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war mit mehr als 4.200 Personen an Bord, darunter 77 Österreicher, gekentert. Kapitän Francesco Schettino steht seither unter Hausarrest. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen seines Schiffes während der nächtlichen Evakuierung vor.